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Geldanlage : Tagesgeld immer weiter im Zinstief

Auch Tagesgeldkonten bieten keine hohen Zinsen mehr. Bild: dpa

Die Europäische Zentralbank erwägt, die Geldpolitik weiter zu lockern. Auch die Zinsen für Sparer auf dem Tagesgeldkonto sind niedrig wie nie – aber negativ sind sie noch nicht. Wo Sie das meiste bekommen.

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          Die Zinsen, die Sparer auf ihrem Tagesgeldkonto bekommen können, sinken im Durchschnitt immer weiter. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Durchschnittszinsen auf Deutschlands Tagesgeldkonten nach Angaben der FMH-Finanzberatung in Frankfurt noch einmal von etwa 0,56 Prozent auf 0,37 Prozent zurückgegangen. In den vergangenen Wochen bedeutete das abermals einen Rückgang von etwa einem Prozentpunkt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Spanne, wie viel Deutschlands Banken ihren Kunden fürs Tagesgeld zahlen, reicht dabei laut FMH mittlerweile von 1,25 Prozent bis herunter zu 0,01 Prozent oder in einzelnen Fällen auch 0 Prozent. Immer mehr Banken werden offenbar vorsichtig, ihren Kunden überhaupt noch nennenswerte Zinsen über Null zu zahlen, weil sie nicht wissen, was sie dann mit den massenhaft zuströmenden Einlagen überhaupt machen sollen. Wenn sie das Geld bei der EZB deponieren, müssen die Banken selbst einen negativen Zinssatz von derzeit 0,2 Prozent zahlen. EZB-Präsident Mario Draghi hat angedeutet, es werde darüber diskutiert, diesen Einlagenzinssatz sogar noch weiter ins Negative zu senken; das würde die Lage auch für die Tagesgeld-Banken tendenziell noch ein wenig verschärfen.

          Negative Zinsen fürs Tagesgeld finden sich bislang in den deutschen Tagesgeldtabellen nicht. Lediglich die Deutsche Skatbank im thüringischen Altenburg hat einen negativen Tagesgeldzinssatz auch für Privatkunden festgelegt. Er liegt bei minus 0,25 Prozent, gilt allerdings erst ab Einlage von 500.000 Euro. Bei kleineren Einlagen zahlt auch die Skatbank einen positiven Zins in Höhe von 0,1 Prozent bei einer Mindestanlage von 5000 Euro. Hat ein Kunde weniger als 5000 Euro auf seinem Tagesgeldkonto bei der Skatbank, so bekommt er mittlerweile 0 Prozent Zinsen.

          Volkswagen-Bank an der Spitze

          In der Schweiz hat die kleine Alternative Bank jetzt angekündigt, zum 1. Januar negative Zinsen auf ihrem sogenannten Alltagskonto in Höhe von 0,125 Prozent auch für Privatkunden einzuführen. Bei Einlagen über 100.000 Franken soll der negative Zinssatz auf minus 0,75 Prozent steigen. Die GLS Bank in Deutschland, so etwas wie ein deutsches Gegenstück zur Alternative Bank in der Schweiz, hat auf Anfrage ausgeführt, keine negativen Zinsen für Privatkunden zu planen. Ähnlich hatten sich in der Schweiz die großen Banken, UBS und Credit Suisse, geäußert.    

          An der Spitze der Tagesgeldtabellen findet sich jetzt die VW Bank mit einem Zinssatz von 1,25 Prozent. Sie hatte vor rund zwei Wochen die Tagesgeldzinsen als einzige Bank drastisch angehoben und sich damit in Deutschland an die Spitze gesetzt. Die Bank selbst begründete den Schritt mit einer Jubiläum: Der Volkswagen-Konzern sei jetzt seit 25 Jahren im Direktbankgeschäft tätig und habe als kleine Marketingaktion für diese Feier einen Zinssatz gewählt, in dem die Ziffern “25“ vorkommen. Bei Konkurrenten und den Zinsvergleichsunternehmen war allerdings spekuliert worden, der Volkswagenkonzern wolle sich wegen der Krise als Folge des Abgas-Skandals vorsichtshalber mit Liquidität versorgen und müsse dafür einen höheren Zinssatz zahlen. Der hohe Zinssatz ist allerdings auf vier Monate befristet. Mit der VW Bank hatte auch die Audi-Bank, die gleichfalls zum Konzern gehört, die Zinsen in ähnlicher Weise angehoben. Zu den regionalen Anbietern von Tagesgeldkonten, die im Augenblick etwas mehr Zinsen aufs Tagesgeld bieten, gehört auch die PSD Bank Rhein-Neckar-Saar, die mit 1,25 Prozent wirbt. Der Zinssatz gilt allerdings nur für Neukunden bis 30.000 Euro und nur für 4 Monate. Anschließend gelten 0,2 Prozent wie für alle Bestandskunden der Bank.

          Unmittelbar auf die Andeutung von EZB-Präsident Mario Draghi, die lockere Geldpolitik unter Umständen noch verstärken zu wollen, hätten die Tagesgeldzinsen am Freitag nicht reagiert, sagte Max Herbst, der Chef der FMH-Finanzberatung. „Zum einen geht es bei den Banken nicht so schnell, wenn die EZB noch überlegt, ob sie noch was nachlegen soll“, sagte Herbst. „Zum anderen sind die meisten Zinsen schon so tief, dass eine weitere Senkung keine Wirkung mehr hat.“ Ob man nun 0,5 oder 0,4 Prozent für sein Tagesgeld bekomme, sei dann „auch schon gleich“, meinte Herbst.

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