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Geldanlage 2016 : Ein gutes Jahr für mutige Anleger

Das Jahr 2016 hat der Börse am Zuckerhut große Erfolge beschert. Bild: plainpicture/Mira/Frank Chmura

Aktien und Rohstoffe wie Öl haben Anlegern in diesem Jahr kräftige Kursgewinne beschert. Insgesamt war Risikobereitschaft gefragt, damit aus 100.000 Euro deutlich mehr werden konnte.

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          Auch dieses Jahr hat Anlegern wieder viele Chancen geboten, ihr Geld deutlich zu mehren – und das trotz des mageren Zinsumfeldes. Dabei mussten die Ideen nicht einmal besonders ausgefallen sein. Nur Mut zum Risiko mussten Anleger schon aufbringen und in Aktien, Schwellenländer oder Rohstoffe investieren. Ausgezahlt hat sich abermals der Blick in die Ferne.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aus europäischer Sicht besonders gut hat sich der Bovespa-Aktienindex in Brasilien entwickelt – eines der vier größten Schwellenländer der Welt. Hier wären aus 100.000 Euro 174.500 Euro geworden. Unter den Börsenfavoriten sind auch in diesem Jahr unbekanntere, schwer zugängliche und wenig liquide Aktienmärkte zu finden wie der kasachische Index, der rein rechnerisch beim Einsatz von 100.000 Euro einen Gewinn von 68.000 Euro möglich machte. In peruanischen Aktien beträgt das Plus 67.600 Euro.

          Kräftig im Wert gestiegen sind aber auch die Aktienkurse in Industrieländern wie den Vereinigten Staaten – also auch nicht ganz so spekulative Anlagen. Denn die großen amerikanischen Indizes waren in diesem Jahr – anders als die europäischen – beständig auf Rekordjagd. Die Kursgewinne wurden sogar noch aufgebessert, trafen sie doch auf eine aus der Sicht eines europäischen Anlegers günstige Entwicklung des Wechselkurses: Der Euro hat gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn gut 4 Prozent an Wert verloren.

          Und so hätte ein Kauf der 30 Aktien des Dow-Jones-Index binnen eines Jahres aus 100.000 nun 119.100 Euro gemacht. Die Schwäche des Euros hat auch andere Dollar-Anlagen zusätzlich befeuert wie den russischen Aktienindex RTS. Hier steht unter dem Strich – ohne die Kosten, die mit Anlagen dort grundsätzlich verbunden sind – ein Plus von 58.000 Euro.

          Rohstoffe, die in der Regel in Dollar gehandelt werden, sind dadurch aus europäischer Sicht noch deutlicher im Preis gestiegen als ohnehin schon – gut für Anleger, die rechtzeitig investiert haben, schlecht für Autofahrer oder Hausbesitzer, die zu hohen Preisen einkaufen müssen.

          Auch Gold lief gut

          Denn der Ölpreis hat nach seinen Tiefständen in diesem Jahr besonders kräftig zugelegt. Analysten sprachen hier zunächst von einer Normalisierung, denn zuvor hatte ein Überangebot an Erdöl den Preis sehr deutlich fallen lassen. Positiv wirkten auch eine besser laufende Weltwirtschaft und die Einigung der OPEC-Staaten auf eine Kürzung der Ölförderung. Alles in allem wären so gemessen am Preis für die Nordseesorte Brent theoretisch 64.600 Euro mehr zusammengekommen.

          Selbst breite Rohstoffindizes wie der GSCI haben ein Plus von 16.800 Euro erzielt. Wie riskant solche Investments aber sein können, zeigt der Blick zurück: Noch im Vorjahr hätte man mit Öl etwa 22.000 Euro verloren.

          In diesem Jahr waren auch Edelmetalle eine gute Anlageidee. Goldinvestments in entsprechender Höhe hätten – neben anderen Qualitäten – ein Plus von 12.200 Euro erbracht. Noch deutlicher ist der Anstieg bei Silber. Hier würde der Gewinn nun 20.600 Euro betragen. Edelmetalle waren in diesem Jahr immer wieder als Hort der Sicherheit gefragt, wenn sich die Sorgen der Anleger wieder mehrten.

