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Fugger-Erbin im Gespräch : Der sagenhafte Reichtum der Fugger

Stadtansicht der freien Stadt Augsburg im 15. Jahrhundert (Holzschnitt): Von hier aus führte Jakob Fugger sein Handelsimperium, das bald weite Teile Europas umfasste. Bild: akg-images

Zu Lebzeiten war der Kaufmann Jakob Fugger der reichste Mann der Welt. Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger erzählt, wie man 500 Jahre lang sein legendäres Vermögen mehrt. Eine Lektion auch für heutige Unternehmer.

          Die Gräfin wartet schon. Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, allein der Name klingt beeindruckend. Die kleine, elegante Dame, die in einem prächtigen Saal empfängt, ist Nachfahrin des wohl berühmtesten Kaufmanns der deutschen Geschichte: Sie stammt von Jakob Fugger (1459 bis 1525) ab – seine Zeitgenossen verliehen ihm den Beinamen „der Reiche“. Um Fuggers Vermögen ranken sich bis heute allerhand Mythen, Aufzeichnungen seiner Firma kurz vor seinem Tod künden von einem Überschuss von rund 2,1 Millionen Gulden. Dies in heutige Geldsummen umzurechnen sei ein hoffnungsloses Unterfangen, sagen die Historiker, sind sich aber in einem ziemlich sicher: Zu seiner Zeit war Jakob Fugger der wohl reichste Unternehmer Europas, wenn nicht gar der reichste Mann der Welt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gräfin Thun-Fugger repräsentiert die 18. Generation nach dem legendären Urahn. Als Senioratsvorsitzende steht sie an der Spitze der Fuggerschen Familienstiftungen, die einst von Jakob Fugger gegründet wurden und die aufgrund ihrer bald 500-jährigen Geschichte ebenfalls einen Superlativ für sich beanspruchen können: Sie zählen zu den ältesten Stiftungen der Welt.

          Prunkvolle Repräsentationsräume

          Die Fuggerei ist bis heute weltberühmt – eine Wohnsiedlung mit acht Gassen, sieben Toren und einer eigenen Kirche mitten in Augsburg, jener Stadt, die Jakob Fugger zum Zentrum seines Handelsimperiums machte. Hier dürfen „würdige Arme“ (so steht es in der Stiftungsurkunde) gegen einen geringen Obolus eine Wohnung beziehen. Trotz mancher Zerstörungen hat sich die Grundstruktur der Siedlung bis heute nicht verändert. Gut 150 Menschen leben in den 140 Wohnungen und freuen sich, so sagt die Gräfin, wenn sie auf die neugierigen Touristen treffen, die auch an diesem verregneten Juni-Tag durch die Gassen streifen.

          Der Saal, in dem Gräfin Thun-Fugger empfängt, ist das Sitzungszimmer der Stiftung. Hier sieht vieles so aus, wie man sich einen Raum aus längst vergangenen, aber glorreichen Zeiten vorstellt – gepolsterte Stühle, ein schwerer Holztisch, Ölgemälde an den Wänden. Thun-Fugger hat am Kopfende des Tisches Platz genommen, ihr Händedruck ist fest. Sie stellt sich freundlich vor, aber äußerst knapp: „Fugger.“

          Hochzeitsbild von Jakob Fugger und seiner Ehefrau Sibylla Artzt, 1498

          Gräfin Fugger, wie darf ich Sie anreden?

          Sagen Sie einfach Frau Fugger, meinen Titel benutze ich nur selten. Mir ist nichts unangenehmer, als wenn man den Friseurladen betritt und es einem schon am Eingang entgegenschallt: Grüß Gott, Gräfin.

          Wie reagieren die Menschen, wenn Sie Ihren Namen nennen?

          O, das ist sehr unterschiedlich. Manche erkennen ihn gleich und wollen dann sofort alles über unsere Familiengeschichte wissen. Andere reagieren eher negativ, so nach dem Motto: Mit Leuten, die als reich gelten, möchten wir nichts zu tun haben. Gar nicht so wenige aber, und das finde ich dann doch erstaunlich, haben den Namen noch nie gehört. Dann muss ich buchstabieren: F-U- zweimal Gustav, Emil, Richard.

