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Geldanlage : Riester-Sparer, hergeschaut!

Heute schon geriestert? Bild: imageBROKER

Sparen und dafür Zulagen vom Staat kassieren - das geht mit dem ersten Riester-ETF. Günstig ist er obendrein. Aber wie funktioniert Riestern mit Indexfonds?

          Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger, sagt der Volksmund. Am längsten dauern aber immer die einfachsten Dinge. Diese simple Argumentationskette hier bis zum Ende durchzudenken etwa: Der Staat fördert das Altersvorsorgesparen mit Zulagen, das Ganze heißt Riestern. Und im Prinzip ist Riestern nicht schlecht, nur sind die Kosten oft viel zu hoch. Vor allem Riester-Versicherungsverträge verlangen von den Kunden in der Regel immense Gebühren – und werfen kaum noch Erträge ab.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mittlerweile weiß aber fast jeder halbwegs informierte Anleger: Fondssparen bringt auf lange Sicht sehr viel mehr und ist auch preiswerter. Am günstigsten sind Indexfonds, die kosten fast nichts und bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex wie des Dax exakt nach. Die cleverste Art des Riesterns wäre also...? Genau, Riestern mit Indexfonds, kurz ETF. So weit, so einfach. Es hat aber erstaunliche 14 Jahre gedauert, bis dies in Deutschland tatsächlich möglich war.

          Gut, nun brauchte die Gattung der Indexfonds auch 25 Jahre, sich hierzulande als Anlageinstrument durchzusetzen. Gemessen daran war der erste Riester-ETF noch recht zügig entwickelt. Inzwischen wissen viele: ETF (das Kürzel steht für Exchange Traded Funds) sind keine komplizierten Finanzprodukte, die kein Mensch erklären kann, sondern die einfachste und billigste Art, auf den Aktienindex eines Landes, einer Region oder der ganzen Welt zu setzen. Deshalb sind sie für Langfristsparer ideal – und genau das sind ja viele Riester-Sparer. Seit dem Jahr 2000/2001 haben sich gut 16 Millionen Deutsche einen der staatlich geförderten Verträge zugelegt. Doch knapp 70 Prozent bekamen dazu Versicherungspolicen verkauft, bei denen Verbraucherschützer nicht müde werden, zu betonen, dass sie sich kaum rechnen, wenn der Kunde nicht gerade 100 Jahre alt wird. Kein Wunder also, dass die Begeisterung der Sparer für den Abschluss neuer Verträge zuletzt fast auf null sank.

          Nun will die „Fairriester“-Police den Markt neu aufrollen. Dahinter stecken drei junge Gründer, die das Finanz-Startup-Unternehmen Fairr.de an den Markt gebracht haben. Auf dieser Plattform verkaufen sie – ausschließlich übers Internet – einige Altersvorsorge-Sparprodukte, neben dem Riester-ETF nämlich auch eine Rürup-Rente, einen Vermögenssparplan ohne staatliche Zulagen und eine betriebliche Altersvorsorge. Für den Riester-ETF haben sie sich die Hamburger Privatbank Sutor als Partner gesucht.

          Fondgelder bleiben Eigentum des Sparers

          Die Sutor Bank verwaltet die Gelder der Riester-Kunden, und sie garantiert, dass am Ende der Vertragslaufzeit mindestens das eingezahlte Kapital inklusive der staatlichen Zulagen an den Sparer zurückfließt. So schreiben es die Riester-Regeln vor. Das Institut ist ein sehr kleines mit einer Bilanzsumme von 35 Millionen Euro und 3,1 Millionen Euro Eigenmitteln im Geschäftsjahr 2013. Zudem ist es erst seit 1989 im Investmentgeschäft tätig. Es besteht aber immerhin seit 1921. Und die Riester-Fondsgelder sind überdies Sondervermögen, sie bleiben Eigentum des Sparers, selbst wenn eine verwaltende Bank oder Investmentgesellschaft pleitegehen sollte.

          Anders als man beim Namen Riester-ETF denken könnte, bekommt der Sparer aber nicht nur einen ETF. Die Sutor Bank verteilt das Geld auf verschiedene ETF sowie aktive Fonds des amerikanischen Fonds-Anbieters Dimensional. Insgesamt wird das Geld des Kunden während der Vertragslaufzeit auf 20 Fonds verteilt und zwar nach einem festen Schlüssel je nach Restlaufzeit. Zu Beginn der Sparphase stecken bis zu 83 Prozent in Aktienfonds – allerdings nicht unbedingt in ETF, sondern bis zu 50 Prozent in aktiven Fonds von Dimensional. Später wird sukzessive in Rentenpapiere und Staatsanleihen-ETF umgeschichtet. Allerdings beginnt der Abzug aus den Aktienfonds recht früh: 15 Jahre vor Ablauf des Vertrages stecken bereits 23 Prozent in Staatsanleihen-ETF und mehr als 30 Prozent noch in den Dimensional-Fonds. Fünf Jahre vor Schluss dann sind es sogar 40 Prozent in einem Staatsanleihen-ETF, und gut 43 Prozent in zwei Staatsanleihefonds der Deka.

          Vor allem die hohe Quote an Dimensional-Fonds bedeutet: Diese aktiven Fonds müssen schon erheblich besser laufen als der Gesamtmarkt, damit sie eine Überrendite gegenüber Indexfonds erzielen. In Ratings von Morningstar und Fondsvergleichen schnitten einige Dimensional-Produkte auf lange Sicht eher durchschnittlich ab.

          Keine Provision an Vermittler

          Dafür sind die Kosten des Riester-ETF im Vergleich zur Konkurrenz wirklich klein. Bis zu einem Depotwert von 5000 Euro zwackt Fairr.de insgesamt 1,5 Prozent für Vertrieb und Verwaltung ab, über 10000 Euro Depotwert sind es 0,5 Prozent. Dazu kommen Depotgebühren von 27 Euro pro Jahr. Das bedeutet bei einer Vertragsdauer von 12 Jahren rund 1200 Euro Gesamtkosten. In der Zeit haben Versicherer oft locker 5000 Euro kassiert. Die günstigen Preise kann Fairriester auch bieten, weil die Plattform keine Provisionen an Vermittler zahlt, sondern mit Honorarberatern zusammenarbeitet. Insgesamt ist dieser Riester-Sparplan laut Stiftung Warentest einer der kostengünstigsten am Markt.

          Nicht beziffert wird dagegen, welche Kosten in der sogenannten Verrentungszeit anfallen. Denn das geht bei allen Riester-Produkten später nur über einen Versicherer, in diesem Fall über MyLife. Vor allem in der Auszahlphase langen die Konzerne noch einmal kräftig zu, lautet der Vorwurf an die Branche. Fairr.de wirbt lediglich, dass die garantierte Monatsrente pro angesparter 10000 Euro 30,84 Euro beträgt. Mit Überschüssen könnten es 42 Euro sein. Wer es also schafft, dank ETF 100.000 Euro anzusammeln, bekäme 300 bis 400 Euro Monatsrente. Laut Beispielrechnung soll das mit einer Sparrate von 100 Euro monatlich in 30 Jahren klappen.

          Wie einfach das tatsächlich ist, müssen also in den kommenden Jahren die Kapitalmärkte dieser Welt beweisen. Mal sehen, wie lange Einfaches und Wunder diesmal dauern.

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