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Geld für den Nachwuchs : Ausbildungsversicherung - vor allem eine Versicherung

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Bild: FAZ.NET

Ausbildungsversicherungen sind von der Versicherungsbranche speziell für die Sorge für den Nachwuchs geschaffen worden. Doch es sind vor allem Versicherungsprodukte - die Geldanlage ist eher ein Nebeneffekt.

          Ein Bemühen ist der Versicherungsbranche nie abzusprechen gewesen: Produkte anzubieten, die auf einen bestimmten Kundenkreis und bestimmte Lebenssituationen zugeschnitten sind. Für den Zweck der Vorsorge zur Ausbildung oder ähnlichen Zwecken, hat sie daher die Ausbildungsversicherung kreiert.

          Eine Ausbildungsversicherung ist eigentlich nur eine Variante der altbekannten Kapital-Lebensversicherung. Sie ist indes in aller Regel mit allerlei Extras versehen, vor allem aber ist sie dazu gedacht, für die Kosten einer späteren Ausbildung der Kinder aufzukommen.

          Angebote sind kaum vergleichbar

          Die Versicherungssumme wird zu Beginn des Studiums oder einer anderen Berufsausbildung fällig, üblicherweise zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Die Beiträge zahlt der Versicherte, zumeist ein Eltern- oder Großelternteil. Für den Fall, daß die versicherte Person stirbt, übernimmt die Versicherungsgesellschaft die Zahlung der Beiträge bis zum vereinbarten Zeitpunkt. Stirbt das Kind, kann eine andere Person begünstigt werden.

          Aussagen darüber, inwieweit sich Ausbildungsversicherungen lohnen, sind sehr schwierig. „Die Produkte enthalten sehr unterschiedliche Zusatzleistungen. Das macht die Vergleichbarkeit sehr schwierig.“, sagt Oliver Mack vom Online-Versichererungsbroker Insurance City. Grundsätzlich müsse sich der Kunde entscheiden, ob er nur sparen will oder einen Rundumschutz für Unfall, Krankheit oder Invalidität. Das zeigt der Blick auf die zehn Produkte, die Versicherungsmakler in einer Umfrage des Experten-Netzwerks für die wichtigsten hielten und von großen Gesellschaften angeboten werden.

          Allein schon die Renditeberechnung ist kompliziert. Nicht nur zwischen einer Einmalanlage und einem Regelbeitrag ist zu unterscheiden, sondern auch das Alter des Versicherten ist zu berücksichtigen. Generell empfiehlt es sich, als Versicherten einen Elternteil aufgrund des geringeren Lebensalters zu benennen. Das Geschlecht des Kindes stellt zwar ein Unterscheidungsmerkmal dar, ist aber im Endeffekt für die Ablaufleistung kaum relevant.

          Nur drei Produkte als Einmalanlage möglich

          Von den zehn Produkten sind lediglich drei als Einmalanlage möglich. Dies liegt vor allem an steuerlichen Gegebenheiten, da eine steuerfreie Auszahlung nur bei mindestens fünf Jahren Beitragszeit möglich ist. Das „Juniorenpaket“ der Hamburg-Mannheimer behilft sich dabei mit einem Trick: Die 15.000 Euro werden in ein Depot eingezahlt, aus dem dann die Beiträge bestritten werden. Dies wird dann mit 3,75 Prozent verzinst.

          Das begründet auch, warum die Police In der Beispielrechnung des Versicherungsmaklers Insurance City für eine Police von 18 Jahren Laufzeit bei einem Kind eines 32jährigen Mannes bei der garantierten durchschnittlichen Rendite pro Jahr mit einem Wert von 2,22 Prozent am besten abschneidet, während „Freelax Junior“ des britischen Versicherers Standard Life und „Löwenkinds“ der Generali nur auf Renditen pro Jahr von durchschnittlich 0,65 bzw. 0,81 Prozent kommen.

          Geht man von den prognostizierten Ablaufleistungen aus, so ändert sich das Bild grundlegend. Die höchste Rendite stellt mit 5,4 Prozent Standard Life in Aussicht - no risk, no fun. Ausgezahlt wird entweder als lebenslange Rente, einmalig oder als Mischform. Die Hamburg-Mannheimer prognostiziert dagegen nur wenig mehr als sie garantiert, nämlich 3,67 Prozent. Die Generali Löwenkids liegt bei 5,33 Prozent.

          Versicherungs-, keine Sparprodukte

          Entscheidend bei der Auswahl aber sind auch die Konditionen. Denn „Löwenkids“ deckt im Todesfall lediglich die eingezahlten Beiträge ab. Die Hamburg-Mannheimer bietet eine Beitragsfreistellung, während Standard Life nur den jeweils höchsten Wert von Rückkaufswert, Deckungskapital und Summe der Beiträge garantiert. Die Renditen und Bedingungen für Mädchen weichen bei diesen drei Produkten - wenn überhaupt - nicht nennenswert ab.

          Legt man den Betrag von 15.000 Euro nicht auf einmal an, sondern in regelmäßigen Sparbeiträgen von 70 Euro, wird die Auswahl schon größer. Unter den garantierten Ablaufleistungen sticht mit 58.309 Euro sofort die „Tip-Top-Tabaluga“ der Universa hervor. Doch die Kapitalauszahlung kann erst mit Lebensalter 60 erfolgen. Ist die versicherte Person also - wie im Rechenbeispiel - erst 32 beträgt die Laufzeit mindestens 28 Jahre. Wieder einmal zeigt sich, daß die Policen nicht wirklich vergleichbar sind.

          Nach unten fällt die „Biene Maja“ der Nürnberger auf. Sie garantiert nach 18 Jahren nur eine Ablaufleistung von weniger als 25 Prozent der gezahlten Beiträge - weil sie vor allem ein Versicherungsprodukt ist, das auf Todesfall- und optional auf Berufsunfähigkeitsrisiken abstellt - weniger ein Sparprodukt.

          Ansonsten ergeben sich im Regelfall prognostizierte Renditen im Bereich von 3,3 bis 4,68 Prozent. Die garantierten Renditen liegen unter zwei Prozent, bisweilen sogar im negativen Bereich. Kurz und gut: Eine Ausbildungsversicherung ist wie der Name schon sagt, vornweg ein Versicherungsprodukt, mit dem man sich selbst und sein Kind, bzw. dessen Nachwuchs gegen Schicksalsschläge des Lebens absichert. Das Renditeziel ist allenfalls Beiwerk. Daher lohnt es sich womöglich eher, eine Risikolebensversicherung und eine Unfallversicherung abzuschließen und das übrige gebliebene Geld in renditeträchtigere Produkte zu investieren.

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