https://www.faz.net/-gv6-8mnfq

Digitales Banking : Mein Berater, der programmierte Roboter

Worin unterscheiden sich die Robo Advisor?

Der größte Unterschied zwischen den einzelnen Anbietern betrifft - neben der Zahl ihrer angebotenen Muster-Portfolios und der darin befindlichen ETF - ihren Umgang mit starken Marktschwankungen. Manche Online-Anbieter setzen auf das Rebalancing des Portfolios. Das heißt, dass Aktien- und Anleihen-ETF, wenn sie sich unterschiedlich im Wert entwickeln, wieder auf die ursprünglich festgelegte Verteilung zurückgesetzt werden. Komplexer sind die Strategien neuerer Anbieter. So berechnen die Algorithmen von Scalable Capital, wie sehr ein Portfolio in einer bestimmten Zeit an Wert verlieren könnte. Driften Marktlage und Risikoneigung des Anlegers auseinander, wird das Portfolio flexibel angepasst. Auch Whitebox simuliert Marktentwicklungen, um das Verlustrisiko minimal zu halten. Ob so eine ausgeklügelte Software hält, was die Anbieter versprechen, ist für manche Finanzexperten zweifelhaft. Schließlich würden sich die den Algorithmen zugrundeliegenden Marktdaten unaufhörlich ändern.

Bringen mir die Portfolios anständige Renditen?

Weil die meisten Robo Advisor noch recht jung sind, lässt sich über die Wertentwicklung ihrer Portfolios wenig Aussagekräftiges sagen. Was Auswertungen der zurückliegenden fünf Monate indes zeigen: Die Renditen der Portfolios mit mittlerem Risiko konnten sich sehen lassen. Whitebox (plus 6,3 Prozent) und Scalable Capital (5,7 Prozent) schneiden bei Brokervergleich.de am besten ab; auch im Vergleich zu einem ausgewogenen Portfolio, das je zur Hälfte aus globalen Aktien und Anleihen besteht (plus 3,2 Prozent). Wie sehr künftige Börsenturbulenzen auf die Leistung dieser Portfolios durchschlagen, steht noch dahin.

Wie viel kosten die Robo Advisor?

Am billigsten ist es natürlich, die Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen und sich ein Portfolio mit günstigen ETF zusammenzustellen. Wer es bequemer haben möchte, für den sind die Robo Advisor eine günstige Alternative. Ein einfaches Portfolio aus Aktien- sowie Anleihen-ETF ist bei Liqid schon für eine Gebühr von 0,15 Prozent zu haben (zuzüglich der ETF-Kosten von durchschnittlich 0,25 Prozent). Bei den teuersten Anbietern betragen die Verwaltungsgebühren knapp unter 1 Prozent (siehe Tabelle). Günstiger als ein Mischfonds, bei dem Kauf- sowie Verwaltungsgebühren von 1,25 Prozent oder mehr anfallen, sind die Portfolios allemal. Und selbstverständlich kosten sie auch deutlich weniger als ein Berater bei einer Privatbank, der mindestens 3 Prozent verlangt.

Ist mein Geld bei den Online-Anbietern sicher?

Die Robo Advisor der neuesten Generation wie Scalable Capital, Whitebox oder Liqid haben durchweg eine Lizenz der Aufsichtsbehörde Bafin und sind somit reguliert. Die anderen Online-Anbieter sind lediglich Anlagevermittler, die frei von jeder Haftung sind. Sie haben keine Bafin-Lizenz, jedoch eine Partnerbank, die zum Einlagensicherungsfonds gehört. Sollte die Bank pleitegehen, hat dies keine Auswirkungen auf ein ETF-Portfolio, das als „Sondervermögen“ der Bank gilt. Das Depot ist daher geschützt. Trotzdem werden die bisher kaum regulierten Finanzvermittler wie Vaamo oder Easyfolio von Finanzexperten beargwöhnt. „Sobald sie online eine Rendite errechnen und behaupten, das Geld sei sicher, betreiben sie faktisch eine Anlageberatung“, kritisiert der Stuttgarter Finanzprofessor Hans-Peter Burghof. Manche Anbieter, die bisher nur unter die Vermittler fallen, erkennen die Zeichen der Zeit und bemühen sich um eine eigene Bafin-Lizenz.

Ersetzen die Robo Advisor meinen Bankberater?

Keine Frage, die automatisierten Vermögensverwalter greifen die Geschäftsmodelle der Banken an. Doch den Finanzberater werden sie nicht so schnell verdrängen. Zu groß ist das Bedürfnis vieler Anleger, sich in schwankungsreichen Börsenzeiten mit einem fachkundigen Menschen auszutauschen. Einige Online-Vermögensverwalter werden selbst vom Markt verschwinden, weil sie dauerhaft kein Geld verdienen. Trotz allem zeichnet sich ab, dass die junge Branche weiter schnell wächst. Im vergangenen Jahr wurden auf der Welt 30 Milliarden Dollar von digitalen Anbietern verwaltet. Schon für das Jahr 2020 rechnet die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman mit einem verwalteten Vermögen von 500 Milliarden Dollar. Die Hälfte davon soll auf die Vereinigten Staaten entfallen, rund 30 Milliarden Dollar auf Deutschland. Wie viel Vermögen auch immer es künftig sein wird: Die digitale Geldanlage ist nicht aufzuhalten. Bis auf weiteres ist sie aber kein Ersatz, sondern nur eine Ergänzung zur herkömmlichen Vermögensverwaltung.

Weitere Themen

Topmeldungen

Der britische Premierminister Boris Johnson

Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
„Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

„Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.