https://www.faz.net/-gv6-838b0

Vermögensverwaltung : Mehr Aktien sind notwendig

Bullige Zeiten: Aktien sind momentan gefragt. Bild: Picture-Alliance

Aktien sind derzeit das Mittel der Wahl bei der Geldanlage. So sieht es auch das Bankhaus Metzler und erhöht den empfohlenen Anteil am Depot.

          2 Min.

          Es ist wahrlich keine Neuigkeit, dass die Anlageexperten des Frankfurter Bankhauses Metzler für die Aktie als eine wichtige Kapitalanlageform werben. Das tun sie seit vielen Jahren beharrlich. Nunmehr hat das Bankhaus aber seine Empfehlung für den Anteil von Aktien in den Geldvermögen gut betuchter Privatkunden erhöht. 50 bis 80 Prozent des zu verwaltenden Vermögens sollten aus Dividendentiteln bestehen, sagt Emmerich Müller, einer der Partner des Frankfurter Traditionshauses.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Das Bankhaus hat für sein Privatbankgeschäft ein Musterdepot erstellt, das sich mit einem Volumen von 5 Millionen Euro an sehr vermögende Privatpersonen wendet. Dieses Depot besteht zu 74 Prozent aus Aktien, zu 20 Prozent aus Anleihen und zu 6 Prozent aus liquiden Mitteln, die für spätere Aktienkäufe vorgesehen sind. Im Aktiendepot finden sich europäische Werte wie Allianz, BASF, Infineon, Nestlé, Renault, Sanofi und Siemens. Auf dem nordamerikanischen Markt werden unter anderem Amgen, Deere und Occidental Petroleum bevorzugt. Das Anleihen-Musterportfolio besteht aus Staats- und Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von längstens 4 Jahren.

          „In Anleihen mit langen Laufzeiten schlummern erhebliche Kursrisiken“, sagt Frank Naab, Leiter des Portfoliomanagements bei Metzler Private Banking. Zinsanlagen mit guter Bonität sind aus Sicht der Frankfurter Banker derzeit unattraktiv, weil angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus Rendite und Risiko nicht in einem angemessenen Verhältnis stünden. Dennoch empfiehlt Metzler traditionell, neben Aktien auch Anleihen zu halten. Denn mit einem gemischten Depot ist ein Anleger sowohl für eine Zeit mit einer höheren Inflationsrate wie für eine Phase mit Deflation aufgestellt.

          Naab hält es für möglich, dass in Deutschland die Inflationsrate am Jahresende bei 1,3 Prozent liegen könnte. Den jüngsten Renditeanstieg bei Anleihen sieht man bei Metzler gleichwohl nicht als Trendwende, sondern als eine vorübergehende Störung des Marktes, die sich durchaus wiederholen könne. Dennoch bleibe der europäische Anleihemarkt im Banne des Großkäufers Europäische Zentralbank.

          Kurssteigerungen sind gerechtfertigt

          Niedrige Anleiherenditen liefern sicherlich einen Grund, stärker auf Aktien zu achten. Aber die Aktienanlage muss sich auch aus sich selbst heraus lohnen. Dies ist für Naab vor allem am europäischen Aktienmarkt der Fall. „Steigende Unternehmensgewinne rechtfertigen höhere Aktienkurse“, sagt Naab. Interessant ist, für die im Stoxx-Europe-600-Index enthaltenen Unternehmen die langfristige Gewinnentwicklung – bei Metzler schaut man auf die Nettogewinnmarge, das ist das Verhältnis des Nettogewinns zum Umsatz – zu verfolgen. Hier zeigt sich, dass für den amerikanischen Aktienmarkt die Nettogewinnmarge oberhalb ihres langfristigen Durchschnitts liegt. Daher betrachtet man bei Metzler den amerikanischen Aktienmarkt insgesamt als fair bewertet.

          Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen ist entscheidend

          Auf dem europäischen Markt liegt die Nettogewinnmarge der Unternehmen jedoch unterhalb ihres langfristigen Durchschnitts. „Diese Marge könnte bald steigen“, sagt Naab. Aber sind die europäischen Aktien auf dem aktuellen Kursniveau nicht schon zu hoch bewertet? Naab verneint. Angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus hält er am europäischen Aktienmarkt ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 für gerechtfertigt. Legt man diese Messlatte zugrunde, besäße der Aktienmarkt in Europa ein Kurspotential von rund 15 Prozent. Dass die Kurse in den vergangenen Wochen etwas gewackelt haben, stört die Anlageexperten bei Metzler nicht. Aktien seien eine langfristige Anlage; wer hier investiert sei, müsse kurz- und mittelfristige Schwankungen aushalten.

          Die konkrete Auswahl der Aktien ist nicht entscheidend. Auch bei Metzler gilt, was andere Vermögensberater berichten: Rund 90 Prozent des langfristigen Ertrags einer Anlage stammt aus der strategischen Entscheidung über die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Wie dann innerhalb einer Klasse investiert wird, ist nachrangig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sieht den Fehler nicht bei sich: Olaf Scholz Ende April

          Cum-Ex : Schweigen über Steuertricks

          Alle Parteien begrüßen die höchstrichterliche Entscheidung zu Cum-ex, da die verwerfliche Praxis doch den Staat Milliarden gekostet hat. Der Bürger darf sich weiterhin fragen, wie es dazu kommen konnte.
          Guckloch: Blick auf die Altstadt Jerusalems mit dem Tempelberg

          Muslimisch-Jüdischer Dialog : Koscher oder halal?

          Ein muslimisch-jüdisches Paar bietet Anlass zu Projektionen. Ihre Ehe ist kein politisches Projekt – und führt doch in etliche Konfliktfelder. Davon berichten unsere beiden Kolumnisten von nun an in „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.