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Börsen : Vernichtet der Brexit unser Geld?

Londons Finanzdistrikt Canary Wharf: Wie stark werden die Börsenkurse fallen, wenn die Briten am 23. Juni für den EU-Austritt stimmen? Bild: dpa

Die Börsen sind in Aufruhr: Auf einmal fürchten alle den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Es droht der nächste Aktien-Crash.

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          George Soros, der berühmteste Spekulant der Welt, ist auch im hohen Alter von 85 Jahren da zu finden, wo sich an den Finanzmärkten Entscheidendes abspielt. Dieses Mal hat Soros, der in jüngeren Jahren gar auf den Niedergang ganzer Volkswirtschaften wettete, in großem Stil Gold gekauft – beziehungsweise er hat die Manager seines 30 Milliarden Dollar schweren, familieneigenen Investmentfonds dazu angewiesen. Das ist deswegen eine Erwähnung wert, weil sich Soros eigentlich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat. Wenn er aber Gefahren wittert, greift der Altmeister dann doch höchstselbst ins Geschehen ein.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Soros’ Gespür für die richtige Anlageidee zur richtigen Zeit ist legendär, er hat Milliarden damit verdient. Als darum in der vergangenen Woche sein Gold-Deal bekannt wurde, stellten sich Investoren auf der ganzen Welt nur eine Frage: Wovor fürchtet sich der alte Mann? Schließlich gilt Gold als Anlageart, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn an den Finanzmärkten Ungemach droht.

          Tatsächlich sieht Soros, so berichtete das Wall Street Journal, das Unheil derzeit von allen Seiten über uns hereinbrechen: Der Weltwirtschaft ging es schon mal besser, von China ganz zu schweigen. Aber mindestens genauso sehr macht ihm ein Land Sorge, das bislang in aller Regel als Garant für Stabilität galt – Soros fürchtet sich vor Großbritannien und dem Brexit, dem möglichem Austritt der Briten aus der Europäischen Union.

          Und so, als hätten sie nur auf sein Signal gewartet, machte sich Mitte der vergangenen Woche auf einmal Unruhe an den Märkten breit: Das Pfund verlor gegenüber dem Euro an Wert, die Kurse britischer Aktien fielen, und auch der deutsche Dax gab deutlich nach – er beendete die Woche mit einem Minus von fast drei Prozent klar unter der Marke von 10.000 Punkten.

          „Ein regelrechter Ausverkauf ist möglich“

          Die Finanzwelt ist nervös. Noch eine Woche ist es bis zur Brexit-Abstimmung und viele Anleger fragen sich: Wie gefährlich wäre es für das eigene Depot, wenn die Briten tatsächlich für den Austritt stimmten? Kommt es dann womöglich zum nächsten Crash?

          Die Antwort auf diese Fragen ist in diesen Tagen immer die gleiche – egal, welche Fondsgesellschaft oder welchen Vermögensverwalter man auch fragt. Alle betonen, die Gefahr eines Absturzes sei erheblich, und fügen hinzu: In ihren internen Konferenzen gebe es derzeit so gut wie kein anderes Thema. So sagt beispielsweise Felix Herrmann, Anlagestratege des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock: „Im Falle eines Brexit erwarten wir starke Verwerfungen an den Aktienmärkten. Ein regelrechter Ausverkauf ist möglich.“ Auch die einflussreiche Fondsgesellschaft Pimco warnt. Die Liste ließe sich fortsetzen.

          Dass die Nervosität sich erst in diesen Tagen Bahn bricht, hat nicht nur damit zu tun, dass die Entscheidung näher rückt. Sondern es hängt auch damit zusammen, dass sich selbst in den jüngsten Umfragen keine klare Mehrheit für die eine oder andere Seite ausmachen lässt: Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen.

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