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Schwarze Schafe : Family Offices fürchten um ihren guten Ruf

Sitz der Deutsche Oppenheim Family Office in Grasbrunn bei München Bild: Deutsche Oppenheim Family Office

Family Offices beraten hinsichtlich der strategischen Steuerung von Vermögen. Einige verwalten aber auch Vermögen. Einige sehen darin einen Interessenkonflikt - und ein Einfallstor für schlechte Betreuung.

          „Family Offices“ sind bis zur Finanzkrise über den kleinen Kreis vermögender Privatinvestoren hinaus wenig bekannt gewesen. Erst mit der Debatte um die Beratungsqualität von Banken rückten sie mehr ins Blickfeld. Man erhoffte sich von ihnen eine Geldanlage, die einzig dem Interesse des Vermögenden dient und nicht bestimmte Produkte verkaufen muss. Ein Family Office im klassischen Sinn unterstützt einen oder mehrere Vermögende in der strategischen Steuerung des Vermögens. Das ist etwas anderes als Vermögensverwaltung im Sinn von Anlageentscheidungen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind ein Dienstleister, der die Steuerung des Privatvermögens professionalisiert, sozusagen ein Finanzvorstand fürs Private“, formuliert es Stephan Buchwald, Gründer und Partner des Hamburger Multi-Family-Offices Kontora. Viele Family Offices bieten wie Kontora eine Vermögensverwaltung gar nicht an. Mittlerweile treibt sie die Sorge um, durch eine Vermischung von Vermögenssteuerung und -verwaltung am Ende in Verruf zu geraten. „Family Office ist kein geschützter Begriff“, sagt Buchwald. „Es gibt einige Marktteilnehmer, die versuchen, mit einem provisionsgestützten Beratungsmodell unter dieser Bezeichnung Fuß zu fassen. Es wäre äußerst bedauerlich, wenn sich unter dem Namen ,Family Office’ wieder Verkäufer als Berater deklarieren und Kunden mit schlecht diversifizierten Portfolios Schaden zufügen würden.“

          Darum hat sich 2014 der Verband unabhängiger Family Offices (Vufo) gegründet. Dieser vertritt eine klare Position: „Ein Family Office ist ausschließlich dem Interesse des Vermögensinhabers verpflichtet. Es darf nicht auf den Feldern tätig sein, auf denen es Leistungen überwachen soll. Mit dem Angebot eigener Geldanlageprodukte ergeben sich Interessenkonflikte, die ausgeschlossen sein müssen“, sagt Referentin Catharina Weber.

          „Besondere Anforderungen an Loyalität“

          Das Verhältnis zwischen Family Office und Vermögensinhaber sei kompliziert genug. „Die wenigsten Familien haben die Zeit, aber auch nicht das Knowhow für die private Vermögenssteuerung und Geldanlage und übergeben dies dann dem Family Officer. Dessen hierdurch herausgehobene Position stellt besondere Anforderungen an seine Loyalität und sein Vertrauensbewusstsein“, beschreibt Weber das grundsätzliche Spannungsverhältnis. Das sei den Kunden oft nicht so klar. In einer Befragung des Verbandes hätten viele Teilnehmer betont, wie wichtig ihnen die Unabhängigkeit eines Office sei. Gleichzeitig hätten aber viele kein Problem mit der Vereinnahmung von Produktprovisionen gehabt. „Dieser Widerspruch zeigt, dass die Vermögensträger das Problem meist nicht durchschauen.“

          Kontora hat sich gegen eine eigene Vermögensverwaltung entschieden. „Wir sehen uns als Schaltzentrale für die Gestaltung der Vermögensanlage und nicht als Vermögensverwalter“, sagt Buchwald. „Für uns wäre es ein Konflikt, uns gleichsam selbst überwachen zu müssen.“ Doch seien die Ansprüche und Voraussetzungen sehr unterschiedlich. „Manche Familien bringen einen Beirat mit, der eine Controlling-Funktion ausübt, oder haben Berater, die der Familie nahestehen.“ Daher gebe es auch nicht ein einziges Modell, wie ein Family Office zu arbeiten habe. „Für manche Vermögensgeber ist eine Vermögensverwaltung wichtig, weil sie die Kontrolle selbst ausüben. Da kann es durchaus sinnvoll sein, wenn ein Family Office auch eine Vermögensverwaltung anbietet.“

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