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Tagesgeld-Zinsen : VW erhöht den Tagesgeld-Zins

Unter Konkurrenten und bei den Internetvergleichsportalen wurde gleichwohl spekuliert, Volkswagen wolle sich offenbar vorbeugend mit Liquidität eindecken. Bild: AFP

Wem soll man sein Tagesgeld anvertrauen? Außer der VW Bank locken auch russische Institute, eine Bank aus Griechenland und ein Nachfolger der Hypo Alpe Adria mit etwas höheren Zinsen.

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          Alle warten darauf, dass die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen um 25 Basispunkte anhebt - die VW Bank macht es: Am Mittwoch hat das Kreditinstitut des Volkswagen-Konzerns die Zinsen für Tagesgeld von 1 Prozent auf 1,25 Prozent angehoben und ist damit in den Vergleichstabellen im Internet auf den ersten Platz aufgestiegen. Weit etwa vor der Opel Bank, die erst seit September überhaupt ein Tagesgeldkonto im Internet anbietet, und bereits zum 1. Oktober den Zinssatz von 1,05 auf 1,0 Prozent gesenkt hat.

          Christian Siedenbiedel
          (sibi.), Finanzen, Wirtschaft

          Der höhere Zinssatz bei VW soll allerdings nur für Neukunden gelten und wird nur für vier Monate gewährt. Offiziell begründete die Bank die Offerte mit einer Jubiläumsaktion: Man sei jetzt seit 25 Jahren als Direktbank am Markt und habe deshalb einen Zinssatz gewählt, in dem die Ziffern „25“ vorkämen. Das alles sei „von langer Hand geplant“ und habe nichts mit den Turbulenzen um Volkswagen zu tun, sagte ein Sprecher.

          Unter Konkurrenten und bei den Internetvergleichsportalen wurde gleichwohl spekuliert, Volkswagen wolle sich offenbar vorbeugend mit Liquidität eindecken. „Im Zuge des VW-Skandals werden die auch schwerer an Geld kommen, also mehr zahlen müssen“, meinte Horst Biallo vom Internetportal Biallo.de. „Dann ist es besser, beim Privatanleger einzusammeln. Das tun die jetzt. Für den Privatanleger ist das klasse.“ Schließlich sind die Zinsen für Tages- und Festgeld insgesamt in Deutschland seit dem Sommer vorigen Jahres von einem sehr niedrigen Niveau aus immer noch weiter gesunken. Im Durchschnitt liegen sie nach Angaben der FMH-Finanzberatung jetzt für Tagesgeld bei 0,37 Prozent, für Festgeld (auf zwei Jahre angelegt) bei 0,48 Prozent.

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          Es gibt allerdings immer wieder einzelne Banken, die ausbrechen und mit etwas höheren Zinsen um Kunden werben. Zum Teil aus gutem Grund: Neben der VW Bank sind das im Augenblick beispielsweise eine griechische Bank, russische Banken - und eine (mittlerweile verkaufte) frühere Tochtergesellschaft der Skandalbank Hypo Alpe Adria. In den Vergleichstabellen für Tagesgeld im Internet tauchen solche Institute oft gar nicht auf.

          In Frankfurt beispielsweise gibt es unweit des Hauptbahnhofs eine Filiale der griechischen Piräus Bank. Die bietet auch über das Internet Tages- und Festgeldkonten an. Beim Modell „Gold Premium“ etwa zahlt sie 2,2 Prozent für Festgeld, auf zwei Jahre angelegt, bei einer Mindestanlage von 20.000 Euro. Zum Thema Sicherheit verweist die Bank auf den griechischen Einlagensicherungsfonds und den Umstand, dass der griechische Staat im Zuge der europäischen Einlagensicherung Beträge bis 100 000 Euro garantiere.

          Ausgerechnet Griechenland? Die Tagesgeldexperten sind skeptisch: „Ich würde mir überlegen, ob ich das Risiko wegen 0,2 Prozent mehr Zinsen eingehen würde“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Und bei Biallo heißt es, hinsichtlich solcher Banken schaue man sich stets das Länderrating von Standard & Poor’s für das jeweilige Heimatland an, weil schließlich im Fall der Fälle der Staat für die Einlagen geradestehen müsse. Banken aus Ländern mit einem Rating im Bereich der spekulativen Anlage („BB+“ und schlechter) wie Griechenland nehme man gar nicht erst in die Vergleichstabellen auf, sagt Peter Weissenberg von Biallo.

          Bild: F.A.Z.

          Die Sberbank direct hingegen taucht derzeit in vielen Rankings auf: Sie bietet 0,9 Prozent für Tagesgeld und bis zu 2 Prozent für Festgeld. Die Direktbank ist eine unselbständige Niederlassung der österreichischen Tochtergesellschaft der russischen Sberbank. Das Geld ist daher durch die österreichische Einlagensicherung geschützt. „Bei den russischen Banken mit österreichischer Banklizenz hätte ich keine Probleme“, sagt Tagesgeldfachmann Herbst. „Ich halte den österreichischen Staat für so solvent und vertrauenswürdig, dass er für eine eventuelle Bankenschieflage einsteht, wenn die Einlagensicherung der Banken noch nicht ausreichen sollte.“ Gleichwohl gab es zur Sberbank in letzter Zeit beunruhigende Nachrichten.

          So ist der Gewinn des Konzerns im zweiten Quartal um 44 Prozent eingebrochen. Bankchef Herman Gref sprach davon, die wirtschaftliche Krise in Russland und die Sanktionen hätten seine Bank „erheblich getroffen“, bestandsgefährdend sei das aber nicht. Spekulationen, die Bank ziehe über die Rückzahlung eines Milliardenkredits Geld aus der österreichischen Tochtergesellschaft zur russischen Konzernmutter ab, hatte die Bank zurückgewiesen: „Wir unterliegen der Aufsicht und Regulierung der Europäischen Zentralbank - und halten uns strikt an alle Regeln.“

          Bild: F.A.Z.

          Eine ungewöhnliche Bank, die mit etwas höheren Zinsen wirbt, ist auch die Austrian Anadi Bank. Sie zahlt 1,22 Prozent für sechs Monate und 1,66 Prozent für drei Jahre - allerdings nur, wenn man das Konto über das Internetvermittlungsportal Zinspilot eröffnet. Hinter dieser Bank steckt die frühere Hypo Österreich, eine Tochtergesellschaft der Skandalbank Hypo Alpe Adria, die an den britisch-indischen Geschäftsmann Sanjeev Kanoria verkauft worden war. Der Name „Anadi“ soll dabei auf Hindi so viel bedeuten wie „ewig“ - und den Kunden offenbar mehr Vertrauen einflößen, als es alle Kombinationen mit „Hypo“ zuletzt getan haben.

          Wohin also mit dem Geld? Bei den Verbraucherzentralen zumindest rät man dazu, überhaupt keine Risiken für ein paar Zehntelprozentpunkte mehr einzugehen. „Anleger, die an Einlagen interessiert sind, wollen eine möglichst hohe Sicherheit haben“, sagt Niels Nauhauser, Bankenfachmann der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Daher raten wir ausschließlich zu Einlagen, die nach deutschem Recht gesetzlich abgesichert sind.“

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