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Aktienmarkt : Bis zu 6 Prozent Rendite - garantiert!

Die Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt: Profitable Aktien sind derzeit etwa die von Übernahmefirmen. Bild: dpa

Aktien übernommener Firmen sind für Anleger attraktiv: Sie garantieren Jahr für Jahr eine feste Dividende. Das gilt aber nicht zwingend für lange Zeit.

          Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein für Aktionäre: Die Höhe einer Dividende ist auf Jahre hinaus sicher, völlig unabhängig von den Geschäftsergebnissen des betreffenden Unternehmens. Und auch die Dividendenrendite von drei, vier oder gar sechs Prozent ist so gut wie absehbar, weil sich der Aktienkurs der Firma kaum noch bewegt. Solche Papiere mit einer sogenannten Garantiedividende erscheinen beinahe wie Anleihen und sind damit äußerst attraktiv für Anleger, denen ein gewisses Maß an Sicherheit wichtiger ist als eine sehr hohe Rendite.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Kreis von Firmen, die ihren freien Aktionären solche Garantiedividenden bieten, ist zuletzt größer geworden. Es handelt sich hierbei um Unternehmen, die von anderen Konzernen zum großen Teil, aber noch nicht ganz übernommen wurden. In solchen Fällen übernimmt der Mehrheitseigner die Ausschüttung und zahlt den noch verbliebenen Aktionären der übernommenen Firma einen festen Betrag. So können die Anteilseigner des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf, der vom amerikanischen Konzern Diebold gekauft wurde, von 2018 an mit einer jährlichen Dividende von 3,13 Euro je Aktie rechnen. Aktionäre des Maschinenbauers DMG Mori erhalten vom japanischen Mehrheitseigner künftig eine jährliche Ausgleichszahlung von 1,03 Euro je Aktie. „Man kann sagen, dass Garantiedividenden ein Ersatz für Festverzinsliches sind“, sagt Klaus Schlote, Geschäftsführer der Wertpapierhandelsbank Solventis.

          Geregelt wird das Ganze in einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BGAV). Ein solcher Vertrag wird oft abgeschlossen und auf einer Hauptversammlung verabschiedet, wenn sich ein Aktionär eine Stimmenmehrheit von 75 Prozent gesichert hat. Den verbliebenen Anteilseignern werden im BGAV zwei Möglichkeiten geboten. Sie können entweder ihre Anteilsscheine zu einem festgelegten Abfindungspreis verkaufen. Attraktiver ist die Alternative: Die Aktionäre behalten ihre Aktien und bekommen dafür jährlich eine Garantiedividende, als Ausgleich dafür, dass der Großaktionär alle Firmengewinne erhält.

          Aktionäre kleinerer Unternehmen profitieren, wenn ein Großer übernimmt

          Aktionäre des Lkw-Herstellers MAN, der 2013 vom Volkswagenkonzern übernommen wurde, oder von Kabel Deutschland, seit demselben Jahr mehrheitlich im Besitz von Vodafone, profitieren seit Jahren von einem solchen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. VW hat MAN-Aktionären eine Garantiedividende von 3,07 Euro je Aktie zugesichert, Vodafone den Kabel-Anteilseignern 3,17 Euro. Die Ausschüttung kann im Nachhinein sogar höher ausfallen. Nämlich dann, wenn Aktionäre die Vereinbarung erfolgreich anfechten.

          Sollte ein gerichtliches Spruchverfahren zu ihren Gunsten entscheiden, muss der Mehrheitsaktionär die erhöhte Dividende rückwirkend zahlen. Und das mit einer üppigen Verzinsung, die den Basiszinssatz (aktuell minus 0,88 Prozent) plus fünf Prozentpunkte umfasst. Die Anfechtung einer Ausgleichzahlung ist unter Anlegern auch deshalb beliebt, weil sie kein Risiko birgt. Denn nach unten gesetzt wird eine Dividende von den Gerichten nie. In den vergangenen zwölf Monaten, so ergeben die Solventis-Zahlen, fanden fünf von sieben Verfahren ein für Minderheitsaktionäre positives Ende. Das heißt, Abfindungspreis oder Garantiedividende wurden erhöht. Zweimal blieb alles beim Alten.

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