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Fukushima-Betreiber : Tepco sucht Partner in Japan

Internationale Journalisten vergangenen Juli am havarierten Kernkraftwerk in Fukushima. Bild: AFP

Sieben Jahre nach der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zeichnen sich in der japanischen Atomwirtschaft zaghafte Schritte zu einer Konsolidierung ab. Es laufen Gespräche zwischen dem dem Betreiber Tepco, Toshiba, Hitachi und Chubu Electric.

          In der japanischen Atomwirtschaft bahnt sich eine wichtige Umstrukturierung an. Der Betreiber des havarierten Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, Tepco, diskutiert eine Vierer-Allianz mit Toshiba, Hitachi und dem regionalen Energieversoger Chubu Electric Power. Die Unternehmen erwägen, eine gemeinsame Gesellschaft für den Betrieb und den Abriss von Kernkraftwerken zu gründen. Das Gemeinschaftsunternehmen könnte zum Nukleus werden, um alle Aktivitäten der Beteiligten rund um die Atomenergie unter einem Dach zu bündeln. Für die Regierung hätte eine solche Lösung den Charme, dass sie nukleares Know-how in Japan halten könnte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung hat in Japan eine sehr unsichere Zukunft. Seit der Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima Daiichi im Jahr 2011 leiden die Energieversorger unter steigenden Kosten für die Sicherheit der Reaktoren. Nur 8 von früher mehr als 50 Reaktoren Reaktoren sind derzeit am Netz, nachdem sie die neuen verschärften Sicherheitsstandards erfüllen. Tepco und Chubu Electric haben noch keine Reaktoren wieder in Betrieb genommen. Das belastet ihre Bilanzen, weil sie auf teurere Art und Weise Strom produzieren müssen. Eine gemeinsame Betriebsgesellschaft, so wird vermutet, könnte den Unternehmen helfen, Kosten zu sparen und ihnen eine Zukunft im Kernenergiegeschäft in Japan sichern.

          Jedes Unternehmen hat seine Probleme

          Die vier an den Gesprächen beteiligten Unternehmen haben zurzeit alle ihre besonderen Probleme mit der Kernenergie. Tepco, oder in der Langfassung Tokyo Electric Power Company Holdings, arbeitet an der Sicherung und dem langfristig geplanten Abriss der havarierten Reaktoren. Tepco steht auch vor der Außerdienststellung des benachbarten Kernkraftwerks Fukushima Daini. Das Unternehmen hofft auf die Genehmigung, in einem anderen Kraftwerk zwei Reaktoren wieder ans Netz zu schalten. Bislang vergeblich sucht Tepco nach einem Partner, um den geplanten Bau eines Kernkraftwerks in der Präfektur Aomori wieder aufzunehmen. Das in Nagoya ansässige Chubu Electric hofft, Reaktoren in seinem Hamaoka-Kraftwerk wieder hochfahren zu dürfen.

          Tepco und Chubu Electric haben ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen schon in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt. Ein Zusammengehen auch im Bereich der Kernenergie könnte die finanziellen Risiken für die beiden Unternehmen teilen. Die Kosten für den Abriss von Fukushima Daiichi würden indes bei Tepco bleiben.

          Toshiba zieht sich aus dem internationalen Geschäft mit Kernkraftwerken zurück, nachdem es durch drastische Verluste und Abschreibungen im amerikanischen Kernkraftwerksbau in eine schwere Finanzkrise gerutscht war. Hitachi sucht derweil auch unter den japanischen Energieversorgern Partner für den Bau eines Kraftwerks im Vereinigten Königreich.

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