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Aktienmarkt : Dividende für alle

Dividendenaktien sind also eine ziemlich sichere Angelegenheit, sofern die Weltwirtschaft sich einigermaßen gut entwickelt. Dass sich solche Aktien darüberhinaus für die Anleger auch richtig lohnen können, zeigt der Blick auf zwei Zahlen. Da ist zum einen die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die zurzeit bei kümmerlichen 0,4 Prozent liegt. Im Gegensatz dazu beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Konzerne (sie setzt die Höhe der geplanten Ausschüttung ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs des Unternehmens) derzeit 2,7 Prozent. Für europäische Aktien sind es gar 3,5 Prozent. Ein himmelweiter Unterschied zu Bundesanleihen.

Welche Dividendenaktie kaufen?

Natürlich lassen sich Aktien und Anleihen nicht ohne weiteres gleichsetzen: Die Aktienkurse können stark sinken und dann nutzt auch die so schön errechnete Dividendenrendite nicht mehr viel. Trotzdem erscheint besonders in Europa der Kauf dividendenstarker Aktien sinnvoll. Denn solche Aktien machen typischerweise nur dann dauerhaft Verluste, wenn gleichzeitig die Zinsen für Anleihen deutlich steigen – die Aktien verlieren dann ihre Funktion als eine Art Anleiheersatz. Mit stark steigenden Zinsen ist aber in Europa überhaupt nicht zu rechnen, das hat die Europäische Zentralbank bei ihrer Ratssitzung in der vergangenen Woche noch einmal unmissverständlich klar gemacht.

Wie aber sollen Anleger nun die richtigen Dividendenaktien auswählen? Der erste Impuls, einfach die Papiere mit den höchsten Dividendenrenditen zu kaufen, verbietet sich. Denn die Dividendenrendite kann laut Definition eben auch dann besonders hoch sein, wenn ein Unternehmen seine Ausschüttungen zwar auf stabilem Niveau hält, gleichzeitig aber der Kurs abstürzt. Schaut man nur auf diese Kennzahl, müssten Anleger im Dax die Aktie der Lufthansa kaufen – eine Firma, um deren Zukunft man sich durchaus Sorgen machen kann. Allein dieses Beispiel zeigt: Die simpel klingende Dividendenstrategie selbst in die Tat umzusetzen, ist gar nicht so einfach.

LUFTHANSA

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Gute Kalkulierbarkeit

Auf die oft zurecht kritisierten Fondsmanager zu vertrauen, scheint in diesem besonderen Fall nicht die schlechteste Lösung zu sein. Fonds wie der DWS Top Dividende oder der M&G Global Dividend Fund haben gerade wegen der guten Kalkulierbarkeit der Dividenden in der Vergangenheit ordentliche Wertzuwächse erzielt.

Und was ist mit ETF? Diese speziellen Fonds bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Börsenindex zu geringen Gebühren nach. Klingt verlockend, ist aber in der einfachen Variante keine gute Idee. So gibt es ETF auf den Div-Dax, einen Index, in dem die 15 Dax-Konzerne mit der höchsten Dividendenrendite enthalten sind. Das Problem: Die Auswahl orientiert sich allein an der Dividendenrendite. Die Lufthansa-Aktie, um das Beispiel noch einmal aufzugreifen, ist also mit dabei.

Anleger brauchen Geduld

Mittlerweile gibt es aber auch ETF, die mit etwas mehr Raffinesse konstruiert wurden und die für Anleger einen Blick wert sind. Der „SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats“ beispielsweise investiert nur in Firmen, denen die Analysten den Namen „Dividendenaristokraten“ gegeben haben. Dazu zählen allein europäische Unternehmen, die in mindestens zehn aufeinanderfolgenden Jahren verlässlich eine möglichst steigende Dividende gezahlt haben. Aus Deutschland gehören unter anderem Siemens und der Versicherungskonzern Munich Re dazu.

Unabhängig davon, für welche Anlageart sich Anleger am Ende entscheiden: Ein bisschen Geduld sollten sie mitbringen. Dividendenaktien entfalten besonders über einen längeren Zeitraum von mindestens fünf Jahren ihre volle Wirkung. Wenigstens das also ist genauso gemächlich und langweilig, wie man sich die Sache immer schon vorgestellt hat.

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