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Geldanlage : Im Ausland bringt Tagesgeld noch Zinsen

Bild: dpa

In Deutschland sind die Zinsen praktisch abgeschafft. Im Ausland gibt es sie dagegen noch. Doch die Anleger sollten dabei nicht nur die Prozente, sondern auch die Risiken im Blick haben.

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          Für alle Freunde des Tagesgeldkontos war der März dieses Jahres ein ausgesprochen unerfreulicher Monat: Da hat nämlich die ING-Diba, lange ein Garant relativ stabiler Zinsen, den Zinssatz für ihr Tagesgeldkonto für Neukunden auf ein Prozent gesenkt, für Bestandskunden sogar auf 0,6 Prozent. „Eine weitere Zinssenkung ist so schnell nicht in Sicht“, heißt es jetzt zwar bei der Bank. Trotzdem: Wenn man davon noch Steuern abzieht, bleibt am Jahresende kaum etwas übrig.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein Wunder, dass viele Sparer inzwischen auf die Zinssätze schielen, mit denen ausländische Banken auch hierzulande um Kunden werben. Immerhin kommen die ersten vier in den einschlägigen Tagesgeldtabellen, bei deren Namen keiner auf ein deutsches Kreditinstitut hindeutet, noch auf mehr als ein Prozent Zinsen im Jahr. 1,1 Prozent bieten die französische Renault Bank und die österreichische Tochtergesellschaft der russischen Sberbank, 1,05 Prozent die niederländische Bank Moneyou und 1,01 Prozent die luxemburgische Bank Advanzia.

          Und bei den Angeboten für Festgeld (ein Jahr) locken Banken wie die bulgarische Fibank sogar mit 2,1 Prozent, der portugiesische Novo Banco mit 2,0 Prozent und die tschechische J & T Banka mit immerhin 1,8 Prozent im Jahr.

          „Wer Sicherheit will, kauft Bundesanleihen, zahlt aber drauf“

          Was ist davon zu halten? „Wer Sicherheit will, kauft Bundesanleihen, zahlt aber drauf“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. „Wer mehr Zinsen will, muss ein Risiko eingehen - sollte aber prüfen, ob er damit noch ruhig schlafen kann.“

          Hinsichtlich des Risikos kann man drei Gruppen von ausländischen Banken unterscheiden, die alle mit höheren Zinsen werben: erstens Banken aus europäischen Nachbarländern innerhalb der Eurozone. Wie die Renault Bank, die der französischen Einlagensicherung unterliegt. Auch dort ist nicht ausgeschlossen, dass die Bank irgendwann pleitegeht. Zumindest ist es aber relativ unwahrscheinlich, dass die Sicherungssysteme des Landes dann ausfallen würden.

          Zweitens Banken von außerhalb der Europäischen Union, die aber ihr Europa-Geschäft über eine Tochtergesellschaft innerhalb der EU betreiben. Hierzu gehören etwa die russischen Banken Sberbank, VTB Direktbank und Denizbank (früher türkisch), die über Tochtergesellschaften in Österreich operieren. Bei ihnen ist unklar, ob die Sanktionen gegen Russland irgendwann zu einem Problem auch für Sparer bei den österreichischen Tochtergesellschaften werden könnten. Allerdings fallen auch sie unter die EU-Einlagensicherung. Auch in Österreich werden Einlagen bis 100 000 Euro garantiert; auch wenn das System umgebaut wird. Der Staat will dort künftig keine Garantie für die Einlagen mehr abgeben, sondern die Banken zwingen, selbst für die Einlagensicherung zu sorgen.

          Die dritte Gruppe von Banken, die gerade kräftig wirbt, sind solche, deren Land zwar zur EU, nicht aber zur Eurozone gehört. Ein Beispiel ist die bulgarische Fibank. Die Währung in Bulgarien heißt Lew und ist per Gesetz an den Euro gekoppelt. Deutsche Privatanleger können dort nicht ohne weiteres direkt investieren, deshalb bieten Vermittler wie die Internetplattform Weltsparen.de an, das für einen zu tun. In die Vergleichstabellen fürs Festgeld etwa der FMH-Finanzberatung im Internet wurden diese Angebote mittlerweile aufgenommen, anders als Angebote von Banken aus Ländern mit einem echten Währungsrisiko.

          Herbst beschreibt das Risiko, das er für Anlagen bei Banken wie der Fibank sieht, so: Es sei möglich, dass es in solchen Ländern immer wieder zu Bankenkrisen komme, wie in Bulgarien im vorigen Jahr. Allerdings müssten alle EU-Länder Spareinlagen bis 100 000 Euro garantieren. Und in ernsten Krisen springe möglicherweise die EU ein, wie in Bulgarien im vorigen Jahr geschehen. Allerdings gibt es im Falle der Insolvenz der Bank ein Währungsrisiko: Normalerweise ist vereinbart, dass der Sparer sein Geld in Euro dort anlegt und später in Euro zurückbekommt. Nur im Fall der Insolvenz der Bank kann eine Entschädigung in der Landeswährung erfolgen, die wiederum bei einer größeren Bankenkrise trotz der Bindung an den Euro abwerten könnte.

          „Ich würde mir immer das Land angucken, in dem die Bank liegt, und weniger die Bank selbst“, sagt Herbst. Welcher Privatanleger könne denn etwas damit anfangen, wenn eine Bank ein Rating von „BB-“ hat? „Selbst die Experten haben ja nicht vorhergesehen, dass Lehman Brothers pleitegehen würde.“ Sinnvoller sei es, die Einlagensicherung des Landes zu prüfen und danach zu entscheiden. Die EU-Einlagensicherung sei da schon ein guter Maßstab.

          Deutlich kritischer sind da die Verbraucherzentralen. „Anders als Weltsparen das suggeriert, gibt es nicht die eine Einlagensicherung in der EU mit gleich hoher Sicherheit für jeden Anleger“, warnt Niels Nauhauser, Bankenexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Bei der Einlagensicherung handelt es sich im Grunde um eine Garantieerklärung von privaten Anbietern in einer Höhe, die nicht mit entsprechenden Sicherheiten hinterlegt ist.“ Dieses Problem sei noch immer ungelöst. Im Fall einer größeren Pleite könne nur das Steueraufkommen eines finanzkräftigen Staates zusammen mit dem politischen Willen die Einlagen bis zu einer gewissen Höhe garantieren, meint Nauhauser. „Die Finanzkraft der Staaten unterscheidet sich in der EU aber ganz erheblich - und ob politischer Wille vorhanden sein wird, ausländische Anleger zu entschädigen, wird sich zeigen.“

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