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Niedrigzinsen : Sparer werden zunehmend frustriert und ratlos

Sparen macht nur noch begrenzt Spaß. Bild: ZB

Viele Sparer wissen eigentlich, dass ihre Anlagestrategie falsch ist. Doch die nötige Konsequenz daraus ziehen sie nicht.

          Die deutschen Sparer werden zunehmend frustriert und ratlos, wenn es darum geht, was sie mit ihrem Geld angesichts der fortdauernden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) machen sollen. Das zeigen mehrere Umfragen, die dieser Tage veröffentlicht werden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So wissen 77 Prozent der Anleger im Moment nicht, wo und wie sie ihr Geld noch sinnvoll anlegen können, wie eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Targobank unter rund 1000 Anlegern ergab. Die Teilnehmer waren älter als 40 Jahre, verfügen über mindestens 2500 Euro für die Geldanlage und werden als beratungsaffin beschrieben. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer gab an, mit seiner Geldanlage unzufrieden zu sein.

          Lieber ausgeben

          Noch deutlich mehr, nämlich 71 Prozent, halten ihre Anlagestrategie aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen durch die EZB für überdenkenswert. Doch nur wenige reagieren auch darauf. Aus Angst, etwas falsch zu machen und Geld zu verlieren, geben 77 Prozent an, Veränderungen in ihrem Depot zu scheuen, wie die Targobank mitteilt. Die klare Mehrheit der Befragten (67 Prozent) „parkten“ ihr Geld derzeit auf dem Konto, in dem unguten Bewusstsein, dass es dafür so gut wie keine Zinsen gibt.

          Auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, kommt nach einer Umfrage seines Verbands zu dem Ergebnis: „Die Sparer und Anleger zeigen sich angesichts der Minizinsen zunehmend entmutigt und geben ihr Geld vermehrt aus, anstatt es anzulegen.“ So sei der Anteil derjenigen, die ihr Geld anlegten, im dritten Jahr in Folge zurückgegangen: von 57 Prozent im Jahr 2014 auf 45 Prozent in diesem Jahr. Vor allem junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren und Senioren über 60 hätten nach Ergebnissen der Studie 2016 weniger Geld investiert.

          Auch in dieser Umfrage zeigte sich eine wachsende Unzufriedenheit der Sparer. Nicht einmal die Hälfte, nämlich 47 Prozent, zeigte sich mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlage im Jahr 2016 zufrieden. Im Vorjahr war es mit 53 Prozent noch etwas mehr als die Hälfte gewesen. Kemmer sieht das als unmittelbare Folge der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

          Risikofreude der Deutschen steigt kaum

          Dass die Anleger nicht mehr wissen, wo sie investieren sollen, zeigt sich auch in der Auswahl ihrer bevorzugten Anlagewege. Zwar haben die Befragten zum ersten Mal nicht mehr das Sparkonto als absoluten Favoriten genannt. Doch das hieß nicht, dass im Gegenzug eine andere Anlageform in der Gunst gewann.

          Während im Jahr 2015 noch 31 Prozent der Befragten das Sparkonto als bevorzugtes Anlageprodukt nannten, sind es in der aktuellen Umfrage nur noch 22 Prozent. Damit liegt das Sparkonto gleichauf mit dem Tagesgeld. Viele andere Anlageformen wie Fondsanteile (20 Prozent), Immobilien (17 Prozent), Aktien (16 Prozent), Gold (6 Prozent) und andere Edelmetalle (2 Prozent) fanden mehr oder weniger unveränderten Zuspruch.

          An Beliebtheit verloren haben Festgeld (von 18 auf 11 Prozent) und festverzinsliche Wertpapiere (von 9 auf 6 Prozent). Wenn sie das nötige Geld dafür hätten, würde auch im kommenden Jahr die größte Gruppe der Befragten (38 Prozent) in Immobilien investieren.

          Trotz der mangelhaften Aussichten auf eine erkleckliche Rendite ist die Risikofreude der Deutschen in puncto Geldanlage also kaum gestiegen. Nach wie vor wollen neun von zehn Befragten lieber kein höheres Anlagerisiko eingehen, um ihre Renditechancen zu verbessern, heißt es vom Bankenverband. „Dies ist keine gute Nachricht, denn eine langfristige Vermögensplanung kommt in der weiter anhaltenden Niedrig(st)zinsphase ohne Anlageformen mit höheren Renditechancen nicht aus“, sagt Kemmer.

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