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Anlegen in Ackerland : Goldene Scholle

Ackerland ist in den vergangenen zehn Jahren stärker im Wert gestiegen als der Dax. Bild: dpa

Ackerland wird immer wertvoller und lockt Anleger in Scharen. Millionär muss man dafür nicht sein.

          Mecklenburg, ein Wintertraum: eine kleine mittelalterliche Kirche und ein stattlicher Gutshof vor sanfter Hügellandschaft, rundherum Seen. Weit verstreut liegen die Weiler, dazwischen schnurgerade Alleen. Ein Dutzend Häuser hier, ein Dutzend Häuser dort, von den Dächern steigt Rauch. Der Wasserlauf, der durch die Gemeinde fließt, heißt tatsächlich Rauschender Bach.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein Wunder, dass Norbert Rethmann Mitte der Neunziger zugriff, als hier einer der großen landwirtschaftlichen Betriebe aus DDR-Zeiten privatisiert wurde. Der Unternehmer, der im Westen den Entsorgungskonzern Remondis aufgebaut hatte, wurde Landwirt, zog aus dem Münsterland in den Osten, renovierte den Gutshof, war zehn Jahre lang sogar Bürgermeister der 400-Seelen-Gemeinde. Heute führt einer seiner Söhne das Agrarunternehmen, das in der Gegend angeblich rund 7000 Hektar bewirtschaftet, das wären 10.000 Fußballplätze. Die Familie spricht nicht gern darüber, nur so viel ist klar: Verkaufen will sie das Land nicht.

          Dabei wäre das ein Riesengeschäft. Wer 1995 in Mecklenburg-Vorpommern hundert Hektar Ackerland gekauft hat, musste dafür im Durchschnitt umgerechnet 280.000 Euro zahlen. Heute kostet die gleiche Fläche gut 2 Millionen Euro, achtmal so viel. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wert fast verfünffacht. Ein Tempo, das man in der schläfrigen mecklenburgischen Idylle am allerwenigsten vermuten würde.

          Viele gute Gründe für Wald und Acker

          Aber nicht nur dort, auch im Rest der Republik sind die Preise für Acker-, Wald- und Weideflächen seit 2006 deutlich gestiegen, im Durchschnitt haben sie sich verdoppelt. Das ist mehr, als der Dax im selben Zeitraum zugelegt hat. Ganz zu schweigen von der vermeintlich inflationären Entwicklung der Hauspreise, die im Mittel nur bei vergleichsweise zahmen 25 Prozent lag. Unglaublich, aber wahr: Während alle Welt von „disruption“ schwafelt, das Smartphone anbetet und ins Silicon Valley pilgert, ist die heimische Scholle zur wahren Goldgrube für manche Anleger geworden.

          Warum das so kam, ist schnell erklärt. Erstens haben die Landwirte in den vergangenen Jahren gut verdient. Die Erträge sind gestiegen, die Milch- und Getreidepreise lagen zwischenzeitlich auch noch sehr hoch. Da lohnt es sich, mehr Felder und Wiesen zu bewirtschaften. Zweitens hat die Finanzkrise das Vertrauen vieler Investoren in komplizierte Verbriefungen und virtuelle Geschäfte erschüttert, dagegen ist das eigene Weizenfeld, der eigene Weinberg oder der eigene Wald eine beruhigend krisenfeste Alternative.

          Drittens haben auch noch die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre die Ackerlandpreise nach oben getrieben: Die Rendite von etwa einem Prozent, die sich nach Ansicht von Fachleuten dauerhaft mit verpachteten Flächen verdienen lässt, ist gar nicht mehr so kümmerlich.

          Run aufs Land ist auch im Westen zu beobachten

          Dass es für erfolgreiche Manager und Unternehmer neuerdings im Trend liegt, den Landwirt oder Jäger in sich zu entdecken, hat die Nachfrage zusätzlich angeheizt. Da gibt es den früheren Dax-CEO, der sich im Ruhestand am Treckerfahren und Schnapsbrennen in der westfälischen Provinz erfreut. Oder den Bankmanager aus dem Vogelsberg, der in der großen weiten Welt Karriere gemacht hat, als kleiner Junge aber so gerne Förster werden wollte und sich nun den Traum vom eigenen Wald erfüllt hat.

          Ein netter Nebeneffekt: So lässt sich auch die Erbschaftsteuer reduzieren, wenn das Finanzamt die Flächen als Betriebsvermögen einstuft, denn das wird steuerlich begünstigt. „Und für die Erben ist es oft einfacher, einen Wald zehn Jahre lang zu behalten als einen Handwerksbetrieb mit fünfzig Mitarbeitern“, beschreibt der Grundstücksmakler Holger Meyer vom Büro Meyer & Greif in Lohmar bei Köln die Ausgangslage.

          All das ist prinzipiell schon mit wenigen Hektar möglich. Andere denken in anderen Dimensionen, werden zu Großagrariern. Die Rethmanns in Mecklenburg, die Brillen-Dynastie Fielmann in Schleswig-Holstein, die mit Heiztechnik reich gewordenen Viessmanns aus Nordhessen am Stettiner Haff - bald habe jede zweite deutsche Industriellenfamilie irgendwo einen Bauernhof, frotzeln die Kritiker der rustikalen Welle.

          Für Leute mit weniger Geld in der Tasche stellt sich allerdings die Frage, ob es sich für sie überhaupt noch lohnen kann, mit ihrem Ersparten ein Stück Land zu kaufen, wenn die Milliardäre schon alle da sind. Schließlich klagen die Landwirte schon seit einiger Zeit, dass sie sich die Preise nicht mehr leisten können. Das gilt nicht nur für den Osten, der Run aufs Land ist auch im Westen zu beobachten. Die mit Abstand höchsten Preise, mehr als 80.000 Euro je Hektar, werden im Regierungsbezirk Oberbayern gezahlt, den reiche Münchner wegen seiner Nähe zu den Alpen schätzen.

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