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Vermögensverwaltung : Für die lange Frist

Windkraftanlagen - viele Investoren wollen langfristig bei alternative Anlagen engagiert sein Bild: Picture-Alliance

Viele Anleger haben einen sehr langfristigen Anlagebedarf. Das Angebot der zur Verfügung stehenden attraktiven Produkte am Markt hält sich aber derzeit in Grenzen. Sogenannte alternative Anlagen könnten eine Option sein.

          Viele Anleger haben einen sehr langfristigen Anlagebedarf, weil sie langfristige Auszahlungen finanzieren müssen. Das gilt zum Beispiel für Lebensversicherungen und für Pensionskassen oder Versorgungswerke. Viele Sparer zahlen dort über Jahrzehnte ein, ehe sie an Auszahlungen denken können. Am einfachsten wäre es, wenn die Großanleger aus vielen langfristigen Anlageformen wählen könnten, deren Wertentwicklung zumindest einigermaßen kalkulierbar ist.

          Das ist aber nicht der Fall. Das Angebot von Anleihen solider Emittenten mit sehr langen Laufzeiten ist übersichtlich, und in vielen Fällen erscheinen die Renditen auch nicht besonders attraktiv. Dreißigjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit 1,81 Prozent. Das ist ärmlich, aber auch eine Rendite von 3,04 Prozent für dreißigjährige amerikanische Staatsanleihen sieht nicht sehr viel besser aus. Aktien haben in der Vergangenheit auf lange Sicht meist gut abgeschnitten. Aber dies gilt nicht für jeden beliebigen Zeitraum, und die erhebliche Volatilität in den vergangenen Jahren schreckt auch manchen hartgesottenen Investor ab.

          So ist es nicht erstaunlich, dass sich das Interesse vieler Großanleger in Richtung der sogenannten alternativen Anlagen richtet. Darunter werden vor allem Hedgefonds, Beteiligungskapital (Private Equity), Immobilien, Rohstoffe und zunehmend Infrastruktur verstanden. Die Nachfrage nach alternativen Anlagen dürfte in den kommenden Jahren anhalten. In der Branche existieren Schätzungen, wonach das Anlagevolumen in alternativen Anlagen von derzeit knapp 7 Billionen Dollar bis zum Jahre 2020 auf rund 13 Billionen Dollar steigen könnte.

          Bemerkenswert sind die Trends innerhalb der alternativen Anlagen. Rohstoffe haben in den vergangenen Jahren viele Anleger enttäuscht, und die aktuelle Marktentwicklung dürfte daran nichts ändern. Aber auch Hedgefonds, die häufig sehr kurzfristig an Märkten agieren, müssen sich Fragen nach ihrer Leistungsfähigkeit gefallen lassen. Anders sieht es mit Beteiligungskapital aus, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten seinen Anlegern viel Freude bereitet hat und auch derzeit eine starke Nachfrage erfährt.

          Wer mit Großanlegern spricht, erkennt nach wie vor ein großes Interesse an Immobilien, auch wenn die Preisentwicklung in Metropolen wie London und Paris zeigt, dass es auch Grenzen nach oben gibt. Immer mehr Interesse existiert jedoch für Infrastruktur. Das ist nicht erstaunlich in einer Zeit, in der angesichts sehr niedriger Zinsen reale Kapitalanlagen an Bedeutung gewinnen und andererseits sehr langfristige Investoren die Dauer ihrer Anlagen stärker an die Fristigkeit ihrer künftigen Auszahlungen anpassen wollen.

          Natürlich sind Anlagen in Infrastruktur eine aufwendige Angelegenheit, wenn ein Kapitalgeber direkt investieren will und nicht über einen Infrastrukturfonds, die vor allem in New York aufgelegt werden. Und es ist auch wahr, dass die Zielländer für Infrastrukturinvestitionen begrenzt sind, weil ein Kapitalgeber nur dort anlegen will, wo er auch in zwei oder drei Jahrzehnten noch auf Rechtssicherheit bauen kann. Verschrecken können Regierungen Investoren auch dann, wenn in ihrem Land zwar grundsätzlich Rechtssicherheit herrscht, eine auf Geldsuche befindliche Regierung aber kurzerhand Sondersteuern auf Infrastrukturbetreiber erhebt, weil in deren Kassen gewöhnlich viel Geld fließt. Auf diese Weise haben einzelne südeuropäische Länder in den vergangenen Jahren ihren Ruf bei westlichen Kapitalgebern ruiniert. Somit fließt das Geld privater Kapitalgeber vor allem in Projekte in Nordamerika und in europäische Länder nördlich der Alpen.

          Dort aber, so lautet eine häufig vernommene Klage, gibt es nicht viele Projekte auf dem Markt, und die Preise sind hoch. Nun verfügen die Staaten über erhebliche Bestände an Infrastruktur, aber die Neigung, sie zu verkaufen, ist gering. „Warum soll Wolfgang Schäuble zum Zwecke der Schuldentilgung Staatseigentum verkaufen, wenn er sich für einen Zinssatz von weniger als einem Prozent verschulden kann?“, fragt ein Vermögensverwalter schulterzuckend.

          Und so kommen Angebot und Nachfrage nach Infrastruktur nicht recht zusammen. Die Staaten, die am ehesten Infrastruktur zur Schuldentilgung verkaufen müssten, befinden sich in Südeuropa. Dort aber sind die politischen Verhältnisse oft nicht so, dass sie Investoren anlocken - mit Ausnahme der Chinesen, die unter anderem Häfen und Flughäfen in Griechenland gekauft und sich an einem portugiesischen Energiekonzern beteiligt haben.

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