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Vermögensfrage : Vorhersagen: Fluch oder ein Segen für Anleger?

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Wenn es doch so einfach wäre... Bild: Thomas Fuchs

Auch Notenbanken liegen mit Prognosen oft falsch. Das macht es den Anlegern einfach, denn Zeitaufwand für solche Prognosen ist unnötig. Wichtiger sind zwei andere Dinge.

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          Jetzt ist die Zeit des Jahres, in denen Anleger von den Banken und Investmenthäusern mit Prognosen für Wirtschaft, Währungen, Aktienmärkte und Zinsen überhäuft werden - nicht zuletzt, um damit den Appetit für Investmentlösungen zu stimulieren. Sollten die Vorhersagen aber von Anlegern als Grundlage für seine Vermögensentscheidungen genommen werden? Eine kritische internationale Rundschau in die aktuellen Prognosen gibt Hinweise zu ihrer Entstehung und Interpretation.

          Nach einem nicht nur für die Vermögensanlage spannenden Jahr 2016 weisen alle Vorzeichen auf ein weiteres Jahr mit Überraschungen auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene. Gefahrenpotential gibt es aus vielen Richtungen, und so stellt sich die Frage, welche Informationen für den Anleger wesentlich und zielführend für eine möglichst erfolgreiche Bilanz am Jahresende sein können.

          Erstaunliche Akzeptanz

          In der Investmentwelt soll eine Vorhersage ein zukünftiges Ereignis bestimmen, das im Rahmen eines Zeitraums einen numerischen Wert beziehungsweise eine Entwicklung genau definiert. Die Akzeptanz von Prognosen ist erstaunlich, liegt aber vielleicht darin begründet, dass Banken und Investmenthäuser ihre Vorhersagen auf einer scheinbar komplexen Vielzahl von Rahmendaten basieren.

          Die Deutsche Asset Management definiert ihren traditionell konventionellen Prognoseansatz, indem sie den aktuellen Indexstand als Ausgangspunkt nimmt und diesen mit Einflussfaktoren wie eine erwartete Änderung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) und die erwartete Entwicklung der Unternehmensgewinne kombiniert.

          Dabei beeinflussen das Zinsumfeld, die Wachstumsaussichten sowie die Risikoeinschätzungen der Marktteilnehmer das KGV. Und so geht man von erwarteten Aktienrenditen zwischen plus 3,8 Prozent und 7 Prozent aus, wobei Asien und der Stoxx Europe 600 am oberen Ende liegen. Neben einem starken Dollar sieht man auf der Zinsseite global mehrheitlich mäßige Zinssteigerungen. Das ist schlecht für Anleihekurse und damit eher schlecht für Renten-ETFs als für aktiv gemanagte Rentenfonds.

          Eine Frage der Sichtweise

          Dass wirtschaftliche Prognosen mehr Kunst als Können zu sein scheinen, zeigt die sehr häufig geäußerte Einschätzung, dass dieses Jahr Lohnsteigerungen spürbare Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben werden. In ausgewählten Wall-Street-Prognosen für 2017 vom Magazin „Fortune“ schreibt die UBS, dass Lohnsteigerungen das Wirtschaftswachstum bremsen werden, während die Credit Suisse das Gegenteil sieht.

          Der frühere Vorstandsvorsitzende von General Electric Ian Wilson hat das Dilemma damit beschrieben, dass keine Raffinesse die Tatsache ausmerzen kann, dass unser Wissen auf der Vergangenheit basiert und unsere Entscheidungen die Zukunft beeinflussen.

          Auch Watson weiß nicht alles

          Die künstliche Intelligenz hat auch bei den Prognosen Einzug gehalten. Das Magazin „Fortune“ hat sich dieses Thema zusammen mit dem Supercomputer IBM Watson vorgenommen, um Millionen von Daten auf mögliche Trends auszuwerten. Die Ergebnisse sind nicht unbedingt kontrovers: ein leicht sinkender amerikanischer Aktienindex S&P 500 von minus 3 Prozent und weitere amerikanische Zinserhöhungen von insgesamt 0,75 Prozent.

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