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Kaufkraftverlust : Die Inflation ist nicht leicht zu schlagen

Geldanlagen bei Niedrigzinsen: Was tun bei steigender Inflation? Bild: Imago

Die Inflationsrate ist im Januar auf 1,9 Prozent gestiegen. Für Sparer gilt nun Handlungsbedarf: Wo gibt es noch so hohe Zinsen fürs Ersparte, dass dieser Kaufkraftverlust ausgeglichen wird?

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          Die Inflationsrate in Deutschland ist im Januar auf 1,9 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit mehreren Jahren. Für Sparer stellt sich die Frage: Wie können sie ihr Geld in der Niedrigzinsphase anlegen, um zumindest einen Kaufkraftverlust durch die Inflation zu vermeiden? Klassische Sparangebote von Banken, für die es mehr als 1,9 Prozent Zinsen gibt, sind im Augenblick ausgesprochen rar. Als Alternative in Frage kommen zum Beispiel Aktien, Staatsanleihen weniger sicherer Länder, Unternehmensanleihen und Bankprodukte von ausländischen Banken. Dabei müssen für einen Vergleich mit der Inflation unter Umständen zusätzlich Steuern auf die Zinsen berücksichtigt werden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, der die Zinsen für Tages- und Festgeld in Deutschland vergleicht, berichtet: Von den Tagesgeld-Angeboten in seinen Tabellen – in die er bestimmte ausländische Angebote ohne europäische Einlagensicherung allerdings nicht aufnimmt – gebe es kein Tagesgeldkonto mehr, auf dem man 1,9 Prozent Zinsen bekommt. „Beim Tagesgeld sind das maximal 1,2 Prozent im Jahr“, sagt Herbst. Spitzenreiter in den Tagesgeldtabellen ist im Augenblick „Key Project“, eine Marke der italienischen Banca Popolare Lecchese. Das Geld wird über das Vermittlungsportal Weltsparen angelegt und bringt 1,2 Prozent. Beträge bis 100.000 Euro sind dabei über die italienische Einlagensicherung geschützt.

          Für Festgeld nennt FMH drei Beispiele von internationalen Banken, bei denen Anleger noch mehr als 1,9 Prozent bekommen. Das eine ist die Bigbank. Bei der Bank aus Estland gibt es die Besonderheit, dass zumindest auf bestimmten Konten kein Zinseszins gezahlt wird. Hier gibt es Angebote für Festgeld auf zehn Jahre, bei denen man auf einen Zinssatz von 2 Prozent kommt. Allerdings ist die effektive Rendite unter Berücksichtigung der Zins-Modalitäten niedriger, sie liegt bei 1,84 Prozent. Beträge bis 100.000 Euro sind dabei durch die estnische Einlagensicherung geschützt.

          Etwas mehr Rendite für Staatsanleihen

          Für Festgeld auf fünf Jahre gibt es in den Internet-Zinstabellen zwei Angebote, die auf 2 Prozent Zinsen im Jahr kommen, und die beide über das Vermittlungsportal Savedo angeboten werden. Die portugiesische Bank Atlantico Europa bietet 2 Prozent bei einer Mindestanlage von 5000 Euro. Die kroatische Bank Kovanica bietet 2 Prozent bei einer Mindestanlage von 10.000 Euro. In beiden Fällen sind Einlagen bis 100.000 Euro durch die Einlagensicherung der jeweiligen Heimatländer geschützt.

          Das Internetportal Weltsparen bewirbt darüber hinaus noch ein Konto der italienischen Banca Sistema, auf dem es für Beträge zwischen 50.000 und 100.000 Euro als Festgeld auf fünf Jahre 2,7 Prozent Zinsen gibt – allerdings erst am Ende ohne Zinseszins gutgeschrieben, so dass die effektive Verzinsung bei 2,56 Prozent liegt. Das Portal weist darauf hin, dass man für dieses Konto eine italienische Steuernummer benötige – die Beantragung könne vier Wochen dauern.

          Für Staatsanleihen gibt es zum Teil auch wieder etwas mehr Rendite als im vorigen Jahr – Titel in fremden Währungen haben dabei allerdings zusätzlich ein Währungsrisiko. So kommen amerikanische Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit auf 2,5 Prozent. Entsprechende Staatsanleihen aus Italien bringen 2,3 Prozent, aus Portugal 4,1 Prozent und aus Griechenland sogar schon wieder 7,4 Prozent.

          Bei Unternehmenanleihen gibt es auch eine ganze Reihe, die noch auf mehr als 1,9 Prozent Rendite kommen; allerdings ist oft die Laufzeit lang oder das Rating gering. Beispiele sind der Energieversorger EnBW, der amerikanische Versicherer Liberty Mutual oder der Tabakkonzern Philip Morris. Anlagestratege Oliver Postler von der Hypovereinsbank spricht davon, zumindest mittelfristig eröffneten höhere Renditen die Chancen für den Wiedereinstieg in festverzinsliche Wertpapiere.

          Rentenprodukte wenig attraktiv

          „In Zeiten wieder steigender Inflation sind Rentenprodukte generell wenig attraktiv“, meint hingegen Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei Blackrock in Deutschland. „Besser positioniert sind Anleger in solchen Zeiten mit realen Finanzprodukten, also solchen, die Inflationsschutz bieten oder sogar von höheren Preisen profitieren, wie Aktien oder Rohstoffe.“ Bei Rentenprodukten sollten sie sich auf kürzere Laufzeiten und Emittenten ohne Spitzen-Rating, etwa Unternehmens- und Schwellenlandanleihen, konzentrieren, dort seien noch Renditen oberhalb der Inflationsrate zu erzielen.

          Für Aktien gilt, dass sie in der Vergangenheit über längere Zeiträume immer locker über eine Rendite von 1,9 Prozent kamen. Das VZ Vermögenszentrum hat einmal für verschiedene Zeiträume untersucht, wie hoch die jährliche Rendite war, wenn jemand Geld für 15 Jahre in den Dax investiert hat. Das Ergebnis: Immer gab es einen Gewinn, in 97 Prozent der Zeiträume einen Zuwachs von mehr als vier Prozent im Jahr. Durchschnittlich erzielte der Dax 8,7 Prozent, im besten Fall sogar 15,7 Prozent, im schlechtesten immerhin noch 2,5 Prozent im Jahr. Hier stellt sich höchstens die Frage, ob der Zeitpunkt zum Aktienkauf günstig ist, mehrere Indizes haben schließlich gerade Höchststände erreicht. Viele Anlagestrategen haben sich deshalb zuletzt dahingehend geäußert, dass amerikanische Aktien schon recht teuer seien – und sie europäische bevorzugten.

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