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Kapitalanlage Ferien-Immobilie : Sylt ist teuer, Rügen beliebt

Immer mehr Käufer sehen Ferienhäuser als einträgliche Geldanlagen. Besonders beliebt sind Immobilien an der deutschen Meeresküste - wie auf Rügen. Bild: ZB

Ferienimmobilien sind längst mehr als Liebhaberobjekte. Immer mehr Käufer sehen sie als Geldanlage. Vor allem die deutschen Meeresküsten locken.

          Das 150 Jahre alte Anwesen liegt fußläufig zum Meer, 250 Quadratmeter Wohnfläche unter Reet, modern ausgebaut. Und natürlich gibt es auch eine Doppelgarage und genügend Stellplätze auf dem knapp 3000 Quadratmeter großen Grundstück, verspricht das Makler-Exposé. Angeboten wird das Haus für knapp 750.000 Euro - kein Schnäppchen, aber dennoch: „Auf Sylt würde das gleiche Objekt 15 Millionen Euro kosten“, sagt Björn Dahler, Geschäftsführer des Maklerhauses Dahler&Company. Es steht zwar auch an der Nordsee, aber eben nicht auf Deutschlands Promi-Insel, sondern auf der Halbinsel Eiderstedt, in der Nähe von Husum.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Diskrepanz zeigt, dass der Wert von Ferienhäusern mittlerweile von den gleichen Kriterien bestimmt wird wie bei allen anderen Immobilien auch: Entscheidend sind vor allem Standort und Lage. Denn während das Haus am Strand oder die Hütte in den Bergen bis vor einigen Jahren vor allem Liebhaberobjekte waren, in denen der Besitzer selbst seinen Urlaub verbrachte, hat sich diese Wahrnehmung gewandelt. Nun nennen Käufer die Kapitalanlage als wichtigsten Grund, warum sie sich für eine Ferienimmobilie entscheiden. Und wenn der Renditeaspekt in den Vordergrund rückt, spielt es eine größere Rolle, dass die Immobilie wertstabil ist und sich gut vermieten lässt - und das ist wiederum dann am ehesten gegeben, wenn sie sich an einem begehrten Urlaubsort, am besten in Strandnähe oder mit Alpenblick, befindet.

          Kaufpreise von Immobilien in guter Lage auf Sylt in der Übersicht.

          „Käufer von Ferienimmobilien wägen heute viel stärker ab, ob sich die Investition lohnt. Sie kaufen nicht mehr zwangsläufig dort, wo sie selbst am liebsten Urlaub machen, sondern dort, wo es sich am besten vermieten lässt“, sagt Tobias Wann, Geschäftsführer des Ferienhausvermieters Fewo direkt.

          Diese Entwicklung hat auch Makler Dahler beobachtet. Als Wendepunkt bezeichnet er den Ausbruch der Finanzkrise, als Anleger auf der Suche nach Sicherheit auf die Immobilienmärkte drängten und dabei auch auf den Markt für Ferienhäuser und Ferienwohnungen. Zudem gab es eine Rückbesinnung auf die heimischen Urlaubsregionen. „Der starke Einbruch auf dem spanischen Immobilienmarkt hat viele Investoren verunsichert“, sagt Dahler. Zwar hätten sich der spanische und auch der griechische Immobilienmarkt wieder erholt. Deutsche Ferienregionen seien aber weiter sehr beliebt. Mehr als die Hälfte aller Ferienhäuser, die Deutsche besitzen, liegen auch in Deutschland. Denn abseits der erhofften Wertstabilität bietet das eigene Land auch noch weitere Vorteile für den Besitzer: Das Rechtssystem ist bekannt, und der Kauf lässt deutlich weniger Fallstricke erwarten als in einem fremden Land, dessen Sprache der Käufer vielleicht noch nicht einmal beherrscht. Zudem sind die Objekte in der Regel gut erreichbar und lassen sich, wenn die Lage stimmt, gut vermieten.

          Nach Angaben des Maklerverbandes IVD rechnet sich eine Ferienimmobilie, wenn sie 17 Wochen im Jahr ausgebucht ist. Dann übersteigen die Einnahmen im Schnitt die Kosten für Unterhalt, Kredit und Tilgung. Nach Angaben von Tobias Wann sind die über Fewo direkt angebotenen Immobilien durchschnittlich 23 Wochen im Jahr vermietet, in begehrten Lagen an den deutschen Meeresküsten könnten es durchaus auch schon einmal 30 Wochen sein. Die Bruttorenditen liegen nach Angaben von Wann bei knapp 8 Prozent. Je nach Höhe der Kosten ist eine Eigenkapitalrendite von bis zu 4 Prozent möglich.

          Schmale Renditen durch gestiegene Hauspreise

          Doch auch auf diesem Markt seien die Renditen zunehmend unter Druck, weil die Hauspreise schon so stark gestiegen seien, hat Björn Dahler beobachtet. Denn wie auf den Wohnimmobilienmärkten der Metropolen sind auch bei den Ferienhäusern die Mieterwartungen nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Kaufpreise. Allerdings hält das nach Dahlers Erfahrung viele Leute nicht davon ab, zuzuschlagen. „Der Spaßfaktor, also die Möglichkeit, das Haus auch selbst im Urlaub zu nutzen, gleicht den Schmerz über die schmale Rendite oft aus.“

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