https://www.faz.net/-gv6-8dvye

Umfrage : Deutsche Privatanleger sind besonders skeptisch

Die Lehman-Insolvenz am 15. September 2008 dürfte eine wichtige Ursache des Misstrauens gegenüber der Finanzbranche sein. Bild: dpa

Eine weltweite Umfrage zeigt: Die Deutschen sind gegenüber der Finanzbranche besonders misstrauisch. Ihre eigenen Chancen beurteilen sie dagegen eher positiv.

          3 Min.

          Selbst ist der Mann und freilich auch die Frau. Dies gilt häufig in den heimischen vier Wänden, auf Reisen, aber eben auch mit Blick auf die eigenen Finanzen. Denn vor allem deutsche Privatanleger verlassen sich mehr auf die persönlichen Internetrecherchen als auf ihren Finanzberater, wenn sie Investitionsentscheidungen treffen wollen.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des CFA Institute, eines Berufsverbandes für Investmentmanager, Finanzanalysten und professionelle Anleger, die dieser Zeitung vorab vorliegt. Befragt wurden hierfür gut 3300 Privatanleger in zehn Ländern und etwa 500 institutionelle Investoren in sechs Staaten.

          Das Netzwerk zählt

          Andere Untersuchungen ergeben zudem, dass die Bundesbürger für ihre Anlageentscheidungen überdies gerne auf den Rat von Freunden, Bekannten oder der Familie hören. Sie nutzen daneben bisweilen zudem soziale Netzwerke, um sich zu informieren. Ähnlich verhalten sich auch Privatanleger in anderen Ländern der Welt, wie die Studie des CFA Institute belegt. Mit Hilfe einiger Fintechs können die Anlagen anderer Investoren daneben ganz einfach nachvollzogen werden.

          Dabei geht es Anlegern laut der Umfrage gar nicht in erster Linie darum, durch ihren Investmentberater das Portfolio vor Verlusten zu schützen, viel wichtiger seien ihnen die Transparenz der Gebühren des Finanzdienstleisters und der Schutz der Daten. Für institutionelle Investoren spielen auch ethische Aspekte der Anlage eine stärkere Rolle. Die Studie ergibt zudem: Das Vertrauen der Privatanleger in die Finanzindustrie ist seit dem Jahr 2013 zwar global gestiegen - im Durchschnitt von 50 auf 61 Prozent. Gleichwohl scheinen die Deutschen im internationalen Vergleich besonders misstrauisch zu sein.

          Dies könnte unter anderem an der Lehman-Insolvenz und vielen verlustreichen Zertifikatanlagen liegen, die besonders von Bankberatern in Deutschland empfohlen wurden. In der Umfrage jedenfalls sind die Bundesbürger in puncto Vertrauen am skeptischsten. Denn im Durchschnitt vertrauen hierzulande nur 40 Prozent der befragten Privatanleger darauf, dass ihr Finanzdienstleister das Richtige tut. Im Umkehrschluss heißt dies: 60 Prozent der Deutschen misstrauen ihrem Berater.

          Etwa die Hälfte würde ihren Berater weiterempfehlen

          Ganz anders sieht es dagegen offenbar in Asien aus. Das größte Vertrauen setzen indische und chinesische Privatanleger in ihren Finanzberater. Hier ergibt die Umfrage einen Anteil von 90 Prozent beziehungsweise 89 Prozent. In Australien tut dies im Durchschnitt rund die Hälfte der Investoren. In den Vereinigten Staaten und Frankreich beträgt der Anteil positiv gestimmter Anleger mehr als 50 Prozent.

          Während nach der Umfrage auf der Welt im Durchschnitt etwa die Hälfte der Privatanleger ihren Finanzberater weiterempfehlen würde, sind es hierzulande 46 Prozent. Gemessen an diesem Kriterium, befinden sich die Deutschen damit im Mittelfeld, wenn auch im unteren. Besonders kritisch zeigen sich dabei die befragten Privatanleger aus Singapur. Hier würden nur 30 Prozent ihren Finanzfachmann weiterempfehlen. Auch in Australien sind es lediglich 39 Prozent.

          Und wann würden Privatanleger über einen Wechsel ihres Finanzdienstleisters nachdenken? An erster Stelle nennen die Befragten eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung. Diesen möglichen Wechselgrund führt international gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer an. Es folgen höhere Gebühren (46 Prozent) und Sicherheitslücken sowie Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht (43 Prozent).

          Deutsche überraschend optimistisch

          Als vierter Grund wird ein Mangel an Kommunikation oder Ansprechbarkeit genannt. Institutionelle Investoren äußern sich ähnlich. Hier nennen sogar 60 Prozent eine enttäuschende Wertentwicklung als Hauptgrund für einen Wechsel - kein Wunder, werden doch in der Regel auch sie an ihrem Anlageerfolg gemessen.

          Dabei sind die Deutschen offenbar nicht ganz so pessimistisch, wie man es ihnen oft in so vielen Lebenslagen nachsagt. Denn laut der Umfrage sehen überdurchschnittlich viele Privatanleger in Deutschland (80 Prozent) die Chancen als fair an, durch Investitionen an den Kapitalmärkten Gewinne zu machen. Damit würden die Bundesbürger international nur noch durch die Einwohner Singapurs (90 Prozent) und die Inder (88 Prozent) übertroffen, heißt es vom CFA Institute.

          Die weiteren Aussichten könnten allerdings besser sein. Immerhin rund ein Drittel aller befragten Anleger hält eine abermalige Finanzkrise in den kommenden drei Jahren für wahrscheinlich, wobei private Investoren etwas pessimistischer sind als institutionelle.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eines ist allen in der Union klar: Auch ein knappes Rennen, ja sogar ein knapper Sieg führen nicht automatisch ins Kanzleramt.

          Wer wird Bundeskanzler? : Laschets Kampf geht weiter

          Trotz herber Verluste will Armin Laschet weiter Kanzler werden – auch als Zweitplatzierter. Das ginge nur mit Grünen und FDP. Eine „Zukunftskoalition“ nennt er das. Söder spricht von einem „Bündnis der Vernunft“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.