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Finanzmarktkrise : Europäer haben viel Vermögen verloren

Rot eingehüllte EZB: Die Finanzmarktkrise hat die Menschen ärmer gemacht. Bild: Marc-Steffen Unger

Das Haushaltsvermögen in Europa ist zwischen 2010 und 2014 um zehn Prozent gesunken. Schuld sind vor allem fallende Häuserpreise. In Deutschland ist das allerdings anders.

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          Die mittleren Vermögenswerte sind in Europa in den Jahren 2010 bis 2014 deutlich gesunken. Das zeigt eine große Haushaltsbefragung der Europäischen Zentralbank in zwanzig EU-Ländern. Demnach sank das mittlere Haushaltsvermögen (Median) von 2010 bis 2014 um 10 Prozent. Grund dafür seien vor allem gesunkene Immobilienpreise gewesen, teilte die Zentralbank mit. Der Median-Haushalt ist jener, der die Gesamtbevölkerung in zwei Hälften teilt: eine ärmere und eine reichere. Sein Wert wird durch extrem hohe Ausreißer nicht beeinflusst.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Median-Haushalt hatte nach den neuen Angaben 2014 ein Nettovermögen von 104.100 Euro. Darin sind Finanzvermögen sowie Immobilien enthalten abzüglich Schulden und Hypotheken. Zum reichsten Zehntel der Bevölkerung zählen Haushalte, die mehr als 496.000 Euro Vermögen besitzen. An der zweiten Welle der Befragung, die von den Notenbanken ausgewertet wurde, haben sich rund 84.000 Haushalte beteiligt.

          Abermals zeigen sich sehr große und teils überraschende Unterschiede zwischen den Ländern. Sehr niedrig erscheint das Vermögen der deutschen Haushalte. Der Median liegt nur bei 60.800 Euro. Das ist nur knapp mehr als in Polen mit 57.100 Euro. Griechen liegen mit einem Median von 65.000 Euro davor. Sehr viel vermögender sind die mittleren Haushalte in Frankreich (113.300 Euro), in Italien (146.200 Euro), in Spanien (159.600 Euro) und in Belgien (217.900 Euro). Deutlich weniger Vermögen haben Balten und Osteuropäer. Die wohlhabendsten Osteuropäer sind Slowenen mit einem mittleren Vermögen von 80.400 Euro.

          Mittlere Vermögen in Deutschland relativ klein

          In der ersten Welle der EZB-Vermögensstudie, die vor vier Jahren auf dem Höhepunkt der Euro-Krise veröffentlicht wurde, hatten solche Unterschiede für Aufsehen gesorgt, weil gefragt wurde, warum die relativ wenig vermögenden Deutschen im Zuge der Euro-Rettung für Hilfskredite für relativ vermögende Südeuropäer haften sollten. Die EZB relativierte damals die Ergebnisse ihrer Studie. Sie verwies darauf, dass die Größe der Haushalte unterschiedlich ist: In Deutschland verteilt sich das Haushaltsvermögen auf durchschnittlich etwas weniger als zwei Köpfe, in südeuropäischen Ländern sind Haushalte größer. Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies darauf, dass gesetzliche Rentenansprüche in Deutschland eine große Rolle spielten, die in der Befragung nicht erfasst werden. Einige Fachleute hielten diesen Einwand für nicht gerechtfertigt.

          Das Bild der Vermögensverteilung in Europa ändert sich etwas, wenn man auf die durchschnittlichen Werte in den einzelnen Ländern blickt. Der Durchschnittswert der Vermögen, der von ganz großen Vermögen nach oben gezogen wird, liegt in Deutschland bei 214.300 Euro. Der große Abstand zum Median zeigt, dass die Vermögensungleichheit beträchtlich ist. Fachleute verweisen auf die großen Ost-West-Unterschiede auch ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Wiedervereinigung. Der deutsche Durchschnittswert liegt weit vor Griechenland (104.200 Euro), aber hinter Italien (226.400 Euro), Frankreich (243.100 Euro) und Spanien (273.600 Euro). Nach den EZB-Zahlen besaßen deutsche Haushalte 2014 im Durchschnitt 53.800 Euro Finanzvermögen, also Sparkonten, Anleihen, Aktien oder Lebensversicherungen. Hinzu kamen Immobilienvermögen von durchschnittlich 186.200 Euro Wert. Davon abzuziehen sind durchschnittlich 25.700 Euro Schulden, etwa Hypothekenkredite.

          Anders als in vielen anderen Ländern sind die deutschen Immobilienvermögen im betrachteten Zeitraum nicht gesunken, sondern wertvoller geworden. Seit 2013 und 2014 sind die Immobilienwerte in den meisten europäischen Ländern wieder gestiegen.

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