https://www.faz.net/-gv6-8p01g

F.A.Z. exklusiv : Vermögensverwalter senken Aktienquote

Frankfurter Banken: Wer kann’s am besten in der Vermögensverwaltung? Bild: dpa

Vermögensverwalter scheuen oft vor mehr Aktien zurück. Stattdessen lenken sie freie Mittel eher in Anleihen und Gold. Das zeigt eine Umfrage zum richtigen Vermögensmix für 2017.

          Ohne Aktien ist kein nennenswerter Vermögensaufbau möglich. Dieses Credo gilt wegen den nach wie vor sehr niedrigen Zinsen weiter. Aber der Tiefpunkt der Zinsen dürfte im Sommer 2016 erreicht worden sein. Für drei von neun Vermögensverwaltern werfen länger laufende Anleihen sogar wieder so hohe Zinsen ab, dass sie sich als erste Alternative zu Aktien wieder vermehrt lohnen. Ihre Empfehlung für Gold haben fünf von neun Vermögensverwaltern erhöht. Ihre Aktienquote senkten dagegen vier.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit dreizehn Jahren fragt diese Zeitung zum Jahresanfang: Wie soll ein dreißig Jahre alter und wie soll ein sechzig Jahre alter Anleger sein Vermögen aufteilen? Vor einem Jahr antworteten dieselben neun Vermögensverwalter wie diesmal. Für 2016 hatten sie so wenig Anleihen wie nie zuvor empfohlen. Dahinter stand die Überlegung, dass das Zinsniveau zu niedrig ist und bei steigenden Zinsen die Anleihekurse sinken. So kam es auch, und am Zinsumfeld hat sich nichts Grundlegendes geändert. Dennoch hat sich die empfohlene durchschnittliche Quote für lang laufende Anleihen für 30 Jahre alte Anleger auf 8 und für 60 Jahre alte Anleger auf 13 Prozent in etwa verdoppelt.

          „Überhitzung am Aktienmarkt“

          Dennoch raten acht von neun Vermögensverwaltern zumindest jungen Leuten mit langem Anlagehorizont, bevorzugt in Aktien zu investieren, um ein Vermögen aufzubauen. Allerdings sind Aktien nicht mehr billig. Seit März 2009 hat sich der Dax mehr als verdreifacht. Selbst das vergangene Jahr, in dem der Deutsche Aktienindex die ersten sieben Wochen um 20 Prozent fiel, endete durch die Börseneuphorie nach der Wahl Donald Trumps mit einem Zuwachs von immerhin 6,9 Prozent.

          Der Stuttgarter Vermögensverwalter Max Schott, der eigentlich jüngeren Anlegern eine Aktienquote von 70 Prozent empfiehlt, warnt deshalb vor einer „Überhitzung am Aktienmarkt“. Für Burkhard Wagner von Partners hat sich Enttäuschungspotential aufgestaut, wenn Trump am 20. Januar beginnt und hält einen Rückfall des Dax von heute 11600 auf 10750 Punkte für möglich. Ähnlich sieht das der Hamburger Vermögensverwalter PAM. Geschäftsführer Georg Kuhlmann will bis zu Trumps Einführung seine Aktienquote verringern und die Kasse auf 30 bis 40 Prozent erhöhen – davon die Hälfte in Euro und die Hälfte in Dollar.

          Dollar-Anleihen und Total-Return-Fonds

          Damit gehört Kuhlmann zu den Ausnahmen. Nur Sand & Schott hat neben PAM im Vergleich zum Vorjahr mehr Geld in der Kasse liegen, um Rückschläge am Aktienmarkt zu nutzen. Das heißt: Die meisten Vermögensverwalter trauen sich gerade durchaus zu, das Geld ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen. Sie scheinen sich einigermaßen sicher zu sein, dass die Wahl Trumps eher positive Effekte haben wird.

          Aber viele Anleger wollen ihre Risiken nicht erhöhen und hätten ihre maximal vorstellbare Aktienquote schon erreicht, beobachtet Carsten Riehemann von Albrecht, Kitta & Co. Das aus der Kasse genommene Geld investiert er deshalb anders, etwa in länger laufende Dollar-Anleihen. Wegen des begrenzten Kurspotentials nennt er als zusätzliche Anlageklasse Total-Return-Fonds. Sie seien kein Allheilmittel, aber könnten wertvoll sein, wenn sie es schaffen, mit einer von Aktien- und Anleihekursen weitgehend unabhängigen Strategie Erträge zu erzielen.

          Weitere Themen

          Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Digitales Geld : Bundesbank zieht rote Linien für Libra & Co.

          Die Bundesbank sieht großes Potential für Facebooks Libra und andere Digitalwährungen. Diese müssten jedoch den Zielen der Geldwertstabilität folgen und die Regeln für einen fairen Wettbewerb einhalten.

          Topmeldungen

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.
          Boris Johnson: Favorit auf das Premierministeramt in Großbritannien

          Großbritannien : CDU traut Boris Johnson positive Überraschung zu

          Boris Johnson dürfte heute das Rennen um die Regierungsspitze für sich entscheiden. Aus der CDU bekommt er Lob für seine Intelligenz. Der frühere Premier Tony Blair hält einen Brexit ohne Abkommen für ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.