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Geldanlage 2016 : Kein Geld mehr verbrennen

Außerdem wird die EZB die ersten Anzeichen eines nennenswerten Wirtschaftsaufschwungs nicht gleich wieder mit einer Zinswende abwürgen wollen. Die Bedingungen für Schuldner dürften damit weiter günstig bleiben. Doch sollten die Finanzierungskosten immer nur ein Teil von Anlageentscheidungen sein, nicht aber über sie bestimmen. Die EZB und die Banken bekommen dies seit Jahren zu spüren. Der erhoffte Investitionsschub von Unternehmen wurde durch die niedrigen Zinsen bislang jedenfalls nicht ausgelöst. Was nutzt eine günstig finanzierte Produktionsstätte, wenn sie nicht ausgelastet ist?

Geld auf dem Sparbuch ist kein Fehler

Zu einem Eigenheim sollten Privatanleger daher auch nur greifen, wenn sie das ohnehin vorhatten und nicht weil die Zinsen niedrig sind. Eile ist nicht geboten. Natürlich können sich Zinssätze ändern, und sie können auch steigen. Der Kauf einer Immobilie ist jedoch für die meisten Privatleute die größte Investition ihres Lebens, die sie über viele Jahre oder Jahrzehnte finanziell bindet. Ein hastig abgeschlossener Kauf einer Schrottimmobilie am falschen Standort zu überhöhten Preisen wiegt viel schwerer, als wenn während einer längeren Phase des Überlegens und Suchens der Finanzierungszins um ein paar Zehntelprozentpunkte steigt. Dies ist indes nicht in Sicht. Der Zinstrend zeigt seit Juli wieder nach unten. Die Tiefs aus dem April und Mai 2015 sind aber noch nicht wieder erreicht. Historisch ist das Zinsniveau aber weiter außergewöhnlich günstig.

Wer diese Finanzierungsvorteile für die Immobilienbranche nutzen will, ohne sich gleich selbst ein Haus zuzulegen, der kann auch mit wesentlich weniger Risiko die Aktien von Immobiliengesellschaften kaufen oder in offene Immobilienfonds investieren. Sie bieten eine wesentlich breitere Streuung des Vermögens als der Kauf einer einzigen Wohnung oder eines einzigen Hauses, auf dem dann die gesamte Altersvorsorge basiert. Außerdem sind die Kaufnebenkosten insbesondere bei Aktien weit günstiger als bei einer eigenen Immobilie, bei der Grunderwerbssteuer, Makler und Notar bezahlt werden wollen. Bei offenen Immobilienfonds sollten Anleger nach Angeboten Ausschau halten, die möglichst einen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag bieten.

Geld auf dem Sparbuch, dem Tagesgeld- oder Girokonto liegen zu haben ist indes sicherlich kein Fehler. Für eine Autoreparatur oder den Jahresurlaub sollte nicht extra eine Aktie oder ein Immobilienfonds verkauft werden müssen. Im Durchschnitt hat jeder Deutsche aber mehr als 25 000 Euro quasi zinslos auf der hohen Kante. Viele Millionen Deutsche haben zwar auch gar keine oder nur eine geringe Ersparnis, weil das Geldvermögen ungleich verteilt ist. Aber wer etwas hat, dem sollten zwei bis drei Nettogehälter als Rücklage auf dem Konto reichen.

Dass der Kapitalmarkt nur etwas für Reiche ist, bleibt ein hartnäckiger Irrglauben. Die teuerste Aktie im Dax ist mit knapp 230 Euro je Stück Continental. Aktien von Eon und Commerzbank sind schon für weniger als 10 Euro zu haben. Auch Fondsanteile sind für wenige Euro für jedermann erschwinglich. Dazu kommen je nach Institut Bankgebühren und je nach Börse Börsengebühren. Es muss also mitnichten so sein, dass von der Geldpolitik der EZB nur die reichsten zehn Prozent profitieren. Das zu ändern, hat jeder Sparer selbst in der Hand.

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