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Rohstoffmarkt : Kupfer, Zink, Öl und Palladium für das private Depot

Kupferdraht wird billiger Bild: dpa

Rohstoffe sind so billig wie nie. Mutige Anleger sollten den Preisverfall zum Einstieg nutzen, raten Vermögensverwalter. Aber wie geht das überhaupt?

          3 Min.

          Der Preisverfall an den internationalen Rohstoffmärkten ist außergewöhnlich. Der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer, aus dem nicht nur Rohre, sondern auch Stromkabel und Elektronikbauteile hergestellt werden, hat ein Sechs-Jahres-Tief erreicht. Das Metall kostet nur noch gut 4800 Dollar je Tonne. Für Öl der Nordseesorte Brent sind es nur noch gut 45 Dollar je Barrel (159 Liter) – weniger als halb so viel wie im Vorjahr. Auch Palladium, ein silberweißes Metall, das in der Autoindustrie für Katalysatoren eingesetzt wird, sowie Zink – lange der Geheimtipp unter den Anlagerohstoffen – sind in den vergangenen zwölf Monaten extrem im Preis gefallen (siehe Grafik). Kein Wunder, dass der Bloomberg Commodity Index (BCI) mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1999 gefallen ist.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Anleger stellt sich die Frage: Sind dies Kaufkurse? Sollte man jetzt die Chance nutzen, sich die billigen Rohstoffe ins Depot zu holen? Und wenn ja: Wie macht man das überhaupt, wenn man keine Lagerhallen hat, in denen man Rollen mit Kupferdraht oder Fässer mit Öl einlagern kann, und auch nicht an den Rohstoffbörsen in Chicago, New York oder London mit Terminkontrakten zocken mag?

          Bild: F.A.Z.

          „Mutige Anleger mit einem langfristigen Blick steigen jetzt schon bei den Rohstoffen ein, um langfristig von der Erholung zu profitieren“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat und Firmenkunden der Deutschen Bank: „Alle anderen sollten lieber noch bis Anfang kommenden Jahres warten; im ersten oder zweiten Quartal müsste man die Lage etwas besser abschätzen können.“ Die Preise vieler Rohstoffe seien in der Tat im Augenblick „am Boden“, sagt der Anlagefachmann: „Wir erwarten im nächsten Jahr eine leichte Belebung, die Preise werden mit Blick auf das anhaltend hohe Angebot aber nicht auf das alte Niveau zurückkehren.“

          Wie stark wächst China?

          Der Ölpreis wird nach Einschätzung der Deutschen Bank im Jahr 2016 zumindest auf mehr als 50 Dollar für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) und auf etwa 60 Dollar für die Nordseesorte Brent steigen. Auch die Preise für Industriemetalle wie Aluminium, Zink oder Palladium hätten ein gewisses Aufwärtspotential. „Bei Gold wäre ich misstrauisch“, sagt Stephan: „Wenn die amerikanische Notenbank die Zinsen anhebt, steigt der Dollarkurs – das ist eher schlecht für den Goldpreis.“ Vieles hänge bei den Rohstoffen davon ab, wie man China sehe. Die Deutsche Bank rechnet damit, dass das Wachstum dort im nächsten Jahr mit 6,7 Prozent höher ausfallen wird als im Moment von den meisten am Markt erwartet: „Das könne ein bisschen Sorge von den Rohstoffmärkten nehmen.“

          Bild: F.A.Z.

          Eine Möglichkeit, wie Anleger derzeit auf Rohstoffe setzen könnten, seien Energieaktien, etwa die Papiere der großen Ölfirmen, sagt Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst des Wealth Management, also der Vermögensverwaltung der Schweizer Großbank UBS: „Wenn sich der Ölpreis erholt, wovon wir ausgehen, haben diese Aktien Potential.“ Wer als Privatanleger in Rohstofffonds oder einen Rohstoffindex investiert, mache das im Normalfall indirekt über Futures und Terminkontrakte, die jeden Monat ausliefen. „Bei denen entstehen aktuell relativ hohe Rollkosten, da der Preis des nächsten Kontraktes höher ist als der auslaufenden“, sagt Staunovo: „Deshalb kann man, anders als bei Aktien, trotz der niedrigen Kurse nicht einfach einsteigen und auf bessere Zeiten und höhere Preise warten.“

          Eine sehr volatile Anlageklasse

          Auch Stephan von der Deutschen Bank sagt, für Privatanleger seien Rohstoffaktien im Augenblick attraktiver als die Rohstoffe selbst – weil man etwa bei Zertifikaten auf Rohstoffe wegen des sogenannten Contango mit Rollverlusten zu kämpfen habe. Unter Contango verstehen Händler eine Preissituation bei Warentermingeschäften, in welcher der Terminpreis über dem zu erwartenden Spotpreis bei Fälligkeit liegt; man zahlt also heute mehr für eine künftige Lieferung als den für diesen Zeitpunkt erwarteten Preis, was als Einsparung der Lagerkosten gedeutet werden kann.

          Das macht das ständige Verlängern solcher Verträge, wie es hinter vielen Wertpapieren auf Rohstoffen steht, auf Dauer teuer. Stefan Breintner, Manager für Rohstoffe beim Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in München sagt: Anleger sollten sich bewusst sein, dass Rohstoffe eine sehr volatile Anlageklasse seien und stärker schwankten als der Gesamtmarkt – und daher breit über die Subsektoren diversifizieren.

          Bei Jens Erhardt sieht man die Chancen für die verschiedenen Rohstoffe dabei durchaus sehr unterschiedlich. Bei Kupfer und Zink seien zuletzt schon Kürzungen der Förderkapazitäten angekündigt worden: „Dies könnte sich mittelfristig in höheren Preisen bemerkbar machen“, sagt Breintner. Bei Aluminium sei es schwieriger, auch bei Eisenerz wäre er vorsichtiger: „Hier dürfte auch im kommenden Jahr das Angebot größer als die Nachfrage ausfallen, was gegen höhere Preise spricht.“

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