https://www.faz.net/aktuell/finanzen/gamestop-aktie-was-sich-seit-dem-hype-veraendert-hat-17744439.html

Gamestop-Aktie : Gamestop, ein Jahr nach dem Hype

Vlad Tenev ist Gründer der Börsenhandelsplattform Robinhood. Bild: AFP

Im Januar 2021 wagten Kleinanleger den Aufstand gegen mächtige Börsenprofis. Was ist davon geblieben?

          6 Min.

          Am 8. Januar 2021, einem Freitag, begann der Kurs einer Aktie plötzlich zu steigen, von der die meisten Menschen noch nie gehört hatten. Gamestop hieß das Unternehmen, das auf einmal die Anleger in aller Welt in Atem hielt.

          Sarah Huemer
          Redakteurin im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei hatte die Firma mit Sitz in Grapevine, Texas, nichts vorzuweisen, was eine Erfolgsgeschichte an der Börse rechtfertigen würde. Im Gegenteil: Gamestops große Zeit waren die Nullerjahre gewesen, als die Fans sich für den Kauf des neuesten Videospiels noch auf den Weg ins nächstgelegene Geschäft machten. Oft war dies eine Filiale von Gamestop, denn das Unternehmen begann als Einzelhandelskette für Videospiele.

          Aber wer braucht solche Filialen heutzutage noch? Das war das Unheimliche an jener Kursbewegung, die vor einem Jahr einsetzte. Eigentlich hatte Gamestops Geschäftsmodell längst alle Coolness verloren. Nur nostalgische Videospielefans der ersten Stunde schienen dem nachzutrauern, Investoren hatten die Aktie zuvor jahrelang links liegen gelassen.

          Klein gegen Groß

          Doch vom 8. Januar 2021 bis zum 28. Januar, also in weniger als drei Wochen, stieg der Kurs um sagenhafte 2700 Prozent bis auf 483 Dollar. Ende Januar handelten nach Daten der amerikanischen Börsenaufsicht fast 900 000 Menschen mit der Aktie, auch das ein erstaunlicher Wert.

          Keith Gill, genannt „Roaring Kitty“, hat Gamestop  populär gemacht.
          Keith Gill, genannt „Roaring Kitty“, hat Gamestop populär gemacht. : Bild: F.A.Z.

          Was war da passiert? Die Welt konnte einer Konstellation zusehen, wie sie sich Hollywood-Produzenten nicht besser hätten ausdenken können (folgerichtig plant Netflix angeblich eine Verfilmung): Einfache Anleger – eine Gruppe, der in jüngster Vergangenheit kaum noch Einfluss auf das Marktgeschehen zugesprochen wurde – forderten Börsenprofis heraus. Ein faszinierendes Aufeinandertreffen.

          Wie diese Herausforderung der Profis ablief, ist technisch ein bisschen kompliziert, aber stark vereinfacht in etwa so geschehen: Hedgefonds sind eine spezielle Spielart von Investmentfonds, die sowohl auf steigende als auch auf fallende Aktienkurse spekulieren können.

          Bei kaum einem Unternehmen hatten sie damals stärker auf fallende Kurse gesetzt als bei Gamestop – und zwar aus dem bereits genannten Grund: Eine Einzelhandelskette für Videospiele scheint in Zeiten des Onlinehandels nicht mehr wirklich nötig zu sein. Vornehmlich jüngere Anleger, die sich über die Social-Media-Plattform Reddit austauschten, stellten sich dieser Spekulation entgegen. Sie verabredeten sich zum Kauf, was den enormen Kurssprung der Gamestop-Aktie auslöste.

          Bild: F.A.Z.

          Das führte zu einer Situation, die man an den Finanzmärkten als „Short ­Squeeze“ bezeichnet: Als die Hedgefonds merkten, dass die Kurse sich völlig anders entwickelten als gedacht, fügte das ihren Portfolios enormen Schaden zu, den sie dringend begrenzen mussten.

          Dies geht technisch nur, indem auch sie nun Gamestop-Aktien kauften, was den Kursanstieg noch einmal zusätzlich verstärkte. Die jungen Anleger, die oft martialisch „Reddit Army“ (Reddit-Armee) genannt werden, hatten die Profis mit ihren eigenen Waffen geschlagen, so schien es.

          Ein Jahr später

          Heute allerdings notiert der Kurs wieder viel tiefer. Damals waren die Hoffnungen groß, dass die Ereignisse rund um Gamestop auch manch Gutes bewirken könnten abseits des Spektakels, das der Hype zweifelsohne bot: eine Demokratisierung der Finanzmärkte beispielsweise und Waffengleichheit zwischen Kleinanlegern und Profis.

          Nun, ein Jahr später, muss man feststellen: In vielen Punkten ist dem Hype Ernüchterung gewichen. Aber, und das ist die gute Nachricht, eben nicht überall.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der ehemalige Ballettdirektor des Bayerischen Staatsballetts, Igor Zelensky

          Münchens früherer Ballettchef : Ein Kind mit Putins Tochter

          Doppelleben: Die frühere Münchener Ballettchef Igor Zelensky und Putins zweite Tochter Katerina Tichonowa sind liiert und haben ein gemeinsames Kind. Tichonowa ist eine der besten Partien in Russland.
          Abzug: Auf diesem Foto des russischen Verteidigungsministeriums sollen ukrainische Soldaten zu sehen sein, die „Asowstal“ verlassen.

          Krieg in der Ukraine : Die letzten Tage von Asowstal

          Die Verteidiger der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben den Befehl zum Aufgeben bekommen. Zuvor hatten sie die Stadt über viele Wochen gegen die russische Armee verteidigt. Was aus ihnen wird, ist unklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Tarifportal
          Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
          Kapitalanlage
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis