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Geldanlage : Mit Amerika gewinnen

Amerikas Comeback: Wirtschaftsanalysten schauen in eine rosige Zukunft Bild: dpa

Die Amerikaner haben es besser: Die Wirtschaft wächst schneller, die Zinsen sind höher, der Dollar stärker. Noch Fragen?

          3 Min.

          Der Auftakt war schon einmal gut. Am Mittwoch legte der amerikanische Aluminiumkonzern Alcoa überraschend gute Zahlen zum dritten Quartal vor. Das macht Hoffnung auf eine überzeugende Quartalsberichtssaison, die traditionell mit Alcoa beginnt. Nächste Woche werden die großen Banken ihre Zahlen vorlegen. Sie dürften den positiven Trend bestätigen: Es geht aufwärts in Amerika.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies hebt sich auffallend stark von der aktuellen Entwicklung in Deutschland, Europa und manchen Schwellenländern wie Brasilien ab, wo das Wachstum einbricht oder die Wirtschaft sogar schrumpft. Die Vereinigten Staaten dürften hingegen im dritten Quartal um mehr als drei Prozent gewachsen sein. Auch für 2015 werden ähnliche Zuwachsraten erwartet. Dass immer weniger Dollar für einen Euro bezahlt werden müssen, ist ein Ausdruck dieser Stärke.

          Amerika profitiert von niedrigen Energiepreisen als Folge des Abbaus von Schieferöl, was der Industrie hilft und Eisenbahnfirmen wie Union Pacific viele zusätzliche Öltransporte einbringt. Es hat keine Euro-Krise zu bewältigen wie die Europäer. Und seine Banken haben sich rascher mit frischem Kapital versorgt und sind damit kraftvoller aufgestellt als die europäischen Konkurrenten. Mit steigendem Kreditvolumen, vielen Börsengängen und Übernahmen verdienen sie derzeit gutes Geld. Zudem machen die sinkende Arbeitslosigkeit, die Erholung der Hauspreise und niedrigere Benzinpreise die Amerikaner konsumfreudiger. Der Konsum steht für zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung.

          Zinserhöhungen würden Wirtschaft nicht belasten

          Eine Studie von EY (ehemals Ernst & Young) liefert weitere Argumente für Amerika. Das Umsatzwachstum der untersuchten Firmen sei höher als in Europa, die Gewinnmarge größer und der Vorsprung in der digitalen Wirtschaft enorm. Nur in der Autobranche lägen die Europäer vorne. Hinzu kommt: Der Trend ist positiv in Amerika, aber negativ in Europa. Während die Analysten die Gewinnerwartungen für zwei Drittel der Dax-Firmen reduzieren, erhöhen sie sie für mehr als die Hälfte der amerikanischen Unternehmen. Und wenn in Europa mal die Gewinne steigen, dann häufig nur durch Kostensenkungen, in Amerika aber durch mehr Geschäft, abzulesen in Umsatzzuwächsen.

          All das lässt Anleger derzeit verstärkt nach Übersee blicken. Die Sorge vor Zinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank, die für Mitte 2015 erwartet werden, tritt in den Hintergrund. „Neue Details dazu dürften die Kurse in den kommenden Monaten immer mal wieder belasten. Das wären dann aber eher gute Kaufzeitpunkte, denn die Wirtschaft ernsthaft eintrüben werden die Anhebungen nicht“, erwartet Nadine König, Fondsmanagerin der Union Investment.

          Interessant sind nicht nur die volkswirtschaftlichen Aussichten für das Land. „Bei vielen Aktien locken auch steigende Dividenden und Aktienrückkäufe, die die Kurse nach oben treiben“, sagt Christian Preussner von JP Morgan Asset Management in London. Er setzt vor allem auf die Aktien großer Firmen, weil sie günstiger sind als die kleinen Werte, die schon Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von mehr als 20 aufweisen. Er bevorzugt Medienwerte, Finanztitel und zyklische Konsumgüter. Unter den größten Positionen seines Hauses befinden sich zum Beispiel Time Warner, die Bank Wells Fargo und die Baumarktkette Home Depot.

          Im Bereich Konsum empfehlen viele Analysten Amazon, manche Starbucks, aber nicht Walmart – die Firma habe den Trend zum Online-Handel verschlafen. Und die Analysten setzen auf Gesundheitstitel, die von der Gesundheitsreform der Regierung profitieren. Sie hat vielen Millionen Bürgern erstmals einen Versicherungsschutz ermöglicht. Dadurch steigt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und mit ihr die Aktienkurse von Krankenhausbetreibern und Medizintechnikherstellern.

          Nur Exportunternehmen favorisiert keiner der professionellen Anleger. Zum einen, weil die Exportmärkte (vor allem Europa) wenig nachfragen. Das war der Hauptgrund, warum die Aktienkurse in der vergangenen Woche auch an der Wall Street einbrachen. Zum anderen, weil der starke Dollar amerikanische Produkte teurer und damit weniger wettbewerbsfähig macht. „In der laufenden Berichtssaison wird sehr wichtig sein, welche Währungsbelastungen die Unternehmen im vierten Quartal erwarten. Im dritten Quartal werden die wenigsten schon den starken Dollar gespürt haben“, sagt Sebastian Werner von der Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank.

          Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Dollar noch stärker wird. Sie rechnen im Durchschnitt damit, dass für einen Euro im kommenden Jahr nur noch 1,22 Dollar bezahlt werden müssen und damit der Tiefstand erreicht ist. Derzeit sind es 1,26 Euro. Große Pessimisten wie die Investmentbank Goldman Sachs sehen 2017 sogar die Parität, also einen Kurs von einem Dollar für einen Euro.

          Das würde deutschen Anlegern in Amerika Währungsgewinne bescheren. Und zwar nicht nur denen, die auf Aktien setzen. Sondern auch denen, die Rohstoffe kaufen oder amerikanische Anleihen. Die bieten für zehn Jahre immerhin 2,3 Prozent Zins. Bundesanleihen werfen gerade noch mickrige 0,8 Prozent ab.

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