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Ratenkredit : Dispozinsen sinken im Durchschnitt unter 10 Prozent

Tausende Bankkunden betroffen

Tausende von Bankkunden, die ihr Konto regelmäßig stark überziehen, bekommen dieser Tage entsprechende Post von ihrer Bank. Viele Banken haben nicht erst am 21. März, als das Gesetz in Kraft getreten ist, damit begonnen. Die ING Diba beispielsweise, die schon vor dem offiziellen Termin des Gesetzes ein entsprechendes Verfahren eingeführt hatte, hat allein im zweiten Quartal 2016, also den Monaten April bis Juni, rund 4,7 Prozent ihrer 1,5 Millionen Kunden mit einem Girokonto angeschrieben und ihnen ein entsprechendes Beratungsgespräch zu alternativen Krediten angeboten – also immerhin etwa 70.500 Menschen. Wenn sich der Kunde dann melde, würden die Gründe der Kontoüberziehung besprochen, außerdem denke man gemeinsam darüber nach, wie der Dispo zurückgeführt werden könne, sagte ein Banksprecher. Wie viele von den empfohlenen Angeboten dann auch tatsächlich Gebrauch machten, hat die Bank nicht erhoben; etwa 11 Prozent aller Bankkunden mit einem Girokonto nutzten den Dispo häufig, also mehrere Monate in Folge innerhalb eines Jahres. Rund 43 Prozent der Kunden nutzten ihn hingegen nie.

Dispokredite im Vergleich

Bei der Deutschen Bank hieß es, die Bank habe schon immer regelmäßig die Dispolimits ihrer Kunden überprüft. Seit die neue Richtlinie am 21. März in Kraft getreten sei, unterbreite die Bank darüber hinaus „Verbrauchern mit intensiver Limitnutzung“ jetzt auch noch ein Beratungsangebot in Textform.

Auch die Hypovereinsbank berichtet, die Richtlinie pünktlich umgesetzt zu haben: Auch sie habe dabei auf bereits bestehende Mechanismen zurückgegriffen. Eine Sprecherin sagte, man biete schon seit längerem beispielsweise auch SMS-Benachrichtigungen an, wenn bestimmte Kontostände unterschritten seien.

Gesetzliche Deckelung

Die Commerzbank hebt hervor, sie informiere ihre Kunden nicht erst nach einem halben Jahr Dauerinanspruchnahme des Dispos, wie gesetzlich jetzt vorgeschrieben, sondern schon nach drei Monaten – allerdings auf dem Kontoauszug. Vom ersten Cent der Inanspruchnahme des Dispos an erhalte der Kunde einen Hinweis auf dem Kontoauszug, dass sein Kontostand negativ sei, und dass ihn dies Geld koste. Von durchschnittlich 50 Prozent Inanspruchnahme an erhalte er einen „sehr deutlichen Hinweis“ sowie das Angebot, mit einem Berater über Kredit-Alternativen zu sprechen. Von durchschnittlich 75 Prozent an werde der Hinweis noch einmal intensiver mit der Bitte, sich doch mit dem Berater über eine Lösung zu unterhalten.

Ein Sprecher von Justizminister Maas meinte, aus seiner Sicht sei es noch zu früh für eine Erfolgsbilanz der neuen Regelung. Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, berichtete immerhin, Beschwerden habe es bei ihnen bisher nicht gegeben. Gleichwohl stehe die Verbraucherzentrale der Regelung kritisch gegenüber: Ein Verbraucher, der überschuldet sei, werde den Brief seiner Bank oder Sparkasse mit dem Terminangebot nicht unbedingt positiv aufnehmen. Besser wäre aus ihrer Sicht in dem Moment eine neutrale Institution, die dem Verbraucher weiterhelfe.

Zugleich war eingeführt worden, dass die Banken ihre Dispozinsen im Internet veröffentlichen müssen. Das haben aber offenbar auch noch nicht alle Banken gemacht. Die Stiftung Warentest jedenfalls berichtet, bei ihren Recherchen für den Test habe sie mehr als 100 Banken ohne Angaben zu ihren Dispozinsen im Internet gefunden. Fast alle jedoch hätten die Zinsen auf Nachfrage veröffentlicht. In der Vergangenheit hatten Banken gerade mit hohen Dispozinsen aus dem genauen Zinssatz gern ein Geheimnis gemacht. Neue Vorschriften für eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen, die manche Verbraucherschützer gefordert hatten, konnten sich in Berlin hingegen aus ordnungspolitischen Gründen nicht durchsetzen.

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