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Antike Sagen und Geldanlage : Macht es wie Odysseus!

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Indexfonds richtig einzusetzen ist nicht so einfach. Es hilft, sich einen bestimmten antiken Helden zum Vorbild zu nehmen.

          Fast jeder kennt die Geschichte, wie Odysseus, der Held der griechischen Mythologie, der Versuchung der Sirenen widerstand und unversehrt nach Hause kam. Er wusste um deren verführerische Lockrufe, die schon viele tapfere Seeleute das Leben gekostet hatten. Und so verstopfte er die Ohren seiner Matrosen vor der Vorbeifahrt an den Sirenen mit Wachs und ließ sich selbst mit Tauen an den Schiffsmast binden, damit er nicht schwach werden und ins Wasser springen konnte. Eine kluge „Vorratsentscheidung“ beziehungsweise Regelbindung, die sich im übertragenen Sinne manch privater Anleger auch heute zum Vorbild nehmen kann.

          Neben überhöhten Kosten und Gebühren sowie ungeeigneten und risikobeladenen Anlagevehikeln steht nämlich vor allem eines zwischen dem Privatanleger und seinem Investitionserfolg: seine eigene Psyche. Viele bekannte Anlage-Gurus werden daher mit Sprüchen zitiert, die sinngemäß auf die folgende Aussage hinauslaufen: Wenn man den größten Feind des eigenen Anlageerfolges sehen will, dann sollte man einfach in den Spiegel schauen.

          Nachfolgend sollen daher einige Möglichkeiten beschrieben werden, wie Privatanleger sich selbst Regeln auferlegen können, die sie davor schützen, Opfer ihrer eigenen Emotionen (insbesondere von Angst oder Gier) zu werden. Und die damit verhindern, dass vor allem in extremen Situationen an den Finanzmärkten das Ersparte aufgrund gefühlsbedingter Kurzschlussentscheidungen in Windeseile wieder zerrinnt.

          Die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard publizierte im September 2016 eine in Fachkreisen vielbeachtete Studie. Sie kommt zu dem unangenehmen Ergebnis, dass Privatanleger durchschnittlich von der langjährig durch Aktienanlagen realisierbaren Marktrendite von acht bis neun Prozent im Jahr vor Kosten durch schädliche Aktivitäten (wie Umschichtungen ) circa drei Prozentpunkte pro Jahr verspielen. Das heißt: Vor Kosten erzielen sie lediglich ein Durchschnittsergebnis von fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Überwiegend emotional gesteuerte Fehlentscheidungen sind also beträchtliche Renditekiller.

          Anleger soll sich wie Odysseus im voraus binden

          Nur scheinbar bewahren ETF (also börsengehandelte Indexfonds) den Anleger davor, einen beträchtlichen Teil der Marktrendite durch eigene Aktivität aufs Spiel zu setzen. Zwar erwirbt der Anleger mit ETF statt eines Einzelwertes einen ganzen Index (also ein Bündel an Aktien) und gerät so nicht in Versuchung, klassisches Stock-Picking (Aktie heißt im Englischen Stock) zu betreiben. Vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Indizes für unterschiedliche Regionen, Länder, Branchen und Themen bleibt aber noch immer die Möglichkeit der spekulativen Umschichtung zwischen den verschiedenen Indizes – nennen wir es hier einmal „Index-Picking“.

          Auch die zweite Dimension spekulativen Handels, der Erwerb des ETF vor vermeintlichen Aufschwungphasen und der Verkauf vor erwarteten Abschwungphasen (das sogenannte Market Timing), ist mit Indexfonds weiter möglich. Der Anleger wird also keineswegs vor diesem Fehler bewahrt. Denn das richtige Market Timing funktioniert in der Praxis so gut wie nie. Oft übersehen wird zudem, dass die Suche nach dem besten Einstiegszeitpunkt zwangsläufig mit der Haltung von Liquidität einhergeht. Da diese keine Rendite erbringt, kommt es zu Opportunitätsverlusten, wie die Ökonomen das nennen, durch entgangene Kurschancen sowie entgangene Dividendenzahlungen. Kurzum: Der Einsatz von ETF schützt den Anleger keineswegs vor der eigenen Psyche.

          An diesem Punkt kommen die Vorteile des regelgebundenen Investierens zum Tragen: Der Anleger unterbindet eigene künftige Fehler dadurch, dass er sich ganz wie Odysseus im Voraus bindet. Dies tut er durch die Vorabdefinition klarer Spielregeln für Erwerb und Auflösung seiner Anlagen. In ruhiger Zeit bestimmt er wohlüberlegt, bei welchen Voraussetzungen welche Aktivitäten zu ergreifen sind. Damit ist auch festgelegt, wann eben gerade nichts zu tun ist, man also besser die Füße still hält.

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