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Aktienmarkt : Dividende für alle

Trump-Euphorie wird sich nicht ewig halten

In Europa gibt es wohl niemanden, der sich besser mit der Materie auskennt als Thomas Schüssler von der Fondsgesellschaft DWS. Mit dem DWS Top Dividende steuert Schüssler einen der größten Aktienfonds Europas. 18 Milliarden Euro haben die Anleger ihm anvertraut, die er ausschließlich in Dividendenaktien anlegt. Schüssler bestreitet nicht, dass im Moment andere Aktien en vogue sind, gibt aber zu bedenken: „Wie soll man feststellen, wie lange sich die Trump-Euphorie an den Börsen fortsetzen wird? Niemand weiß, wie sich Aktienkurse kurzfristig entwickeln. Die Höhe der Dividenden dagegen lässt sich zu Anfang eines Jahres normalerweise sehr gut prognostizieren, uns gelingt dies mit einer Treffersicherheit von 95 Prozent.“ In Schüsslers Fonds machen die wiederangelegten Dividenden beeindruckende 50 Prozent an der gesamten Wertentwicklung aus.

Es ist genau diese Berechenbarkeit, die Investoren an Dividendenaktien so schätzen, trotzdem fragt man sich: Was bitte macht denn die Sache so gut kalkulierbar? Schließlich müssen die Unternehmen ihren Anteilseignern keine Dividende zahlen. Der entscheidende Punkt jedoch ist: Sie fühlen sich in gewisser Weise dazu verpflichtet.

Unternehmen werden zur Ausschüttung animiert

Das hat damit zu tun, dass vielfach Staatsfonds, Pensionsfonds oder auch sehr große Fondsgesellschaften zu ihren wichtigsten Aktionären gehören. Solche Fonds legen Wert auf regelmäßige Ausschüttungen, denn nur so können sie den Pensionären oder Bürgern, deren Geld sie verwalten, verlässliche Erträge bieten. Um diese Investoren an Bord zu halten, versuchen die Firmen unter allen Umständen zu vermeiden, die Dividende zu kürzen oder gar ganz ausfallen zu lassen. „Kommt es trotzdem dazu, wird dies an der Börse als Verkaufssignal gewertet“, sagt Christian Kahler, Chef-Aktienstratege der DZ Bank. Ein schwerer Vertrauensverlust, von dem die sich ein Unternehmen oft nur schwer erholt.

Es ist aber nicht allein die Sorge vor einer solchen Situation, die die Unternehmen zu Ausschüttungen animiert. Die Rekordsumme im Dax kommt auch zustande, weil sich die Geschäfte der meisten deutschen Konzerne 2016 gut entwickelt haben. Sie folgen darum einem einfachen Prinzip: Wenn mehr Geld in der Kasse ist, kann man auch mehr ausschütten. Nur die Deutsche Bank und die Commerzbank fallen unter den Dax-Mitgliedern als Dividendenzahler aus.

Sichere Angelegenheit bei stabiler Weltwirtschaft

Natürlich zeugt es nicht gerade von Ideenreichtum, wenn die Konzerne die Ausschüttungen so wichtig nehmen. Könnten sie ihr Geld alternativ doch auch in den intelligenten Ausbau des eigenen Geschäftes investieren. Wenn sich solche Möglichkeiten aber gerade nicht ergeben, ist es aus Sicht von Aktienanalyst Kahler allemal besser, das Geld an die Aktionäre auszuschütten, als es beispielsweise für den Kauf anderer Firmen einzusetzen, der häufig mit hohen Risiken verbunden ist. Auch auf dem Firmenkonto ist das Geld nicht besser aufgehoben: Denn dort fallen derzeit in vielen Fällen Strafzinsen an.

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