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Commerzbank und Deutsche Bank : Ein Investmentbanker bekommt so viel wie ein kompletter Vorstand

Unternehmenszentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Deutsche Bank erzielt weniger als halb so viel Gewinn wie die Commerzbank. Angesichts dessen ist dieser Gehaltsvergleich brisant.

          Oft ist zu hören, die beiden wahrscheinlichen Fusionspartner Deutsche Bank und Commerzbank trennten kulturell Welten. Was das bedeutet, ist nicht leicht zu fassen, geht es doch hier vor allem um den Ruf, den Zehntausende Mitarbeiter bei Kunden und in der Öffentlichkeit haben.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber ein Zeichen für die Unternehmenskultur ist auch, wie die Mitarbeiter und der Vorstand bezahlt werden. Nach der Deutschen Bank hat dazu jetzt auch die Commerzbank in ihrem Geschäftsbericht am Mittwoch Details veröffentlichen müssen. Und siehe da: In der Commerzbank verdient, anders als in der Deutschen Bank, der Vorstandschef von allen Vorstandsmitgliedern das meiste.

          Das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den beiden Banken, die seit eineinhalb Wochen offiziell über eine Fusion verhandeln. 2018 sank die gesamte Vergütung des Commerzbank-Chefs Martin Zielke von 2,9 auf knapp 2 Millionen Euro. Christian Sewing, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, kam 2018 auf 7 Millionen Euro.

          Halb so viel Gewinn, dafür höhere Gehälter

          Und obwohl die Deutsche Bank mit 341 Millionen Euro nicht einmal halb so viel Gewinn erzielt hat wie die Commerzbank, verdienten etliche Deutsche-Bank-Mitarbeiter sogar noch mehr. Der für das Investmentbanking zuständige Vorstand Garth Ritchie erhielt 8,6 Millionen Euro, zwei weitere Investmentbanker zwischen 8 und 9 Millionen Euro Jahresgehalt.

          In der Commerzbank dagegen erhielten die sieben Vorstandsmitglieder für 2018 zusammen 8,8 (Vorjahr: 11,5) Millionen Euro. Bei unverändertem Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro sank der Bonus des Vorstandsvorsitzenden Zielke deutlich von 1,4 Millionen Euro auf 440.000 Euro.

          Falls die Commerzbank ihre Jahresziele zu einhundert Prozent erfüllt, soll Zielke eigentlich 1,6 Millionen Euro an Bonus erhalten. Obwohl sie 2018 ihren Gewinn auf 865 (Vorjahr: 128) Millionen Euro versiebenfachte, musste die Commerzbank ihre 2016 für 2020 ausgegebenen Ertrags- und Gewinnziele aufgeben.

          Auf der Bilanzpressekonferenz im Februar war Zielke auch für 2019 eine Gewinnprognose schuldig geblieben. „Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir unter dem Strich ein leicht höheres Konzernergebnis als im Vorjahr“, schrieb Zielke nun an die Aktionäre, ohne auf die Fusion mit der Deutschen Bank einzugehen. Der Commerzbank-Aktienkurs legte daraufhin am Mittwoch kräftig um 4 Prozent zu, die Aktie der Deutschen Bank stieg immerhin um 2 Prozent.

          Bonikürzung sorgt für Unmut

          Zielke kündigte für die Commerzbank eine unveränderte Dividende von 20 Cent je Aktie an. Noch nie nach Ausbruch der Finanzkrise konnte die teilverstaatlichte Bank zwei Jahre hintereinander Dividende zahlen. Doch nun bekommen die Aktionäre nach der Hauptversammlung im Mai wieder insgesamt 250 Millionen Euro ausgeschüttet.

          Das ist – ein weiterer Unterschied zur Deutschen Bank – mehr, als an Boni insgesamt an die Mitarbeiter fließt. In der Commerzbank erhalten die nicht tariflich bezahlten, also etwa die Hälfte der 49.000 Mitarbeiter, für 2018 insgesamt 134 Millionen Euro an Boni – deutlich weniger als im Vorjahr mit 229 Millionen Euro.

          Die Bonikürzung sorgte in den vergangenen Wochen schon für viel Unmut in der durch die Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank stark verunsicherten Belegschaft. „Die Deutsche Bank zahlt den tariflich gebundenen Mitarbeitern ja noch ein 14. Monatsgehalt, vielleicht wird es für mich besser“, sagt dagegen dieser Tage ein Commerzbank-Mitarbeiter der F.A.Z.

          Die Deutsche Bank zahlt also in vielerlei Hinsicht deutlich mehr als die Commerzbank – allerdings nicht an ihre Aktionäre. Die erhalten in diesem Jahr an Gewinnausschüttung aus Dividenden voraussichtlich 277 Millionen Euro. Dagegen hat die Deutsche Bank insgesamt 1,9 Milliarden Euro an Boni ausgeschüttet und damit 2018 immerhin 643 Mitarbeiter zu Gehaltsmillionären gemacht. Dagegen verdiente 2018 jedes Vorstandsmitglied in der Commerzbank kaum mehr als eine Million.

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