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Ratenkredit : Dispozinsen sinken im Durchschnitt unter 10 Prozent

Gesetzliche Deckelung: Tausende Bankkunden sollen vor Überschuldung bewahrt werden. Bild: dpa

Eine neue Regelung führt dazu, dass jetzt Tausende von Bankkunden mit überzogenen Konten einen Ratenkredit angeboten bekommen. Doch wie wirksam sind diese im Kampf gegen die Überschuldung?

          Die Dispozinsen, die Banken für die Überziehung des Girokontos verlangen, sind im Durchschnitt auf weniger als zehn Prozent gesunken. Das hat die Stiftung Warentest in ihrem regelmäßigen Vergleich von mehr als 1400 Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland festgestellt. In diesem Jahr lag der durchschnittliche Dispozins bei 9,91 Prozent nach 10,25 Prozent im Vorjahr und 10,65 Prozent im Jahr 2014. Diese Zinssätze sind also etwas gesunken – wenn auch im Vergleich zum sonstigen Zinsniveau bei vielen Banken immer noch hoch.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei spielte zum Teil wohl die Niedrigzinsphase eine Rolle, weil beispielsweise bei vielen Sparkassen die Dispozinsen an einen Marktzinssatz wie den Euribor gekoppelt sind, der derzeit negativ ist. Das senkte die Dispozinsen zum Teil gleichsam automatisch. Manche Institute allerdings, wie die Raiffeisenbank Wolfhagen in Hessen, haben eine Sonderregelung für die Dispozinsen für den Fall, dass der Euribor im Minus ist. Normalerweise liegt ihr Dispozinssatz bei 9,75 Prozent plus Drei-Monats-Euribor. Es gibt aber die Einschränkung: „Ein negativer Referenzzinssatz wird wie null behandelt.“

          Eine andere Entwicklung, die bei den sinkenden Dispozinsen eine Rolle gespielt hat, ist der Trend zu neuen Kontomodellen. Immer mehr Banken bieten sogenannte Premiumkonten an, bei denen die Dispozinsen zwar niedriger sind und weitere Leistungen in den Umfang des Kontopakets eingeschlossen sind, dafür fallen dann aber die monatlichen Kontogebühren deutlich höher aus als in der Vergangenheit. Die Stiftung Warentest sieht das eher kritisch und meint, für viele Kunden lohnten sich solche Premiumkonten nicht; wer oft mit seinem Konto im Minus sei, solle lieber über andere, günstigere Kredite nachdenken.

          Ausufernde Dispozinsen

          Unrühmliche Spitzenreiter beim Dispozins mit 13 Prozent und mehr seien die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost mit ihrem Direkt- und Klassik-Konto (13,75 Prozent), die Raiffeisenbank Aulendorf (13,06 Prozent) und die VR-Bank Landsberg-Ammersee (13,01 Prozent), gefolgt von der Rosbacher Raiffeisenbank (13 Prozent). Am wenigsten müssten Kunden dagegen bei Direktbanken wie etwa der Deutschen Skatbank mit dem Trumpfkonto zahlen, wenn sie ins Minus rutschen (4,24 Prozent). Dicht dahinter liege das Servicekonto der Augsburger Aktienbank (4,8 Prozent).

          Die großen Banken haben meistens eine Spanne bei den Dispozinsen, je nach Kontomodell. So liegt die Deutsche Bank zwischen 7,9 und 10,9 Prozent, die Commerzbank zwischen 8,5 und 10,5 Prozent, die Postbank zwischen 8,68 und 10,55 Prozent und die Targobank zwischen 7,63 und 12,59 Prozent. Manche Banken verlangen auch Dispozinsen abhängig von der Bonität des Kunden. Bei der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach in Bayern beispielsweise reicht die Spanne von 4,75 bis 12,75 Prozent – und für einen Kunden sei zumindest im Internet nicht klar erkennbar, wo innerhalb dieser breiten Spanne er angesiedelt sei, bemängelt die Stiftung.

          Nun hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zu Jahresbeginn verschiedene Regelungen im Bundestag durchgesetzt, die ausufernde Dispozinsen und eine Überschuldung von Menschen, die dauernd im Dispo hängen, verhindern sollten. Unter anderem müssen die Banken jetzt ihre Kunden anschreiben, wenn diese sechs Monate lang ihren Dispo zu mindestens 75 Prozent ausgeschöpft haben. Sie sollen ihnen andere, günstigere Ratenkredite zum Umschulden anbieten. Wer also von seiner Bank einen Dispo-Rahmen von 10.000 Euro eingeräumt bekommen hat und sein Konto fortlaufend mit durchschnittlich 7500 Euro überzieht, den muss die Bank jetzt anschreiben und ihm ins Gewissen reden.

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