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Der Umgang mit Sparergeldern : Die Bausparkassen würden gern in Aktien anlegen

Sollen Bausparkassen in Deutschland, die zu einem sorgsamen Umgang mit Sparergeldern verpflichtet sind, stärker in die Anlageform „Aktie“ investieren dürfen? Bild: dpa

Die Lage der Bausparkassen ist nicht rosig. Bislang dürfen sie kein Geld in Aktien anlegen. Jetzt wird darüber gestritten, ob man das ändern soll. Das Gegenargument: Aktien sind nicht so sicher. Wie stark darf man mit Sparergeld spekulieren?

          Deutschlands Bausparkassen würden gern Geld in Aktien anlegen dürfen: Bislang ist ihnen das nicht erlaubt. Aber in eine geplante Änderung des Bausparkassengesetzes, über die der Bundestag bis zum Jahresende entscheiden soll, würden die Bausparkassen einen entsprechenden Passus gern noch einbringen lassen, wie Andreas Zehnder, der Vorstandsvorsitzende des Verbands der privaten Bausparkassen sagt. „Durch eine Limitierung der Beimischung dieser neuen Positionen auf zum Beispiel 10 Prozent aller Kapitalanlagen einer Bausparkasse bliebe das oberste Gebot der Sicherheit der Sparergelder gewahrt“, meinte Zehnder.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht um eine ebenso grundsätzliche wie umstrittene Frage: Sollen institutionelle Investoren in Deutschland, die zu einem sorgsamen Umgang mit Sparergeldern verpflichtet sind, stärker in die Anlageform „Aktie“ investieren dürfen? Immerhin werben Einrichtungen wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) dafür, dass auch in Deutschland die Aktie als Form der Geldanlage weitere Verbreitung finden müsse.

          Vorschriften für institutionelle Investoren, wie sie ihr Geld anlegen dürfen, stehen dem tendenziell entgegen. Zu den Profiteuren gehören die Staaten, allen voran die Bundesrepublik Deutschland: Wenn institutionelle Investoren fast nur in Staatsanleihen anlegen dürfen, können sich die Staaten billiger verschulden. Kritiker solcher Regelungen sprechen von Ansätzen einer „finanziellen Repression“: Der Staat zwinge institutionelle Investoren auch aus eigennützigen Motiven zu Investitionen in Staatsanleihen. Wenn dann die Zinsen für die Staaten, wie derzeit, extrem niedrig oder sogar negativ seien, bereichere sich der Staat auf Kosten dieser institutionellen Investoren und ihrer Kunden. „In der Tat muss man darüber diskutieren, ob die generelle Risikobeurteilung von Aktien in der entsprechenden Regulierung zutreffend ist“, sagte Franz-Josef Leven, der Vizechef des Aktieninstituts.

          Dem steht allerdings das Argument der Sicherheit entgegen. Die Situation der Bausparkassen ist schon jetzt nicht gerade rosig. Schließlich sind Bauspardarlehen derzeit nicht besonders attraktiv, weil schon normale Baudarlehen außerordentlich billig sind. Nur wenige Leute wollen deshalb lange auf ein Baudarlehen hin sparen. Zugleich laufen noch viele alte Verträge, bei denen die Bausparkassen den Sparern hohe, vor Jahren vereinbarte Zinsen zahlen.

          Das Beispiel der Lebensversicherer mahnt zur Vorsicht

          Mit juristischen Auseinandersetzungen versuchen die Bausparkassen zum Teil, sich davon zu trennen - zum Ärger der Kunden. Der Darmstädter Bankenprofessor Dirk Schiereck jedenfalls meint: Wenn man den Bausparkassen jetzt auch noch erlaube, in Aktien zu investieren, stünden bei der nächsten Baisse am Aktienmarkt die Bausparkassen „unter Wasser“: „Ich halte das für keine so gute Idee, in ein Geschäftsmodell, das für die Durchleitung von Geldern von Bausparern zu Baudarlehensnehmern gemacht ist, auf einmal eine so stark schwankende Komponente wie eine Aktienanlage einzubauen“, sagt Schiereck. Wenn man das mache, müsse man die Bausparkassen auf jeden Fall zu mehr Eigenkapital zwingen, als sie bislang haben.

          Der Bonner Ökonom Martin Hellwig meint, man könne aus den Erfahrungen der Lebensversicherungen in dieser Frage lernen. „Die Lebensversicherungen durften traditionell bis zu 30 Prozent in Aktien gehen, haben das aber lange nicht gemacht, sondern blieben bei durchschnittlich etwa 10 Prozent“, erzählt Hellwig. Erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre hätten sie ihren Aktienanteil deutlich erhöht. 2003 dann gerieten die Lebensversicherer in die Krise. Was war passiert? „Die einen waren so spät eingestiegen, dass sie nur die Verlustphase ab 2000 mitgemacht hatten“, sagt Hellwig. „Die anderen waren früher eingestiegen, aber die Regulierung zwang sie, jeweils 90 Prozent der ausgewiesenen Gewinne eines Jahres als Ertragsbeteiligung an die Versicherten zu übertragen - wohingegen sie die Versicherten nicht an den Verlusten ab dem Jahr 2000 beteiligen durften.“

          Daraus könne man lernen: Wenn solcherlei Institutionen Geldanlagen hätten, die „im Aggregat riskant“ seien, brauche man Eigenkapital, um das aushalten zu können. Unklar sei zudem, ob die Bausparkassen die Kompetenzen für die Aktienanlage hätten. Außerdem stelle sich für die Bausparkassen die Frage, ob es sinnvoll sei, intern eine Konkurrenz aufzumachen zwischen der Vergabe von Baudarlehen und der Anlage des Geldes in Aktien. Zugespitzt formuliert: Wenn es Daseinszweck der Bausparkassen sei, Bauspardarlehen für die Hausfinanzierung zu vergeben - dann müsse man aufpassen, dass man am Ende nicht einen reinen Aktienfonds habe, der sich nur die Mittel für die Geldanlage verschaffe, in dem er Baudarlehen verspreche. Immerhin bleibt die Bundesregierung bei diesem Thema eher skeptisch: Der entsprechende Gesetzesentwurf sieht keine Aktienanlage vor.

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