https://www.faz.net/-gv6-8j7l4

Jim Rogers : „Die Anleger werden fluchen“

  • Aktualisiert am

Jim Rogers - immer ein Freund von Rohstoffen Bild: Jan Roeder

Starinvestor Jim Rogers zieht vom Leder: Die Welt hat zu viele Schulden, Gold ist viel zu teuer, und die Notenbanker haben keine Ahnung.

          Herr Rogers, Sie sind als Rohstoff- Investor berühmt geworden. Nun erklären Sie uns doch mal das jüngste Comeback von Rohstoffen wie Gold.

          Ich kann das nur so erklären, dass die Rohstoffpreise zunächst so stark gestiegen waren, dass sie überteuert waren. Öl kostete 147 Dollar je Fass, Gold 1900 Dollar je Feinunze. Danach haben sie eine bittersüße Korrektur erlebt. In diesem Jahr ist Gold nun wieder eine der stärksten Anlagen überhaupt. Das ist für mich allerdings ein Grund, warum ich mit einem Ende der Erholung rechne.

          Viele Anleger sehen es anders und investieren in den „sicheren Hafen“ Gold. Haben Sie eine Erklärung?

          Zunächst einmal habe ich gelernt, dass nichts sicher ist, wenn man über Investments spricht. Es gibt aber viele Menschen auf der Welt, für die Gold ein Heiligtum ist und die glauben, dass es mit dem Edelmetall niemals bergab gehen kann. Aber ich erwarte, dass der Goldpreis bald wieder unter 1000 Dollar liegt. Und wenn das passiert, dann werden diese Menschen aufschreien und fluchen und behaupten, dass sie niemals im Leben wieder Gold kaufen würden. Sie werden sich vom angeblich so reinen Gold betrogen fühlen.

          Gold

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wann wird Gold wieder so billig wie zur Jahreswende?

          Ach, verlassen Sie sich nicht auf mich, denn Market-Timing gehörte noch nie zu meinen Stärken. Aber in den nächsten Jahren wird es eine Blase gehen, und Gold wird zu den am meisten gehassten Anlageklassen gehören. Und genau dann, wenn der Preis niedrig ist, werde ich vielleicht wieder etwas Gold hinzukaufen.

          Andere Rohstoffe, allen voran Öl, haben auch ein hartes Jahr hinter sich. Warum?

          Inzwischen wissen die Amerikaner, dass die Schieferölproduktion zwar viel hergibt, dass die Fördermethode des Fracking aber kein Wunder ist. Es kostet viel Geld, viele Förderer gehen pleite. Sie werden auch nicht gleich zurückkehren, wenn der Ölpreis deutlich steigt.

          Gerät der Rohstoff-Superzyklus etwa an ein Ende?

          Das glaube ich nicht. Die Rohstoffreserven gehen stetig zurück. Das Angebot ist dauerhaft einfach nicht groß genug, um die Preise für lange Zeit niedrig zu halten. Verkaufen Sie also bloß kein Öl!

          BRENT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Was wird als Nächstes verhasst sein und damit günstig sein?

          China! Dort sehen viele Anleger gute Chancen, weil sie glauben, dass dort nicht viel schiefgehen könnte. Wenn aber immer mehr chinesische Unternehmen pleitegehen, werden diese Leute schockiert, entsetzt und panisch sein. Sie werden dann behaupten, die Chinesen haben uns hereingelegt, sie hätten niemals pleitegehen dürfen! Wenn das einträte, wäre das eine phantastische Gelegenheit, um chinesische Aktien zu kaufen.

          Soll das heißen, Sie wetten auf einen Zusammenbruch Chinas?

          Ich besitze schon chinesische Aktien, und ich verkaufe sie nicht. Aber wenn das Unheil passiert, wie ich es eben beschrieben habe, dann werde ich sehr viele Aktien hinzukaufen. China hat zwar viele Probleme, vor allem Unmengen an Schulden, und wird wohl künftig einige Rückschläge verkraften müssen. Aber China wird das erfolgreichste Land des 21. Jahrhunderts werden, ob wir das mögen oder nicht.

          Warum so zuversichtlich?

          Vor einigen Jahren wurde in Peking entschieden, dass die Regierung es dem Markt überlässt, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Das war eines der wichtigsten wirtschaftlichen Ereignisse in den vergangenen 35 Jahren. Als Investor würde ich so etwas auch gerne aus Amerika oder Europa hören.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          „Tatort“ aus Dresden : Echte Kommissarinnen stehen zusammen

          Ein spektakuläres Verbrechen, ein Chef, dem die Nerven durchgehen, und zwei Ermittlerinnen mit Durchblick: Das neue Team des „Tatorts“ aus Dresden wird sich so rasant einig, dass man nur staunen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.