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Schwache Profitabilität : Deutsche Banken haben ein Kostenproblem

Das ist was faul: Fast 7 Prozent aller Kredite der größten Banken im Euroraum sind ausfallgefährdet. Bild: dpa

Wegen ausfallgefährdeter Kredite kriselt es bei den großen Europas Banken mal wieder. Deutsche Finanzhäuser schneiden noch am besten ab. Grund zur Freude gibt es trotzdem kaum.

          Fast 7 Prozent aller Kredite in den Bilanzen der größten Banken des Euroraums sind ausfallgefährdet. Das geht aus den jüngsten Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor, deren Bankenaufseher die 127 größten Institute und damit 82 Prozent des Bankenmarktes im Euroraum überwachen. Die Daten zum 30. Juni zeigen, wie groß das Problem mit notleidenden Krediten vor allem in Italien ist. Dort beträgt der Anteil der ausfallgefährdeten Engagements mehr als 16 Prozent. In absoluten Zahlen wackeln bei den 14 größten italienischen Instituten Kredite über 271 Milliarden Euro. Das sind fast 30 Prozent aller notleidenden Darlehen im Euroraum. Die betrugen zum Stichtag 937 Milliarden Euro.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erstmals hat die Notenbank zusätzliche, wesentlich detailliertere Statistiken zur Bankenaufsicht veröffentlicht, um so die Transparenz und die Rechenschaftspflicht im Rahmen dieser Aufgabe weiter zu verbessern. Das soll im vierteljährlichen Abstand beibehalten werden. „Dies ist ein wichtiger Schritt zur Gewährleistung der Transparenz, die ein bedeutsames Instrument zur Stärkung der Disziplin im Bankensektor darstellt“, sagte Sabine Lautenschläger, Mitglied des Direktoriums und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB.

          Die italienischen Banken stehen derzeit im Blickpunkt. Am Sonntag steht ein Referendum an. Sollte Ministerpräsident Matteo Renzi verlieren, kann Italien eine Zeit politischer Unsicherheit bevorstehen. Die angeschlagenen Banken brauchen privates Kapital, um ihre Bilanzen von den Altlasten zu bereinigen. Darum bemüht sich die Monte dei Paschi di Siena, die neue Mittel über 5 Milliarden Euro benötigt, deren Börsenwert aber derzeit nur ein Zehntel davon ausmacht.

          Rekordwert entfällt auf griechische Banken

          Die 22 von der EZB beaufsichtigten deutschen Banken schneiden mit notleidenden Krediten von 69 Milliarden Euro deutlich besser ab. Der Anteil an den gesamten Forderungen ist mit 2,6 Prozent eine der geringsten Quoten. Der Rekordwert im Euroraum entfällt auf die griechischen Banken. Hier ist fast die Hälfte aller Kredite ausfallgefährdet (47 Prozent). In Portugal gilt das für ein Fünftel der Darlehen. In Irland beträgt der Anteil 18 Prozent und in Spanien 6 Prozent.

          Doch die deutschen Banken wirtschaften mit sehr hohen Kosten. Nach den EZB-Statistiken sind sie am wenigsten effizient. Die 22 Institute mussten im zweiten Quartal fast 0,77 Euro aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Die 14 spanischen Institute, darunter die beiden international breit aufgestellten Großbanken Santander und BBVA, brauchten dafür nur durchschnittlich 0,51 Euro. Die zwölf französischen Banken wie etwa BNP Paribas oder Société Générale mussten 0,68 Euro aufwenden.

          Schwache Profitabilität deutscher Banken

          Die geringe Kosteneffizienz schlägt sich auch in einer schwachen Profitabilität der deutschen Banken nieder. Ihre Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 2,7 Prozent wird nur von Italien (2,2 Prozent) und Portugal (minus 4,7 Prozent) unterboten. Die von der EZB überwachten Banken hatten Ende Juni an Unternehmen und Haushalte 9,6 Billionen Euro verliehen. Die Einlagen an diese beiden Kundengruppen beliefen sich auf 7,8 Billionen Euro. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen stellte sich auf 123 Prozent. Das bedeutet, dass die Institute ihre Kredite nicht nur über Kundeneinlagen finanzieren, sondern auch über den Kapitalmarkt oder die Notenbanken. Vor allem die größten Banken Deutschlands sind darauf angewiesen, weil ihre Kennziffer mit fast 150 Prozent sehr hoch ausfällt. Dafür spricht aber auch die stabilere Konjunkturentwicklung als in Südeuropa. In Spanien machen die Kredite 120 Prozent der Einlagen aus, in Frankreich 114 Prozent und in Italien 136 Prozent.

          Die EZB-Statistiken enthalten Angaben zur Ertragslage und Kapitalausstattung sowie zur Qualität der Vermögenswerte. Informationen zu einzelnen Banken werden nicht veröffentlicht.

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