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Fusionen : Durchwachsene Bilanz

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Fressen und gefressen werden Bild: FEM

Übernahmen sind nicht immer erfolgreich. Laut Studien liegt die Erfolgsquote nur zwischen 20 und 50 Prozent. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Schweiz ermittelte kritische Faktoren.

          In einer Studie hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Schweiz die kritischen Erfolgsfaktoren bei Unternehmenstransaktionen von Schweizer Unternehmen ermittelt. Wie die Analyse zeigt, tätigten nur 33 Prozent der untersuchten Unternehmen wertschöpfende Transaktionen, 13 Prozent erzielten keinen messbaren Erfolg und 54 Prozent reduzierten sogar den Marktwert ihres Eigenkapitals. Interessant daran ist: die „Erfolgsquote“ der Schweizer Unternehmen liegt trotzdem noch immer etwa doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt.

          Große Schwierigkeiten entstehen vor allem bei Auslandsakquisitionen. Die im Inland umgesetzten Transaktionen erwirtschafteten nach einem Jahr eine Rendite von etwa zwölf Prozent, während der Gang über die Grenze im Schnitt eine negative Rendite brachte.

          Befragung zeigt die kritischen Faktoren

          An erster Stelle bei den Problemen steht der so genannte Due Diligence-Prozess. Mit dessen Hilfe sollen die Chancen und Risiken eines Unternehmenskaufs identifiziert werden. Es handelt sich dabei um eine umfassende Unternehmensanalyse, die mikro- und makroökonomische Aspekte berücksichtigt, aber auch interne, externe und harte und weiche Faktoren mit einschließt. Beantwortet werden soll damit die Frage nach dem fairen Preis für das Zielobjekt, der Struktur und Finanzierung der Transaktion, Fristen und Konditionen, der Integrationsplanung, der Funktionalität der neuen Unternehmung, der benötigten Zeit und nicht zuletzt nach der richtigen „Transaktions-Bank“.

          Für die Abwicklung der Tranksaktion muss zweitens eine wirksame Übergangsstruktur geschaffen werden. Es ist schnelles und faires Handeln notwendig, um vorhandene Unsicherheiten zu reduzieren. Kritisch ist dabei auch die Auswahl des neuen Managements. Immer öfter werden dafür „Management Assessments“ eingesetzt.

          Drittens ist die Identifizierung und Bewertung möglicher Synergien einer der wichtigsten Erfolgsgaranten. Synergien helfen vor allem beim Festlegen des maximalen Kaufpreises. Je mehr Synergien möglich sind, desto höher darf der Kaufpreis ausfallen. Wird allerdings des maximale Kaufpreis bezahlt, so geht die gesamte potenzielle Wertschöpfung auf den Verkäufer über. Die größten Synergiepotentiale wurden bei einer Umfrage von Umsatzvorteilen erwartet. Dabei wird eher an eine Effizienzsteigerung als an neue Märkte gedacht.

          Vierter Erfolgsfaktor ist die Kommunikation. Die Transaktion muss „verkauft“ werden, um Mitarbeiter, Kunden, Banken und Aktionäre vom Potenzial der Maßnahme zu überzeugen. Dabei traten in der Untersuchung am ehesten Schwierigkeiten zwischen Untenehmen und Gewerkschaften als zwischen den anderen Gruppen auf.

          Zusammen mit der Synergiebewertung stellt die Planung der Integration als fünfter Faktor einen zentralen Schlüssel für den Erfolg einer Fusion oder einer Übernahme dar. Es muss ermittelt werden, wo die Risiken und Unsicherheiten liegen und vor allem wie die Synergien effektiv realisiert werden können. So haben möglicherweise viele Kunden während der Transaktion den Eindruck, vernachlässigt zu werden und wandern ab. Nach dem Zusammenschluss müssen deswegen unter anderem die Kundenbeziehungen möglichst schnell wieder aufgenommen werden.

          Auch wenn in der Literatur die Unternehmenskultur als wichtiger Faktor genannt wird, scheint er in der Realität nur bedingt wichtig zu sein. Genannt wurde er meist nur, wenn das Unternehmen in einen Markt mit neuen Regeln eintreten wollte. Zum Beispiel in ein Land mit anderer Mentalität, Kultur und Art und Weise der Kommunikation.

          Chancen und Risiken abwägen

          So sollten im gesamten Prozess die Chancen und Risiken einer Übernahme oder Fusion gegeneinander abgewogen werden. Er sollte möglichst nur dann gehandelt werden, wenn sich Vorteile erzielen lassen. Schließlich gibt es auch andere Möglichkeiten. Gerade wenn die Übernahmeprämien in einer Branche sehr hoch sind, sollten Alternativen wie strategische Allianzen, Joint Ventures oder nur Minderheitsbeteiligungen als Alternativen in die Überlegungen einbezogen werden.

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