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Roboter statt Sparbüchse : Was automatische Geldanlage taugt

  • Aktualisiert am

Automatisierte Geldverwalter preisen sich als Alternative zur Bankberatung. Bild: dpa

Junge Finanzfirmen und immer mehr Banken versprechen im Internet eine automatisierte Form der Geldanlage: Günstiger, bequemer, einfacher - und völlig ohne menschlichen Eingriff. Kann das gut gehen?

          3 Min.

          Geldanlage ist für viele Deutsche vor allem eins: lästig und kompliziert. Die meisten lesen sich nur ungern durch Angebote ihrer Hausbank in sprödem Finanzdeutsch. Und auf eigene Faust auf die Suche nach Aktien oder Fonds gehen nur wenige.

          Eine bequemere und billigere Lösung versprechen automatisierte Geldverwalter, sogenannte Robo Advisor. Sie preisen sich als Alternative zur Bankberatung - über das Internet, mit wenigen Klicks und ohne menschliches Mitwirken. „Die Geldanlage in einfach“, wirbt etwa der Frankfurter Anbieter Vaamo. „Bei uns können Kunden von der Couch aus anlegen und das ohne Papierkram“, sagt Mitgründer Oliver Vins. Andere heißen Quirion, Easyfolio, Liqid und Scalable Capital. Dahinter stehen junge Finanzfirmen, die Banken Konkurrenz machen.

          Anleger vertrauen ihr Geld bei einem Robo Advisor aber nicht blind einer Maschine an. Sie müssen zunächst einige Fragen beantworten - etwa zu Alter, Risikoneigung, Anlagezeitraum und -summe. Auf Basis der Antworten erhalten sie dann Vorschläge für Portfolios. Je höher die erwünschte Rendite und die maximale Verlusttoleranz, desto größer ist der Aktienanteil. Bei vorsichtigen Sparern überwiegen Anleihen.

          Anlage-Roboter versprechen Renditen von 4 bis 6 Prozent

          Meist wird über börsengehandelte Indexfonds (ETF) investiert, die Geld günstig und breit gestreut anlegen. Manche Anbieter bieten auch komplexere Lösungen. Viele übliche Sparer hingegen legen ihr Geld auf kaum verzinste Bankkonten oder beschränken sich auf wenige Positionen. „Robo Advisor verschaffen Zugang zu globalen Portfolios“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Darin liegt eine Chance.“

          Langfristig versprechen Anlage-Roboter vier bis sechs Prozent Rendite jährlich bei Gebühren von unter einem Prozent. Damit sind sie konkurrenzfähig zu Bankprodukten. Wegen der Niedrigzinsen achteten Anleger stärker auf Kosten, sagt Matthias Hübner, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Davon profitieren Robo Advisor.“

          So tummeln sich rund 20 Anbieter auf dem deutschen Markt. Banken haben den Trend erkannt: Die Deutsche Bank hat vor knapp einem Jahr einen Anlage-Roboter gestartet, die Commerzbank plant einen. Andere Geldhäuser arbeiten mit Start-ups zusammen. Die spanische Bank Santander etwa kooperiert mit Vaamo. Andere dürften folgen. „Ich sehe in Finanztechnologien wie Robo Advisor eine große Bedrohung für den Beruf des Anlageberaters„, sagt Verbraucherschützer Nauhauser.

          Bisher sind Anlage-Roboter in Deutschland aber Zwerge. „Es ist heute einfach, ein Start-up zu gründen“, sagt Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. Doch es sei schwer, beim sensiblen Thema Geldanlage Vertrauen zu gewinnen. Immer mehr der Finanzfirmen bemühen sich daher um eine Lizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Sie gilt als Gütesiegel.

          Robo Advisor sind keine Wundermittel

          Der Anbieter Liqid, der sich mit komplexen Strategien auf reichere Kunden spezialisiert hat, bietet neben der automatisierten Geldverwaltung persönliche Betreuung. „Das senkt die Hemmschwelle für Anleger, die ihr Geld nicht alleine einer Digitalplattform anvertrauen wollen“, sagt Mitgründer Christian Schneider-Sickert.

          In den Vereinigten Staaten sind Anlage-Roboter schon etabliert. Dort verwalten allein die drei größten mehr als 10 Milliarden Dollar. Hierzulande dürften es insgesamt erst 330 Millionen Dollar (307 Mio Euro) sein, meint Berater Hübner. „Es dürfte einen Nachholeffekt geben.“ Bis 2020 könnten Robo Advisor in Deutschland 22 Milliarden Dollar verwalten. Auch das Meinungsforschungsinstitut YouGov sieht Potenzial: Jeder Zehnte könne sich gut vorstellen, wegen der Empfehlung eines Anlage-Roboters Geld zu investieren, heißt es in einer aktuellen Umfrage. Ein weiteres knappes Drittel ziehe es in Betracht.

          Wundermittel sind Robo Advisor aber nicht. So ist der Fragekatalog für Sparer am Anfang standardisiert und knapp. Eine auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Anlageberatung kann dieser kaum leisten. Es könne sein, dass ein Anlage-Roboter einem Sparer ein bestimmtes Portfolio empfehle, obwohl Schuldenabbau oder das Horten von Bargeld für ihn besser sei, meint Verbraucherschützer Nauhauser. Sagt aber zugleich: Die Beratung von Banken sei auch nicht frei von Fehlern.

          Kein Robo Advisor habe den Anspruch, eine umfassende Finanzberatung zu leisten, entgegnet Vaamo-Mitgründer Vins. „Sie können aber einem Kunden auf Basis einer Befragung das passende Risiko-Profil zeigen.“

          Ob die Anlage-Roboter Sparern langfristig höhere Gewinne bringen, bleibt indes abzuwarten. Viele sind noch jung, eine echte Bilanz lässt sich daher nicht ziehen. Immerhin konnten sie in den turbulenten Tagen nach dem Brexit-Votum im Juni Börsenabschläge dämpfen und leisteten sich auch keine technischen Pannen. Es müsse sich zeigen, wie die Geld-Roboter etwa bei einem Börsencrash abschnitten, sagt Berater Hübner. „Die Feuerprobe steht noch aus.“

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