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Geld anlegen : Nichts wie raus aus Anleihen

Von der Zinsentwicklung aufgefressen: Anleihefonds haben seit Mitte April bis zu fünf Prozent verloren – so viel wie sie normalerweise in einem Jahr verdienen. Bild: Getty

Eigentlich sollen Anleihen Sicherheit ins Depot bringen. Doch seit einiger Zeit machen Anleger mit ihnen nur noch Verluste. Wer Anleihen halten will müsste bizarrerweise noch stärker in sie investieren - besser ist aber eine andere Strategie.

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          „Und dann brauchen Sie noch etwas Sicheres für Ihr Depot. Wir haben da einen soliden Anleihefonds im Angebot.“ Solche Sätze rufen deutsche Bankberater regelmäßig ihren Kunden zu. Die folgen brav. 200 Milliarden Euro haben sie in Anleihefonds angelegt. Doch so sicher, wie die Berater sie anpreisen, sind die Fonds keineswegs. Sie haben zuletzt sogar Verluste gemacht. Und auch in den nächsten Jahren dürften sie die Kunden wenig erfreuen.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das steht in krassem Widerspruch zu den Erwartungen der Anleger. Sie investieren in Anleihefonds (häufig auch Rentenfonds genannt), weil sie sich davon berechenbare Erträge versprechen. Hoch müssen die Zugewinne nicht mehr sein, von diesem Wunsch haben sie sich nach Jahren der Niedrigzinsen längst verabschiedet. Aber stets positiv und ohne große Schwankungen sollen die Erträge dann bitte doch ausfallen. Eben ganz anders als am Aktienmarkt. Anleihefonds sollen Sicherheit bringen, wenn die Aktienkurse mal runterrauschen.

          Das funktioniert derzeit überhaupt nicht. Die Fonds haben seit Mitte April bis zu fünf Prozent verloren – so viel wie sie normalerweise in einem Jahr verdienen. Gleichzeitig haben auch die Aktienkurse seitdem kräftig nachgegeben. Der Sicherheitsmechanismus hat versagt. Schuld ist die Zinsentwicklung. Seit Mitte April steigen die Zinsen für mittlere und lange Laufzeiten überraschend an, nur die kurzfristigen Zinsen blieben stabil, weil sie von den Leitzinsen abhängen, die die Notenbanken bisher nahe null halten.

          Bild: F.A.Z.

          Eine Bundesanleihe mit zehn Jahren bringt jetzt 0,5 Prozent Rendite im Jahr ein, im April waren es nur 0,1 Prozent. Ein solcher Anstieg erscheint marginal, bedeutet aber Kursverluste der Anleihen – und damit auch der Fonds, die sie kaufen, vor allem der Fonds, die längere Laufzeiten bevorzugen. „Wir haben einen solchen Zinsanstieg nicht erwartet“, sagt Claus Meyer-Cording, Fondsmanager des Deutsche Invest Euro Government Bonds, eines der größten Rentenfonds der Deutschen Bank. Er existiert seit 2002, seine Anleihen haben derzeit eine Laufzeit von durchschnittlich noch knapp 7 Jahren.

          Die Rentenfonds werden Mühe haben

          Wenn das eine einmalige Sache wäre, könnte man es vielleicht verkraften, aber das Schlimme daran ist: Da die Zinsen in den kommenden Jahren mit zunehmender Erholung der Wirtschaft weiter steigen dürften, werden die Rentenfonds auch in Zukunft Mühe haben, positive Erträge zu erzielen. Und wenn die amerikanische Notenbank Ende des Jahres oder vielleicht doch erst 2016 die Leitzinsen erhöht, werden auch die Anleihen mit kürzeren Laufzeiten unter Druck geraten und damit auch die Fonds mit einem solchen Anlageschwerpunkt.

          „Steigen die Renditen über ein Prozent, sind moderate Verluste der Rentenfonds nicht auszuschließen“, deutet Meyer-Cording an. Ein Zinsanstieg bei einer Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit von 0,5 auf 1,0 Prozent bedeutet rechnerisch einen Verlust von vier Prozent. Ein Anstieg auf 1,5 Prozent bringt schon acht Prozent Verlust. Das kann kaum ein Fonds durch eine geschickte Strategie kompensieren.

          Renditen von Bundesanleihen von einem Prozent und mehr erscheinen zwar derzeit als unwahrscheinlich, wurden aber im Juni schon erreicht und sind für 2016 oder 2017 keineswegs aus der Luft gegriffen. In Amerika liegen die Renditen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit schon jetzt bei zwei Prozent. Für Fondsmanager wie Meyer-Cording heißt das: „Die Renditen der vergangenen drei Jahre sind derzeit nicht mehr zu erwarten.“ In diesem Zeitraum hatte sein Fonds 6,5 Prozent im Jahr gemacht – Gewinn versteht sich.

          „Crash wäre nicht zu kompensieren“

          Jetzt hofft er, dass die Renditen der Bundesanleihen unter einem Prozent bleiben. Dann glaubt er, mit seinem Fonds zumindest noch positive Erträge erzielen zu können. Viele Möglichkeiten, das bei steigenden Zinsen zu schaffen, haben Fondsmanager aber nicht. Sie können Anleihen mit kürzeren Endfälligkeiten kaufen, dann trifft sie ein Zinsanstieg nicht zu stark.

          Solche Papiere bringen aber auch weniger Rendite. Die Fonds könnten in südeuropäische Anleihen investieren, die noch etwas mehr Zins ausschütten. Viel ist aber auch das nicht mehr. Oder sie könnten – wenn die Fondsrichtlinien das erlauben – stärker in Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität anlegen. Das bringt ebenfalls höhere Ausschüttungen, was die Kursverluste bei einem allgemeinen Renditeanstieg kompensieren könnte.

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