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Lebensversicherungen : Überschussbeteiligungen schmelzen dahin

Fällt ihnen etwas Neues für die Lebensversicherung ein? Das Innovations-Team der Axa in Köln-Mühlheim bei der Arbeit Bild: Edgar Schoepal

Keine guten Zeiten für Lebensversicherte: Die Policen werfen immer weniger ab. 10 Prozent weniger Verzinsung sind normal. Woran liegt das?

          3 Min.

          Früher haben Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung genutzt, um damit neue Kunden zu werben. Diese Zeiten sind erkennbar vorbei. Heute geht es nur noch darum, grausame Wahrheiten für Kunden möglichst schonend zu verpacken. Und Neukunden streben die großen börsennotierten Versicherer ohnehin nicht mehr an. Denn in Zeiten der Schwundzinsen sind die traditionellen Policen nicht mehr profitabel und verlangen den Unternehmen zu hohen Eigenmittelaufwand ab. Axa, Ergo und Allianz haben sich gedanklich weitgehend von der klassischen Lebensversicherung verabschiedet.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Deshalb brauchen sie auf den Markt auch keine Rücksicht mehr zu nehmen. Alle drei großen Versicherer kürzten am Dienstag ihre Überschussbeteiligung für die Kunden um gut 10 Prozent oder mehr. Marktführer Allianz senkte die laufende Verzinsung von 3,1 auf 2,8 Prozent. Dabei handelt es sich nicht um die Beitragsrendite, sondern die Verzinsung für den Sparanteil der Police – also alles das, was nach Abzug der Kosten für Vertrieb und Risikoschutz in die Altersvorsorge des Kunden geht.

          Läuft ein Vertrag aus, kommen ein Sockelbetrag und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven hinzu, die sich zusammen auf 0,6 Prozent addieren. So kommt eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent für das Jahr 2017 zustande.

          Verzinsung fällt bei allen Anbietern

          Ähnlich sieht die Situation bei der Axa aus. Hier fällt die laufende Verzinsung von 3,1 auf 2,8 Prozent. Bezieht man die endfälligen Bestandteile des Vertrags mit ein, erhöht sich die Gesamtverzinsung noch einmal bis auf 3,4 Prozent. Die deutsche Tochtergesellschaft des französischen Konzerns legte in einer Mitteilung Wert darauf, dass diese Ausschüttung ihr die Möglichkeiten lässt, die Eigenmittel zu stärken. So sei es nicht nötig, im neuen Aufsichtsrecht Solvency II auf Übergangsfristen zurückzugreifen, mit denen Versicherer ihre Bilanzen noch 16 Jahre lang schonen dürfen. „Wir konnten die Anforderungen an die Eigenmittelausstattung nach Solvency II von Beginn an erfüllen“, ließ sich Vorstandsmitglied Patrick Dahmen zitieren.

          Schon länger als die beiden Konkurrenten hat sich die Ergo von den klassischen Policen verabschiedet. Deshalb hat sie schon vor drei Jahren die Überschussbeteiligung auf ein nicht mehr konkurrenzfähiges Niveau gesenkt. In den zwei Jahren hielten die Düsseldorfer dieses konstant und konnten zusehen, wie sich der Markt allmählich der eigenen Verzinsung näherte.

          Doch nun gibt es eine weitere erhebliche Reduktion: Selbst die Gesamtverzinsung fällt deutlich um 0,45 Punkte auf 2,6 Prozent. Ohne Schlussüberschuss und Beteiligung an den Bewertungsreserven kommen die Ergo-Kunden nur noch auf 2,25 Prozent. Und noch düsterer sieht es für die Lebensversicherten der Schwestergesellschaft Victoria aus. Sie bekommen für das kommende Jahr nur noch 2,05 Prozent gutgeschrieben.

          Märkte geben keine hohen Zinsen mehr her

          Die Lebensversicherer leiden an den schlechten Anlagebedingungen an den Anleihemärkten. Für ihre Garantieprodukte müssen sie einen sehr hohen Anteil des Kundengeldes in niedrigverzinsten Wertpapieren investieren. Denn sie sind gezwungen, den Kunden jährlich eine sichere Verzinsung gutzuschreiben. Zuletzt hatten sich einige Lebensversicherer ins Gerede gebracht, weil sie Kunden subtil auf den möglichen Verkauf ihrer Police hingewiesen hatten.

          „Wir sind Anbieter von Altersvorsorge und denken nicht im Entferntesten daran, Kunden aus Verträgen zu drängen – sie brauchen sie ja“, sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber dieser Zeitung. Es sei Aufgabe der Lebensversicherer, sich auf die dauerhaft schwachen Wachstumsraten und niedrigen Zinsen einzustellen.

          „Lange Garantien binden zu viel Risikokapital, das man nicht in eine chancenreiche Anlage investieren kann und das für den Kunden keine ausreichende Rendite abwirft“, sagte er. Deshalb hat die Allianz schon vor längerem neue Garantiekonzepte eingeführt. Im Fall des Produkts Perspektive wird zum Beispiel eine Beitrags- statt einer Zinsgarantie gewährt. Für die Rentenphase werden die Garantiebedingungen dann neu bestimmt.

          „Perspektive ist der Absatzrenner“

          Die neuen Produkte sind nicht ganz so günstig in der Abwicklung wie das traditionelle Modell mit einmalig festgelegten Mindestverzinsungen. Für das Produkt Perspektive gibt Faulhaber bei einer Laufzeit von drei Jahrzehnten eine Renditeminderung von einem Prozentpunkt an. Für klassische Verträge liegt diese häufig um ein Viertel niedriger. Die Kunden müssen in den neuen Produktformen also etwas mehr für die Garantien bezahlen, haben aber auch etwas höhere Renditechancen. Die Allianz belohnt ihre Perspektive-Kunden stärker durch ihre Verzinsung: Die laufende Verzinsung liegt um 0,1 Prozentpunkte höher bei 2,9 Prozent, die Gesamtverzinsung um 0,3 Prozentpunkte höher bei 3,7 Prozent.

          „Perspektive ist in diesem Jahr der Absatzrenner. Insgesamt führt der Niedrigzins zum Umdenken beim Publikum. Die Zeit des Klassikers ist vorbei“, sagte Faulhaber. Die traditionellen Garantieprodukte würden nur noch an weniger als jeden zehnten Kunden im Neugeschäft verkauft. In Zeiten höherer Zinsen seien sie sinnvoll gewesen, weil man relativ kostengünstig eine Mindestverzinsung erwirtschaften konnte. „Eine solche Phase mit Anleihezinsen von 4 bis 5 Prozent sehe ich aber nicht mehr – und auch nicht, ob es so etwas wie den Klassiker noch einmal geben wird.“ Das sehen nicht nur börsennotierte Versicherer so: Die lange Zeit marktführende Debeka hat den Verkauf klassischer Policen im Juli eingestellt.

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