https://www.faz.net/-gv6-8jdaf

Tagesgeld-Konditionen : Ein Wechsel der Bank kann sich immer noch lohnen

Neue Zinswelt: Die Türme der Banken in Frankfurt unterscheiden sich deutlicher voneinander als ihre Zinsen. Bild: AFP

Die Zinsunterschiede für Tagesgeld werden immer kleiner. Der Lohn für den Wechsel der Bank damit auch. Viele Kunden wollen aber auch ein Zeichen setzen.

          Schon seit einiger Zeit bekommen Anleger kaum noch Zinsen für ihr Geld bei der Bank - sei es auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto. Auch die wenigen Kreditinstitute, die ihren Kunden bis vor kurzem noch einen halbwegs attraktiven Zinssatz geboten haben, drehen den Geldhahn immer weiter zu.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dazu gehören in Deutschland zum Beispiel die Volkswagen Bank oder der Marktführer, die Direktbank ING Diba. Diese Institute zahlen ihren bisherigen Kunden inzwischen nur noch einen Zinssatz von 0,3 Prozent beziehungsweise 0,35 Prozent. Höhere Zinsen bieten vor allem solche Kreditinstitute, deren Namen viele Anleger zuvor meist noch nie gehört hatten. Kann man ihnen vertrauen, fragen sich denn auch sicherlich nicht wenige.

          Die Unterschiede zwischen den einzelnen Zinsangeboten sind mit der Zeit immer geringer geworden. Aktuell reichen die Angebote für Tagesgeld von einer Verzinsung von null Prozent bis hin zu rund einem Prozent. Vor allem viele Sparkassen und Volksbanken gehören zu den Geldhäusern, die ihren Kunden gar keinen Zins mehr zahlen. Inzwischen wird selbst schon über negative Zinsen auf angelegtes Geld gesprochen, und sei es bisher nur für Firmenkunden.

          Da stellt sich schon die Frage, ob sich ein Wechsel der Bank überhaupt noch lohnt? Ist er nicht viel zu aufwendig mitsamt der Eröffnung eines neuen Kontos, nur weil das neue Kreditinstitut derzeit einen etwas höheren Zins für Tagesgeld bietet? Nur um auch noch das letzte Quäntchen an Zinsen zu ergattern? Und in ein, zwei oder drei Monaten werden auch hier die Zinsen wieder gesenkt? Zudem gelten die meisten Lockangebote ausschließlich für Neukunden und auch für sie nur wenige Monate. So zahlt die Volkswagen Bank derzeit einen Tagesgeldzinssatz von 1,1 Prozent für neue Kunden für höchstens 100000 Euro - und das nur vier Monate lang. Bei der ING Diba ist es für die gleiche Zeit ein Zinssatz von 1 Prozent.

          Nehmen wir einmal an, ein Anleger hat 10.000 Euro, die er als Tagesgeld anlegen möchte. Und nehmen wir zudem der Einfachheit halber an, er bekommt bei seinem alten Kreditinstitut tatsächlich bisher einen Zinssatz von inzwischen null Prozent. Da die Inflationsrate in Deutschland nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Mai rund 0,3 Prozent betrug, wird das Geld bei seiner alten Bank immerhin kaum weniger wert. Aber ein bisschen eben doch. Der Staat jedenfalls bekommt keine Steuern mehr von dem nichtvorhandenen Zinsertrag.

          Vielen Kunden geht es einfach um das Prinzip

          Dieser Anleger hat nun ein Kreditinstitut entdeckt, bei dem er 1 Prozent Zinsen für sein Tagesgeld erhält. Nach Adam Riese macht das in einem Jahr 100 Euro an Zinsen, die er dort mehr erhält als bisher. Immerhin ein schönes Abendessen zu zweit oder eine neue Jacke. Doch wirklich viel ist das nicht. Bekommt er dies wie bei der ING Diba nur für vier Monate, dann sieht die Rechnung schon wieder anders aus. Für die ersten vier Monate gibt es dann 33 Euro Zinsen. Dann sinkt der Zins auf 0,35 Prozent. Im ersten Jahr kommen so immerhin in der Summe 56 Euro zusammen. Im zweiten Jahr sind es ohne das anfängliche Lockangebot noch 35 Euro - solange die ING-Diba die Zinsen nicht weiter senkt.

          Zwar ist es inzwischen wesentlich leichter geworden, ein neues Konto zu eröffnen. Aber einen gewissen Aufwand bringt es doch mit sich. Man muss nicht mehr in eine Bankfiliale gehen, denn die meisten der zumindest relativ attraktiveren Angebote stammen ohnehin von Direktbanken, die ihr Geschäft ausschließlich über das Internet betreiben. Auch ist es in vielen Fällen obsolet geworden, eine Postfiliale aufzusuchen, um sich dort auszuweisen und am Postidentverfahren teilzunehmen. Denn inzwischen können Kunden häufig auch schon mit ihrem Handy und über ein Video-Verfahren eine neues Konto eröffnen.

          Doch vielen Kunden geht es einfach um das Prinzip. Sie ärgern sich über die Banken und ihre mageren Zinsen oder die jüngst vermehrt eingeführten oder erhöhten Gebühren. Sie wollen ein Zeichen setzen.

          Eine Anlage an der Börse mit riskanteren, aber eben auch chancenreicheren Aktien ist für viele keine Alternative. Zudem sollte der Mix im eigenen Portfolio stimmen, um nicht alles auf eine Karte zu setzen. Und manches Geld muss eben auch rasch verfügbar sein, wenn die Waschmaschine oder das Auto doch mal plötzlich ihren Geist aufgeben. Hierfür ist ein Tagesgeld schon keine schlechte Wahl.

          Für den Fall der Fälle sollten Anleger gleichwohl unbedingt darauf achten, wie sicher ihre Einlagen bei der neuen Bank sind. Denn ohne einen Schutz der Einlagen ist ein höherer Zins ein gefährliches Spiel. Im schlimmsten Fall sind die Einlagen bei einer Insolvenz des Kreditinstituts verloren. In Europa gilt der gesetzliche Einlagenschutz von 100000 Euro. Doch wenn es einmal zu einem Ausfall kommen sollte, dauert es, bis man an sein Geld kommt, und es kann zudem einigen Aufwand und Ärger mit sich bringen. Dies dürfte vor allem gelten, wenn man das Geld nicht hierzulande angelegt hatte. Vielleicht ist es dann letztlich doch besser, sich in seinem Sessel auszuruhen und den Abend mit einem guten Buch zu verbringen. Und dies, möglichst ohne sich über die Bank und ihren nicht vorhandenen Zins zu ärgern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.