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„Home bias“ : Patriotismus kostet Geld

Darüber hinaus könnten Inflationsrisiken die Rendite ausländischer Anlagen schmälern. Auch vor Währungseffekten schrecken viele Anleger zurück, machen sie doch beispielsweise bei internationalen Anleihen etwa die Hälfte des gesamten Risikos aus. Außerdem erscheinen ausländische Kapitalanlagen aus steuerlichen Gründen oft weniger attraktiv als heimische.

Denn manche Länder besteuern Dividendenzahlungen an fremde Investoren stärker als an Landsleute. An kleineren Börsen mit geringer Liquidität, vor allem in Schwellenländern, kommt auch noch hinzu, dass die Handelskosten vergleichsweise hoch sind.

Empfindlicher Dax

Angesichts einer solchen langen Liste von Unwägbarkeiten, Einschränkungen und möglicher Kosten scheint es allzu menschlich, lieber auf den Heimatmarkt zu setzen, wo man sich sicher fühlt ist. Aber es wäre ein Irrtum, der Geld kostet. „Eine übertriebene Heimatneigung führt zu einem starken Mangel an Streuung in einem Portfolio - und damit zu unnötigen emotionalen Stress und womöglich höheren Verlusten“, sagt Analyst Jochen Klement, Autor der Credit-Suisse-Studie. Mit anderen Worten: Wer das Risiko breit verteilt, kann ruhiger schlafen.

Eine große Unruhe haben in diesem Jahr vor allem jene Deutsche zu spüren bekommen, die allzu sehr auf den heimischen Aktienindex gesetzt haben. Denn auf die zwischenzeitlichen Börsenturbulenzen hat der Dax empfindlicher reagiert als andere Indizes.

Nach Jahresbeginn, als der Ölpreis ein historisches Tief erreichte, die Sorgen um das Wachstum Chinas und der Welt groß waren, verlor der deutsche Index 18 Prozent. Der amerikanische S&P 500 und der MSCI World sanken jeweils nur um 11 Prozent. Auch nach dem Brexit-Votum Ende Juni erwischte es den Dax stärker als andere Börsenbarometer. Wohl dem Anleger also, der auch in fremde Märkte investiert hat. Auch wenn es erst einmal Überwindung gekostet hat.

Das alte Lied: Diversifizieren!

Es ist schon oft gesagt worden, seit die amerikanischen Ökonomen Kenneth French und James Poterba vor 25 Jahren erstmals den Home Bias beschrieben haben: Eine möglichst breite Streuung über Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg mindert das Verlustrisiko und verspricht bei ähnlichem Risiko eine höhere Rendite.

Die Diversifikation, wie es im Fachjargon heißt, fällt je größer aus, desto mehr Andersartiges gemischt wird. Irgendwo auf der Welt läuft die Konjunktur immer relativ gut, so dass die dortigen Gewinne mögliche Verluste aus anderen Regionen wettmachen. Man muss ja nicht so weit gehen wie die Ökonomen Bruno Solnik und Luo Zuo, die vor einigen Jahren ein Aktienportfolio entwickelt haben, das idealtypisch ist. Darin befanden sich Aktien aus 41 Ländern, die entsprechend ihres Anteils am globalen Aktienmarkt gewichtet wurden.

Eine derart breite Streuung mag für einen Privatanleger kaum zu verwalten sein. Aber dafür gibt es ja einfache und günstige Möglichkeiten, vor allem durch den Erwerb von ETF (Exchange Traded Funds), die die Wertentwicklung eines bestimmten Index abbilden. Wer sein ETF-Portfolio international streut, also neben dem überaus beliebten Dax und dem Euro Stoxx 50 auch den MSCI World und den S&P 500 berücksichtigt, der sieht sich gut aufgestellt. Umso mehr, wenn ein Anleger auch über die ihm vertrauten Industrienationen hinausblickt.

Denn in diesen Staaten altert die Bevölkerung, was das Wachstum zu bremsen droht. Größere Chancen liegen in Ländern, in denen die Gesellschaft jünger ist und eine höhere Wirtschaftsleistung verspricht. Also vor allem in Schwellenländern, in denen der Wohlstand steigt und eine zunehmende Mittelschicht immer ausgabefreudiger wird. Es muss nicht immer Deutschland sein.

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