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Finanzmärkte : Wirtschaft ist wichtiger als Politik

In Amerika ist die Furcht vor baldigen Rezessionen verschwunden

Am finstersten ist es kurz vor der Morgendämmerung. Zur Jahresmitte fand jenes Ereignis statt, das als Beginn eines neuen säkularen Trends in die Finanzgeschichte eingehen könnte: In den Vereinigten Staaten erreichte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen nach einem rund 25 Jahre währenden säkularen Fall mit 1,34 Prozent den niedrigsten Stand aller Zeiten. Der in vielen Kommentaren europäischer Bankökonomen und Analysten zuletzt kaum mehr zur Kenntnis genommene transatlantische Zinszusammenhang sorgte dafür, dass nur wenige Tage später die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit minus 0,19 Prozent ihren historischen Tiefstand erreichte.

Eine Rendite von 1,34 Prozent für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen ist nur mit der Aussicht auf eine sehr schwache wirtschaftliche Entwicklung und eine nicht-existente Inflation erklärbar, selbst wenn bei amerikanischen (und auch deutschen) Staatsanleihen der Status des sicheren Hafens und die zuverlässige Marktliquidität auch in schwierigen Zeiten für einen steten Druck auf die Rendite sorgen. Die Furcht vor einer baldigen Rezession in den Vereinigten Staaten verschwand im Laufe der Monate unter dem Eindruck ansehnlicher Konjunkturdaten.

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Mit der Annahme eines Wirtschaftswachstums um 2 Prozent und einer Inflationsrate, die sich dem Fed-Ziel von 2 Prozent zumindest nähert, ist eine zehnjährige Rendite amerikanischer Staatsanleihen von 1,34 Prozent aber nicht vereinbar. Folgerichtig steigen seit mehreren Monaten die Renditen in Amerika, zuletzt durch die Aussicht auf eine expansivere Finanzpolitik durch einen Präsidenten Trump noch befördert – und der transatlantische Zinszusammenhang sorgt dafür, dass die Renditen in Europa zumindest ein Stück weit mitgezogen worden sind. Der Zins feiert seine Rückkehr, auch wenn er eher zurückhaltend und nicht mit großem Pomp die Bühne betritt. In seinem Gefolge sind die Aktienkurse der Banken kräftig gestiegen – auch dies ein Zeichen für eine sich verbessernde Wahrnehmung der wirtschaftlichen Aussichten. Mittlerweile wird auch wieder die eigentlich seit Jahrzehnten bekannte Tatsache zur Kenntnis genommen, nach der langfristige Renditen nicht nur von der Geldpolitik bestimmt werden.

Keine weitere Lockerungen der Geldpolitik von EZB mehr zu erwarten

Auch die Geldpolitik unterliegt einem Wandel. Notenbanken sind traditionell Akteure wie Reagierende; sie prägen wirtschaftliches Handeln und sie reagieren auf wirtschaftliche Veränderungen. Ab dem späten Frühjahr 2016 ließ die EZB in ihren Veröffentlichungen erkennen, dass sie nachteilige Folgen ihrer Geldpolitik für die Finanzwirtschaft stärker zur Kenntnis nahm und kein Interesse an einer weiteren Lockerung besaß. Die sich bessernden wirtschaftlichen Daten schlagen sich, wenn auch behutsam, heute in der Geldpolitik nieder. Die Fed hat ihren Zins erhöht und in Europa wollen die EZB und die Schwedische Reichsbank 2017 weniger Anleihen kaufen als 2016. Man braucht wenig Phantasie, um zu erahnen, welches Thema im kommenden Jahr auf der Prioritätenliste der EZB ganz oben stehen wird, wenn sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen sollte: Wird sie als nächsten Schritt eher den negativen Einlagenzins anpacken oder ihre monatlichen Anleihekäufe weiter reduzieren? Die Banken würden wohl eher für den Einlagenzins optieren, langfristige Vermögensverwalter wohl eher für die Anleihekäufe.

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Nach einem eher pessimistischen Jahresbeginn und einem eher optimistischen Jahresausklang hat 2016 per Saldo an manchen Märkten erstaunlich wenig Spuren hinterlassen: Die deutschen Aktienkurse sind, gemessen am 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Index, kaum höher als vor zwölf Monaten. Der Kurs von Euro und Dollar liegt in etwa auf dem Vorjahresstand. Es kann schon sein, dass im Jahre 2017 durch politische Ereignisse hohe kurzfristige Kursschwankungen entstehen. Sollte sich der vorsichtige Trend zu mehr Wirtschaftswachstum und mehr Inflation fortsetzen, müsste dies langfristig sowohl die Aktienkurse als auch die Anleiherenditen unterstützen.

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