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Geldanlage : Ein Hoch auf die Erbsenzähler

Wer das Zehntelprozent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert. Bild: dpa

Kleine Zahl, große Wirkung: Warum es sich lohnt, um jedes Zehntelprozent zu kämpfen.

          Stolze 7,5 Prozent Rendite im Jahr, da jubeln die Anleger. Und greifen gerne zu, wenn ihnen ihr Bankberater so viel bietet. Dafür bekommen sie dann vermutlich einen ganz normalen Aktienfonds, die werfen so viel Rendite ab. Niemand würde dann noch Aufwand betreiben, um einen Fonds zu finden, der vielleicht noch 0,3 Prozentpunkte weniger Gebühren kostet. Doch das ist eine teure Faulheit.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn 0,3 Prozentpunkte können es in sich haben. Angenommen, der Anleger kauft für 10.000 Euro Fondsanteile und spart sie als Altersvorsorge. Er hätte bei einer Verzinsung nach Kosten von 7,5 Prozent nach 30 Jahren 87.500 Euro angesammelt. Hätte er aber den billigeren Fonds gekauft und deswegen 7,8 Prozent im Jahr erzielt, hätte er 95.200 Euro gespart. Ein bisschen Aufwand hätte ihm also fast 8000 Euro mehr eingebracht – ein hübsches Sümmchen. Genau dieser Effekt ist auch ein Grund für die Attraktivität von Indexfonds, die den Dax oder andere Indizes genau abbilden. Sie gibt es schon für 0,1 oder 0,2 Prozent Gebühren im Jahr. Das ist wenig im Vergleich zu normalen Aktienfonds, die 1 bis 1,5 Prozent verlangen. Der Kostenunterschied kann sich bei langer Anlagedauer ebenfalls auf Tausende Euro belaufen.

          Doch so weit denkt der Mensch meist nicht. Den hohen Wert von 0,3 Prozentpunkten oder gar von einem Prozentpunkt Gebührenvorteil oder Mehrrendite bemerkt er nicht. Stattdessen studiert er Prospekte, wo das Fleisch 50 Cent weniger kostet und fährt sogar zu einem weiter entfernt liegenden Supermarkt, weil dort die Butter 30 Cent günstiger zu haben ist.

          Die unterschiedliche Wahrnehmung beobachtet man nicht nur beim Kauf von Fonds. Auch wer eine Immobilie erwirbt, ist glücklich, dass der Kredit schon für weniger als drei Prozent bereitgestellt wird. Welch Freude angesichts von sieben oder acht Prozent noch vor ein paar Jahren. Ob der Kredit dann 2,8 oder 2,5 Prozent kostet, ist den meisten egal. Doch auch hier machen 0,3 Prozentpunkte einen riesigen Unterschied. Wer zum Beispiel ein Darlehen von 400.000 Euro finanziert, hat nach 20 Jahren abstottern rund 13.000 Euro weniger Zinsen zu zahlen, wenn er den Kredit für 2,5 statt für 2,8 Prozent wählt. Nicht ganz so dramatisch sind die Unterschiede bei der Finanzierung eines Autos. Da machen 0,3 Prozentpunkte aber immerhin ein paar hundert Euro Differenz aus.

          Gerade über lange Zeiträume unterschätzt man den Effekt kleiner Beträge

          Unterschätzt wird die Wirkung kleiner Zahlen auch außerhalb von Kredit und Geldanlage. Etwa in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Zusatzbeitrag beträgt im Schnitt 1,1 Prozent, die billigste bundesweit aktive Kasse HKK verlangt aber nur 0,59 Prozent. Diese läppischen 0,51 Prozentpunkte Unterschied summieren sich schon für leicht überdurchschnittlich Verdienende (mehr als 52.200 Euro im Jahr) auf 266 Euro Ersparnis im Jahr. Wer von der teuersten Kasse zu diesem günstigen Anbieter wechselt, zahlt sogar 1,2 Prozentpunkte oder bis zu 630 Euro weniger.

          Ähnliches gilt für den Strom. Wer sich die Mühe macht, einen Anbieter zu suchen, der nur 25 statt 30 Cent je Kilowattstunde verlangt, kann ebenfalls mehr als hundert Euro im Jahr sparen: genau 250 Euro für einen 4-Personen-Haushalt, der im Schnitt 5000 Kilowattstunden verbraucht. Und beim Handy- oder Internetvertrag ergibt eine Monatsgebühr von 25 statt 30 Euro bei der üblichen Vertragslaufzeit von 24 Monaten immerhin noch 120 Euro mehr im Geldbeutel.

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