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Die Vermögensfrage : Die Kunst, Kunst zu vererben

Teils können Kunstwerke zu 100 Prozent steuerfrei an die nächste Generation übertragen werden. Bild: dpa

Es gibt eine kleine und eine große Kulturgutbefreiung, teils können Werke zu 100 Prozent steuerfrei an die nächste Generation übertragen werden. Doch wie schaffen Eltern im Erbfalle Gerechtigkeit?

          8 Min.

          Lange hatte Tante Roswitha ihren Erben den Mund wässerig gemacht. Das Gemälde dort an der Wand sei von einem bedeutenden Maler. Es sei sehr, sehr wertvoll, hatte die Mutter ihren Kindern eingebleut. Und nicht nur das: Weil es ein „Kulturgut“ sei, müssten sie als Erben keine Erbschaftsteuer zahlen. Die Sache hatte nur zwei Haken: Das Gemälde war wenig wert. Und es war kein Kulturgut.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders gelagert war der Fall, über den der Bundesfinanzhof, Deutschlands höchstes Steuergericht, im Jahr 2016 entschied: Ein Sohn bekam von seinem Vater zum Zeitpunkt seines Todes 20 Kunstwerke bekannter Maler des 19. und 20. Jahrhunderts geschenkt. Damals betrug der Wert der Kunstwerke insgesamt fast 9,7 Millionen Euro. Vier Kunstwerke, deren Wert 350 000 Euro ausmachte, hatte der Vater weniger als 20 Jahre vor seinem Tod gekauft und so in den Besitz der Familie gebracht. Der Sohn schloss mit einem Museum einen Leih- und Kooperationsvertrag ab. Damit war er der Ansicht, alle Voraussetzungen für eine hundertprozentige Steuerbefreiung erfüllt zu haben. Sein Finanzamt aber war nur bereit, 60 Prozent des Marktwertes der Sammlung von der Steuer freizustellen. Dagegen klagte der Sohn und bekam in weiten Teilen vom BFH recht.

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