https://www.faz.net/-gv6-8vnn2

Neue Sparkassen-App : Bau dir deine Bank

  • -Aktualisiert am

Was die App können soll, das sollen ohnehin die Nutzer entscheiden – sie sollen sich ihre ideale Bank quasi selbst bauen. Alles sei nun so programmiert, dass verschiedene „Features“ mit relativ wenig Aufwand nachgerüstet werden könnten, sagt Kim. Beispiel Überweisung: In der jetzigen Version muss der Nutzer die Iban-Nummer noch jedes Mal komplett eintippen. In anderen Banken-Apps geht das schon wesentlich lässiger durch Anklicken des Bildes in der Kontaktliste oder durch das Abfotografieren von Rechnungsdaten. Das könnte auch in der Yomo-App relativ leicht nachgerüstet werden, sagt Kim – wenn die Nutzer entschieden, dass sie das cooler fänden. Schon jetzt wird unter dem Hashtag Create-Yomo auf dem Kurznachrichtendienst Twitter fleißig über die App diskutiert, bevor sie überhaupt richtig auf dem Markt ist – gutes Marketing für die Zielgruppe.

Pläne haben die Macher viele; so wollen sie auch bald Kredite vergeben und Kreditkarten ausgeben. Im Sommer sollen verschiedene Fintechs auf einem Hackathon Vorschläge erarbeiten, wie ihre Angebote in die Yomo-App integriert werden könnten. So bleibt Yomo vorerst eine digitale Bastelstube für die Sparkassen. Deren Pfund ist die gigantische Zahl potentieller Kunden, die sie schon haben. Denn daran hapert es bei den jungen Fintechs meist – was nutzt die beste Idee, wenn es höchstens ein paar tausend Kunden gibt, die ihre Finanzgeschäfte über ein völlig unbekanntes Unternehmen abwickeln wollen?

Nichts anderes als ein neuer Vertriebsweg für Sparkassen

Doch dass es ein schwieriger Spagat ist, gleichzeitig cooles Fintech und solide Sparkasse zu sein, wird auf dem Termin in der Thompson Lounge auch schnell klar. Er habe in den vergangenen Monaten unheimlich oft gehört: „Das geht nicht“, erzählt Kim, der mit Nachnamen Rauprich heißt und für die Kommunikation von Yomo verantwortlich ist. „Lass dich nicht von deiner Bank aufhalten“, ist ein Claim, der eigentlich die potentiellen Kunden umwerben soll. Aber auch die Macher von Yomo mussten oft gegen die Mühlen der Sparkassengruppe anlaufen, die eben doch langsamer mahlen, als es in der digitalen Welt nötig ist.

Der ganze Markenauftritt kommt in seinen grellen Regenbogenfarben nun ganz ohne Sparkassen-S und das klassische Rot aus. Die Begründung, die Kim dafür gibt, sagt viel über die Sparkassen-Gruppe aus: Schon kleine Veränderungen an der Farbe, jedes Spiel mit dem Logo hätte großer Gremienentscheidungen bedurft. Und auch das Du, mit dem Yomo seine Kunden konsequent anspricht, wäre unter dem roten Markendach nicht so einfach gegangen. Am Ende haben sich die Macher lieber für einen ganz eigenen Markenauftritt entschieden. Yomo strahlt jetzt in allen Farben des Regenbogens, und eher verschämt am Rande steht „Powered with love by Sparkasse“, wobei die Liebe natürlich durch ein Herzchen-Symbol ersetzt wird.

Im Grunde ist Yomo nichts anderes als ein neuer Vertriebsweg für die Sparkassen. Wer ein Yomo-Konto eröffnet, landet bei einem der zehn Institute, die die Entwicklung gemeinsam angestoßen haben. Wenn andere Sparkassen über Yomo Kunden gewinnen wollen, müssen sie eine Lizenzgebühr an die Initiatoren zahlen, die gemeinsam eine einstellige Millionensumme in die Entwicklung gesteckt haben. Vorerst muss ein Frankfurter Kunde nun zum Beispiel sein Yomo-Konto bei der Sparkasse Köln-Bonn eröffnen, weil das Frankfurter Institut noch nicht mitmacht. Für die Sparkassen liegt darin eine kleine Revolution: Eines der ehernen Gesetze – jede Sparkasse macht nur in ihrer Heimatregion Geschäfte und wildert nicht bei anderen – wird so ausgehebelt. Auf Dauer soll das aber nicht so bleiben, sagt ein Sprecher der Stadtsparkasse München. Schon jetzt hätten viele Sparkassen Interesse an Yomo angemeldet.

Weitere Themen

Topmeldungen

Langer Winter: Zwei Polizisten am Mittwoch auf dem Roten Platz in Moskau

Repressionen in Russland : In der Krise wächst die Paranoia

Corona, eine schwache Wirtschaft und Proteste: Wladimir Putins Machtapparat sieht sich in Russland vielen Krisen ausgesetzt. Und erhöht deswegen den Druck auf Opposition und Zivilgesellschaft.
Maye Musk ist die Mutter des Unternehmers Elon Musk. Am Donnerstag erscheint ihre Autobiographie „Eine Frau, ein Plan“.

Maye Musk : „In unserer Familie nimmt niemand frei“

Wer Elon Musk verstehen möchte, muss seine Mutter Maye kennen lernen. Im Interview spricht sie über Abenteuertouren in der Wüste, ihre Modelkarriere mit 70 und wie sie einst aus Armut auf Dates verzichtete.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.