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Elite-Uni mit Geldsorgen : Harvard um zwei Milliarden Dollar ärmer

Der Verlust der Harvard-Stiftung fällt ausgerechnet in eine Phase, in der die Universität mit einer aufwendigen Kampagne zu Spenden animiert. Bild: Reuters

Viele Unis beneiden Harvard um ihre Milliarden-Reserven. Doch im vergangenen Jahr haben die Stiftungsmanager großen Verlust gemacht. Doch noch immer ist das Polster erstaunlich.

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          Die Harvard Universität hat im vorigen Jahr knapp zwei Milliarden Dollar ihres Stiftungsvermögens eingebüßt. Dessen Wert schrumpfte von 37,5 auf 35,6 Milliarden Dollar. Ein so schlechtes Anlageergebnis verzeichnete die Stiftung zuletzt in der Finanzkrise. Der Chef der Harvard Vermögensverwaltung, Robert Ettl, nannte neben dem niedrigen Zinsniveau und der Volatilität der Märkte eine schlechte Leistung der Anlagemanager als Grund. Im vorigen Jahr erzielte die Vermögensverwaltung noch eine Rendite von 5,8 Prozent.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Stiftung steuerte im vorigen Jahr 1,7 Milliarden Dollar zum Budget der Universität bei und deckte damit ein Drittel der Kosten. Der Verlust fällt ausgerechnet in eine Phase, in der die Universität mit einer aufwendigen Kampagne zu Spenden animiert. Das ausgegebene Spendenziel von 6,5 Milliarden Dollar war, wie die Universität kürzlich stolz meldete, überschritten worden mit eingeworbenen Mitteln von mehr als 7 Milliarden Dollar. Große Anteile davon fließen in das Stiftungsvermögen. Andere Universitäten wie MIT haben etwas besser abgeschnitten.

          Investmentmanager reicher Universitäten hatten Aufmerksamkeit auf sich gezogen durch ihre oft unkonventionellen Anlagestrategien, die ihnen bis zur Finanzkrise zweistellige Renditen einbrachten. So ist Harvard ein Baumplantagen-Besitzer in Argentinien. Die Vermögensverwaltung nennt schwierige Umstände bei zwei Geldanlagen in Lateinamerika als einen Grund für den Verlust. Sie will nun stärker auf externe Manager bauen und die Entlohnung stärker an der Performance ausrichten.

          Das ist allerdings nicht ohne Pikanterie: Unter Harvards legendärem Vermögensverwalter Jack Meyer, der von 1990 bis 2005 Chef war, wuchs das Vermögen von 5 Milliarden auf 23 Milliarden Dollar einschließlich Spenden. Meyer lieferte eine Rendite von 15,9 Prozent in den letzten Jahren seiner Amtszeit. Er und viele Mitstreiter gingen, als sie wegen ihrer hohen Performance-Boni attackiert wurden.

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