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Gastkommentar, Teil 2 : Die künftige Rolle Asiens und der USA in der Weltkonjunktur

  • -Aktualisiert am

Wer zieht die Weltwirtschaft ins nächste Jahrtausend? Bild: dpa

          3 Min.

          Es gibt allerdings einige Anzeichen für ein Erreichen der Talsohle im Exportkonjunkturzyklus Asiens . Dies gilt für Taiwan, Korea, Malaysia, Singapur und Thailand. In all diesen Fällen sind die Anzeichen für eine Erholung der Exportzahlen jedoch hauptsächlich als “Basisjahreffekt“ zu werten; der Abschwung verlangsamt sich nur im Verhältnis zum früheren Niveau.

          Nach Schätzungen unseres Wirtschaftsexperten für Asien und den pazifischen Raum, Andy Xie, werden die Exporte in Asien (ausgenommen China und Japan) dieses Jahr um 5,5 Prozent steigen und 2003 um 10,4 Prozent. Das ist deutlich weniger als der Anstieg um beinahe 14 Prozent, der für eine Erholung der asiatischen Exporte typisch wäre. Solch eine schwache Erholung des asiatischen Exportkonjunkturzyklus spiegelt die von uns erwartete unterdurchschnittliche Erholung in den Industrienationen wieder - und gibt damit dieser von anderen bestimmten Region wenig Möglichkeiten, eine Erholung der Weltwirtschaft herbeizuführen.

          Chinas Gewicht ist noch zu gering

          China bildet weiterhin eine wichtige Ausnahme bei Trends, die Asien und die anderen Entwicklungsländer betreffen. Als ich Ende November zum letzten Mal dort war, verbreitete sich die Sorge, China könnte nun doch den Druck der synchron ablaufenden Rezession, in der sich die Welt befindet, zu spüren bekommen. Das Land war zwar vom Abschwung im IT-Konjunkturzyklus nur wenig betroffen, aber es schien gute Gründe für die Ansicht zu geben, dass das weltweite Nachlassen der Verbrauchernachfrage nach den Ereignissen vom 11. September auch die chinesischen Exporte negativ beeinflussen würde.

          Die neuesten Exportdaten scheinen diese These aber zu widerlegen. Die chinesischen Exporte stiegen bis zum Jahresende 2001 um 11,5 Prozent; dies ist eine deutliche Erhöhung im Vergleich zu dem Anstieg um 0,1 Prozent, mit dem man im Oktober gerechnet hatte. Da die Auslandsnachfrage weniger gesunken ist, als ich erwartet hätte, werden die Bemühungen der Regierung, die Binnennachfrage durch schnellere Investitionen in die Infrastruktur und Reformen beim Wohnungsbesitz anzukurbeln, einen größeren Einfluss auf die Nachhaltigkeit des chinesischen BIP-Wachstums haben.

          Das ist zwar für Asien sehr gut, hat aber keinen wirklich positiven Effekt auf die Weltwirtschaft. Das liegt daran, dass China immer noch nur einen relativ kleinen Teil der Weltwirtschaft ausmacht - es trägt gegenwärtig nur etwa drei Prozent (berechnet nach Marktpreisen) zum weltweiten BIP bei. In zehn Jahren könnte eine schnell wachsende chinesische Wirtschaft groß genug sein, als unabhängiger globaler Wachstumsmotor zu dienen. Es ist jedoch noch viel zu früh, schon 2002/03 diese Rolle von China zu erwarten.

          Tiefgreifende Wandlung des US-Wachstumsparadigmas

          Also endet die Suche nach einem Wachstumsmotor wie immer in den USA. Ich glaube weiterhin, dass die Ergebnisse einer solchen Suche im Jahr 2002 enttäuschend sein werden, besonders wenn Amerika wirklich von einer doppelten Rezession heimgesucht wird. Aber selbst wenn es nicht dazu kommt und die amerikanische Rezession nun vorbei ist, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Welt noch einmal ein solches von Amerika angeführtes, schwungvolles Wachstum erleben wird wie Ende der Neunzigerjahre. Das liegt zu einem Großteil daran, dass die US-Konjunktur durch die Nachwirkungen der Überhitzung der wilden Neunziger weiter behindert werden wird - besonders durch eine niedrige Sparquote, die hohe Verschuldung von Privatpersonen und ein massives Leistungsbilanzdefizit.

          Letztendlich bin ich immer noch der Meinung, dass es in dieser Rezession darum geht, diese strukturellen Ausschweifungen endgültig zu beenden. Ich kann mir jedoch kaum vorstellen, dass dies ohne eine längere Periode unterdurchschnittlichen Wachstums der US-Binnennachfrage möglich ist. Dadurch wäre nicht nur der schon lange andauernde Konsumboom bedroht, sondern auch die bisher durch nichts zu erschütternde Stärke des Dollar ernstlich in Frage gestellt. Diese tiefgreifenden Veränderungen des US-Wachstumsparadigmas könnten die spektakulären Rekordzahlen der späten Neunzigerjahre nun ins Gegenteil verkehren. Schon aus diesem Grund kann ich kaum glauben, dass die Welt auf viel Unterstützung durch eine derart behinderte US-Führung hoffen kann.

          War die weltweite Erholung des Jahres 1999 der letzte Begeisterungssturm für ein von den USA angeführtes Wachstum? Vor drei Jahren, inmitten der weltweiten Finanzkrise, gaben wir uns mit unserem Szenario des “globalen Heilungsprozesses“ noch sehr positiv. Im Nachhinein könnte das der letzte Begeisterungssturm für den großartigen Wachstumsmotor USA gewesen sein. Bis ein neuer gefunden ist, wird die antriebslose Weltwirtschaft möglicherweise eine schwere Zeit durchmachen müssen.

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