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Niedrigzinsen und Inflation : Sparer in großer Not

Petry schlägt Alarm

Wen verwundert es da, dass die Deutschen auf Draghi schlecht zu sprechen sind? Umso mehr, da die nun steigende Inflationsrate hierzulande die Festgeldzinsen auffrisst. Populisten werden, wie von Finanzminister Wolfgang Schäuble schon vor Monaten befürchtet, dieses Thema im Hinblick auf das kommende Bundestagswahljahr ausschlachten. Tatsächlich meldete sich die AfD-Vorsitzende Frauke Petry sofort zu Wort, kaum dass in der vergangenen Woche die höchste Inflationsrate in Deutschland seit zwei Jahren bekannt wurde. „Der Bürger büßt für die verfehlte EZB-Geldpolitik“, twitterte Petry.

Alarm schlagen ist einfach. Aber was können Sparer tun, um sich gegen die steigende Inflation zu schützen? Bei der Antwort sind sich Notenbanker und Bankberater, Vermögensverwalter und Verbraucherschützer erstaunlich einig. „Deutsche Anleger auf der Suche nach attraktiver Realrendite müssen über ihre traditionellen, gewohnten Investmenthorizonte hinausschauen“, sagt Kapitalmarktexperte Ashley. Es gilt, mehr ins Risiko zu gehen.

Die Zeichen der Zeit erkennen immer mehr Leute, wie der jüngste Bundesbankbericht zur Vermögensbildung zeigt. In den Monaten April bis Juni ist das Geldvermögen der Deutschen gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 44 Milliarden Euro oder 0,8 Prozent gestiegen. Dies deute, so die Bundesbank, „auf ein weiterhin zunehmendes Renditebewusstsein hin“. Aktien sind als Inflationsschutz die erste Wahl. Exchange Traded Funds (ETF), die einen Aktienindex wie den Dax abbilden, sind leicht durchschaubar und günstig.

Aktien in Niedrigzinsphasen stets vorne

Dass Aktien den besten Inflationsschutz versprechen, haben die Finanzmarktexperten des Bankhauses Sal. Oppenheim unlängst errechnet. Im Zeitraum von 1900 bis 2015 lagen Aktien unter allen Anlageklassen mit einer realen Durchschnittsrendite von mehr als 11 Prozent jährlich immer dann vorne, wenn die Inflationsrate vier Prozent nicht überstieg.

Nur bei hohen Teuerungsraten von mehr als acht Prozent, die in den siebziger Jahren vorkamen, aber heute undenkbar erscheinen, verloren Aktieninhaber Geld. Anleihen schnitten bei moderaten Inflationsraten am zweitbesten ab. Sie brachten es im Schnitt auf eine jährliche Realrendite von 5,3 Prozent. Dieser Wert erscheint aus heutiger Sicht geradezu traumhaft, liegen doch die Renditen vieler westlicher Staatsanleihen trotz des Anstiegs im Oktober sehr deutlich darunter. So rentiert die zehnjährige Bundesanleihe bei gerade einmal 0,13 Prozent.

Allerdings kommt es nicht nur auf eine einzelne Anlageklasse an, sondern auf ein breit aufgestelltes Portfolio. So waren in den vergangenen Wochen inflationsindexierte Anleihen begehrt, deren Renditen stärker stiegen als jene von gewöhnlichen, nominalen Staatsanleihen. Bei diesen sogenannten „Linkern“ ist die Verzinsung an die Inflationsrate gebunden. Sie sorgen damit für den Erhalt der Kaufkraft. Diese speziellen Anleihen sind allerdings komplexe Produkte und in den Vereinigten Staaten und Großbritannien weiter verbreitet als in Deutschland und der Eurozone. Die große Nachfrage nach „Linkern“ ist aber ein Zeichen dafür, dass Anleger sich vor dem nächsten neuen Lebensabschnitt sehen: Inflation ohne Zins.

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