          Risikoscheu hat abgenommen

          Insgesamt hat jedoch die Risikoscheu der Investoren in diesem Jahr abgenommen. Denn anders als in den Vorjahren, als sie Schwellenländer und deren hohe Risiken noch mieden, haben sie nun wieder viel Geld in die „Emerging Markets“ wie Brasilien fließen lassen. Nicht zuletzt dank der wieder höheren Preise für Rohstoffe, hat sich die wirtschaftliche Lage in den Schwellenländern insgesamt wieder verbessert, gehören viele doch zu den Exporteuren von Rohstoffen.

          Zudem half es diesen Märkten, dass die extrem lockere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank länger Bestand hatte als erwartet. Ein breiter Schwellenländeraktienindex wie der MSCI hätte wagemutigen Investoren theoretisch ein Plus von 12.200 Euro beschert. Noch besser liefen aus europäischer Sicht sogar Schwellenländeranleihen mit einem Ertrag von 15.000 Euro

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          In diese Länder können Anleger in der Regel über börsengehandelte Indexfonds oder Zertifikate investieren. Doch zum Beispiel Produkte auf einen Index wie den kasachischen Index oder den peruanischen Markt sucht man etwa an der Stuttgarter Börse vergebens. Insofern relativieren sich auch die dortigen Gewinne – es sei denn, Anleger wollen gerade hier sogar auf noch riskantere Einzeltitel setzen.

          Von dem allgemeinen Trend hin zu Schwellenländern hat der chinesische Aktienmarkt nicht profitieren können. Das verdeutlicht, wie spekulativ diese Anlagen sind. Nicht nur enttäuschende Wachstumszahlen haben dazu geführt, dass der breite CSI 300 seit Jahresbeginn abermals an Wert verloren hat. Hier wären nur noch 86.100 Euro übrig geblieben.

          Mit dem Sparbuch nichts zu gewinnen

          Selbst wer lieber im eigenen Land blieb, musste starke Nerven besitzen – er wurde aber dennoch belohnt. Der Dax lag bis Anfang Dezember im Minus. Nun hat er es doch noch auf ein Plus von 6800 Euro gebracht, nach einem Gewinn von 8900 Euro im Vorjahr. Dabei hat der Dax sogar besser abgeschnitten als der M-Dax. Für die Nebenwerte steht im Jahr 2016 ein Plus von 6600 Euro zu Buche, nach einem Anstieg um 21.000 Euro 2015. Zehnjährige Bundesanleihen sind – anders als im Jahr 2014 – weniger erfolgreich gewesen als der Dax. Doch ein Verlustbringer waren sie immerhin nicht.

          Wenig überraschend haben klassische Zinsanlagen enttäuscht, aber auch einige europäische Aktienmärkte. Spanische, italienische oder portugiesische Aktien aber auch Schweizer Titel – sie alle hätten dem Depot Verluste beschert. Das gilt selbst für das Sparbuch, vor allem, da die Inflationsrate in Deutschland wieder gestiegen ist. Zuletzt lag sie im November bei 0,8 Prozent.

          Dass man auch als Anleger nicht immer auf Altbewährtes setzen sollte, zeigt der Blick nach Skandinavien. Anders als in den Vorjahren waren dänische Aktien für Investoren aus dem Euroraum dieses Mal keine gute Wahl. Ein Investment wäre nun 12.700 Euro weniger wert. Im Vorjahr betrug das Plus noch fast 35.900 Euro – Dänemark war damit einer der besten Aktienmärkte des Jahres. 2014 waren es hier plus 21.200 Euro.

          Dagegen hat im Norden Europas der norwegische Aktienmarkt in diesem Jahr unter anderem von dem höheren Ölpreis profitieren können. Nach einem Minus im Vorjahr, steht hier nun ein Aufschlag von 19.000 Euro zu Buche. Auch das zeigt die großen Unterschiede selbst in einzelnen Regionen auf.

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