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Mini-Zinsen : Querdenken für die Geldanlage

  • -Aktualisiert am

Wohin mit dem Geld? Manche stecken es einfach in den Sparstrumpf. Zinsen gibt es hier allerdings nicht. Bild: dpa

Wohin mit dem Geld? Die Zinsen sind im Keller, Aktien sind schon weit gestiegen. Jetzt müssen andere Ideen her.

          3 Min.

          Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt. Doch an den Finanzmärkten war es schon recht turbulent. Die Rendite der Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit fiel auf das historische Tief von 0,43 Prozent. Der deutsche Aktienindex Dax ist nun zwar kaum verändert gegenüber dem Jahresbeginn, zeitweise hatten allerdings Verluste seine Gesamtbilanz des Jahres 2014 zunichtegemacht. Geholfen hat die Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik in den Vereinigten Staaten.

          Wo ist nun der erhoffte neue Schwung im neuen Jahr? Im alten ist er jedenfalls nicht geblieben – zumindest was den Dax anbelangt. Ihm ging auf den letzten Metern des Jahres etwas die Luft aus. Neue Rekorde gab es anders als in den Vereinigten Staaten zuletzt nicht mehr zu vermelden. Magere 2,7 Prozent Jahresplus im Dax vergleichen sich mit rund 26 und 29 Prozent in den beiden Jahren davor. Was waren das noch für Zeiten! Zu hoch waren dieses Mal die Erwartungen an die Konjunktur und die Gewinne der Unternehmen. Doch die Aktienhausse läuft eben auch schon einige Jahre. Seit 2003 ist es für den Dax – mit Ausnahme der Jahre 2008 und 2011 – stetig aufwärtsgegangen, um rund 350 Prozent auf 9700 Punkte.

          Sollen Anleger nun noch Aktien kaufen? Auch für dieses Jahr sagen Analysten einen Anstieg der Kurse voraus. In einer Umfrage dieser Zeitung unter zwei Dutzend Finanzinstituten ergab sich im Durchschnitt ein erwartetes Dax-Plus von 9 Prozent. Doch von genau diesem Optimismus leben die Banken. Sie werden selten etwas anderes verkünden als höhere Kurse. Im vergangenen Jahr lag das Gros der Finanzinstitute mit seinen Prognosen überdies ordentlich daneben. Oder wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Bundesanleihen im Jahr 2014 den Dax deutlich schlagen würden? Zehnjährige Bundespapiere erbrachten durch ihre Kursgewinne unter dem Strich 13,3 Prozent, also gut 10 Prozentpunkte mehr als der Dax.

          Auf einen steigenden Ölpreis oder Rubel-Anleihen setzen?

          Welche Möglichkeiten gibt es noch? Die Zinsen hierzulande sind magersüchtig – fast hat man sich schon daran gewöhnt. Was des Sparers Leid, ist aber des Kreditnehmers Freud. Von Seiten der Inflation kommen zudem auch für Anleger positive Nachrichten, obwohl Kassandrarufe schon vor Deflation warnen. Die Inflationsrate beträgt hierzulande 0,2 Prozent, im Euroraum ist sie erstmals seit 2009 sogar negativ. Sollten die Renditen der sicheren Staatsanleihen beiderseits des Atlantiks steigen, wie die meisten Zinsfachleute erwarten, dann drohen ihren Besitzern Kursverluste. Gute Nachrichten wären dies nur für neue Käufer.

          Der niedrige Ölpreis gilt als Hauptgrund für die sinkenden Preise. Die Ölsorte Brent kostet rund 50 Dollar je Barrel (159 Liter), vor sechs Monaten war es doppelt so viel. Das günstigere Erdöl ist ein Konjunkturprogramm. Verbraucher profitieren an der Tankstelle ebenfalls davon. Ohnehin hellen sich die wirtschaftlichen Aussichten vielerorten auf. Der europäischen Wirtschaft und vor allem der exportstarken deutschen kommt überdies zugute, dass der Euro schwächelt. Das macht Ausfuhren nicht nur in den Dollarraum günstiger. Ein Euro kostet aktuell 1,18 Dollar, ähnlich wenig wert war er zuletzt vor neun Jahren.

          Wohin also mit dem Geld? Das Aktienumfeld sah schon schlechter aus als in diesem Jahr. Langfristig gilt die Aktienanlage mitsamt den Dividenden ohnehin als unverzichtbar in einem gut gemischten Portfolio. Besonders risikofreudige Anleger könnten nun vielleicht auf die Idee kommen, auf einen wieder steigenden Ölpreis zu setzen. Auch in russischen Rubel begebene Anleihen könnten sich erholen. Der Zins für Schwellenländeranleihen ist zudem deutlich höher, spiegelt er doch das Mehr an Risiko. Solche Spekulationen können aber auch schnell schieflaufen, das Geld mithin verloren sein.

          Eine gute Zeit, Schulden zurückzuzahlen

          Kein schlechter Ratschlag ist es sicherlich – trotz der niedrigen Zinsen –, Geld auf Bankkonten zu parken, bis sich Chancen ergeben. Liquidität bedeutet Flexibilität und Sicherheit. Darauf setzt ein Großteil der 80 Millionen Deutschen: Auf fast 2 Billionen Euro beläuft sich ihr Geldvermögen. Doch leider gibt niemand Bescheid, wenn es Zeit zum Investieren ist. Den optimalen Zeitpunkt erwischt man kaum.

          Wer weder in Aktien noch in Anleihen investieren und auch kein Bargeld horten will, kann den Spieß auch mal umdrehen, indem er Geld nicht anlegt, sondern zum Beispiel seine Schulden zurückzahlt. Niedrige Zinsen führen, gepaart mit geringen Tilgungsraten, zu immens langen Laufzeiten von Immobiliendarlehen. Um möglichst schnell schuldenfrei zu werden und das Geld später zu vielleicht höheren Zinsen anzulegen, können Darlehensnehmer je nach Vertrag Sondertilgungen vornehmen, wenn zum Beispiel vom Weihnachtsgeld noch etwas übrig bleibt.

          Zusammen mit einem günstigen Kredit wird für viele andere der Traum vom eigenen Heim nun überhaupt erst noch möglich. Der Nachteil: Das günstige Zinsumfeld hat die Immobilienpreise teils schon in die Höhe getrieben. Oder aber man kauft und sammelt einfach das, was man liebt und von dem man zudem hofft, es könnte einmal mehr wert sein. Das können Autos, Juwelen, Kunst oder auch Briefmarken sein. Garantien gibt es freilich auch hier nicht. Doch manches macht einfach nur Freude.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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