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Achenbach-Versteigerung : Viel Kunst für wenig Geld

69 Bronze-Affen von Jörg Immendorff kommen in der nächsten Woche unters Volk. Bild: dpa

2100 Werke aus dem Besitz des inhaftierten Kunstberaters Helge Achenbach werden jetzt versteigert. Nicht nur Reiche können mitbieten.

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          Wie eine der glamourösen Abendauktionen in New York, die in der Welt der Kunst zuverlässig für neue Rekordpreise sorgen, wird diese Versteigerung nicht ablaufen. In Düsseldorf wird es in der nächsten Woche deutlich rustikaler zugehen, das liegt allein schon am Ort: In einer riesigen Lagerhalle wird vom nächsten Mittwoch an die wohl größte Versteigerung zeitgenössischer Kunst stattfinden, die Deutschland je gesehen hat. 2100 Werke, darunter bekannte Namen wie Jörg Immendorff und Otto Piene, sollen unters Volk gebracht werden.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Auktion sticht aber nicht nur wegen der vielen Objekte hervor und wegen ihrer außergewöhnlichen Länge (drei Tage am Stück soll jeweils von 10 bis 18 Uhr versteigert werden). Sondern auch weil sie unmittelbar mit einem der aufsehenerregendsten Kunst-Skandale des Landes zu tun hat. Zum Aufruf kommt die Sammlung Helge Achenbachs – also des Mannes, der Deutschlands Superreiche beim Kunstkauf beraten hat, dabei aber oft mehr an Provision für sich einbehielt als ursprünglich vereinbart. Dies muss der Mann seit dem Frühjahr im Gefängnis büßen, seine Kunstberatung ist schon länger pleite. Gläubiger und Geschädigte aber wollen so schnell wie möglich ihr Geld zurück, es soll um eine zweistellige Millionensumme gehen. Kein Wunder also, dass der Insolvenzverwalter nach Sichtung all der Kunstwerke in Achenbachs Lager die Devise ausgegeben hat: Alles muss raus!

          Doch was da in Düsseldorf zu kaufen sein wird, ist nach Meinung vieler Kunstexperten genaugenommen gar keine Sammlung, es sind vielmehr bunt durcheinandergewürfelte Werke. Was nicht erstaunlich ist: Würde es sich ausschließlich um außergewöhnliche Bilder handeln, hätte sie Achenbach doch längst verkauft, als er dies noch konnte. Trotzdem sind durchaus einige Werke darunter, die Aufmerksamkeit verdienen: drei Arbeiten von Gerhard Richter beispielsweise, in kleinem Format und darum sogar für Normalsterbliche zu bezahlen. Ihr Schätzpreis liegt jeweils zwischen 40000 und 60000 Euro. Sie allerdings sind nicht in Düsseldorf zu finden, sondern lassen sich am kommenden Samstag in Köln ersteigern. Dorthin nämlich hat das Kölner Auktionshaus Van Ham, das die „Achenbach Art Auction“ organisiert, die Versteigerung 120 vielversprechender Bilder ausgelagert.

          Auktion wird Forderungen der Gläubiger nicht decken können

          Van Ham-Geschäftsführer Markus Eisenbeis ist sich trotzdem sicher, dass man ihm auch in Düsseldorf die Bude einrennen wird: „Das Interesse ist riesig.“ Zwar konnte er zu Achenbach selbst, der die Geschichten vieler Bilder am besten kennt, keinen Kontakt aufnehmen. Aber manches ist auch so verbürgt: Allein fast 70 Affen-Skulpturen von Jörg Immendorff sind im Angebot. Die kleinsten sind nur 15 Zentimeter hoch (Schätzpreis 1500 bis 2500 Euro), die größten zwei Meter (Schätzpreis 25.000 bis 35.000 Euro). Es ist bekannt, dass Achenbach seinem notorisch klammen Freund Immendorff einst riet, möglichst viele dieser Skulpturen zu fertigen, um die Geldnot in den Griff zu bekommen. Die Kunstwelt jedoch war von der Massenproduktion nicht angetan. Viele der Skulpturen zierten so am Ende die Restaurants, die Achenbach unter dem Namen Monkey’s neben der Kunstberatung betrieb.

          Im März wurde der Kunstberater Helge Achenbach zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er soll seine Kunden betrogen haben.

          Die meisten Bilder und Skulpturen der Marathonauktion werden voraussichtlich für wenig Geld zu ersteigern sein: Bei rund 1000 Werken liegt der Schätzpreis unter 1000 Euro. Von einer „tollen Gelegenheit“ zu sprechen, wie dies Markus Eisenbeis tut, scheint trotzdem gehörig übertrieben. Denn bei nicht wenigen Werken beträgt das Aufgeld, das der Käufer zahlen muss, saftige 49 Prozent. Wer ein Bild für 1000 Euro ersteigert, muss also rund 1490 Euro dafür zahlen. Ein Teil des Aufschlages sind Steuern, 240 Euro bleiben beim Auktionator – auch das keine schlechte Marge.

          Dass die Achenbach-Auktion die Gläubiger glücklich machen wird, ist dennoch nicht zu erwarten: Nach Schätzungen soll sie zwischen 3 und 4,5 Millionen Euro einbringen, die Forderungen also bei weitem nicht decken. Die Käufer der Werke könnten da schon eher zufrieden sein. Sie sollten nur einen Fehler nicht machen – bei ihren Bildern fest mit einer Wertsteigerung rechnen. Sein Geld in Kunst anzulegen kann nämlich eine recht unsichere Sache sein, wenn man nicht gerade ein Hauptwerk Picassos besitzt. Der Anreiz zum Kauf sollte darum besser ein anderer sein: Das Werk sollte einfach gut gefallen.

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