          Welch große Wirkung der Name heute noch entfalten kann, zeigt sich, als die Gräfin zu einem Rundgang über das Gelände der Fuggerei bittet. Zwei Touristen aus Frankreich sprechen sie an und sind ganz entzückt, als sie erfahren, wer da vor ihnen steht. Da Thun-Fugger zudem fließend Französisch spricht, weichen sie ihr während des Rundgangs nicht mehr von der Seite und wollen vor allem eines wissen: Was war Jakob Fugger für ein Mensch?

          Blick auf die Fuggerei in Augsburg: Die von Jakob Fugger 1521 gegründete Stiftung betreibt eine Wohnsiedlung für Bedürftige und existiert bis heute.

          Stört es Sie manchmal, wenn man ständig auf einen Menschen angesprochen wird, den man selbst nie kennengelernt hat?

          Nein, ich bin eher stolz darauf. Es ist doch ein tolles Gefühl, wenn man durch Augsburg spaziert und sagen kann: Beim Bau dieser Kirchen hat mein Vorfahre finanziell mitgeholfen, oder wenn man sich bewusstmacht, wie viele andere Gebäude er gesponsert hat.

          Wie wächst man auf, wenn man den Namen Fugger trägt?

          Ich bin heute 68 Jahre alt, habe also eine eher altmodische Erziehung genossen. Meine Eltern haben immer vorausgesetzt, dass ich alles über die Geschichte meiner Familie weiß. Als dann doch einige Defizite zutage traten, hat man mir historische Fachbücher zu Jakob Fugger in die Hand gedrückt – dabei habe ich mit zwölf Jahren natürlich viel lieber Karl May gelesen.

          Was konnte Sie am Ende dann doch für Jakob Fugger begeistern?

          Fasziniert hat mich, dass er mit Kaiser Karl V. Geschäfte gemacht hat. Im Geschichtsbuch wurde Karl als Kaiser bezeichnet, in dessen Reich die Sonne niemals untergeht. Das empfand ich als spannend.

          Wie konnte Fugger so reich werden?

          Über Jakob Fugger kursieren unendlich viele Geschichten, es scheint kaum einen Fürsten, König oder Kaiser seiner Zeit gegeben zu haben, mit dem er keine Geschäftsbeziehung unterhielt. Nicht alles lässt sich heute noch verifizieren. Fuggers Verhältnis zu Kaiser Karl V. (1500 bis 1558) ist aber verbürgt und darf in keinem Geschichtsbuch fehlen. Die Kurzversion geht so: Jakob Fugger hat mit seinem Geld dafür gesorgt, dass Karl zum Herrscher des Heiligen Römischen Reiches gewählt wurde. Nicht wenige Bücher (auch die jetzt auf Deutsch erscheinende Biographie „Der reichste Mann der Weltgeschichte“ von Greg Steinmetz, Finanzbuchverlag) beginnen mit dieser Szene. Sie illustriert, zu welchem Einfluss es der Augsburger Kaufmann in seinem Leben gebracht hatte, und wirft gleichzeitig eine Frage auf: Wie konnte Jakob Fugger in kurzer Zeit nur so reich werden? Was war sein Geheimnis?

          Wenn man sie danach fragt, nennt Gräfin Thun-Fugger wie aus der Pistole geschossen vier Stichworte, die erstaunlich modern klingen: Ausgangsbasis, Sachwerte, Networking und Nachrichtenwesen. Um Fuggers Geheimnis zu lüften, lohnt es sich, sie näher in Augenschein zu nehmen.

          Die Küche in einer historischen Museumswohnung in der Fuggerei in Augsburg - diese gilt als älteste erhaltene Sozialsendung der Welt.

          Fangen wir mit der Ausgangsbasis an: Jakob Fugger musste nicht bei null beginnen, schon sein Großvater Hans Fugger hatte einige wichtige Schritte getan. Er war der Erste seiner Familie, den es in die Stadt zog. 1367 ging er nach Augsburg, damals eine aufstrebende Metropole, und brachte es dort als Webermeister mit Geschick zum Großhändler für Tuche aller Art. Von Vorteil für seinen Aufstieg war auch, dass er sich die Tochter des Zunftmeisters der Weber zur Frau nahm – so wusste er bestens über alles Bescheid, was in der Augsburger Geschäftswelt vor sich ging. Die erste Lektion zum Reichwerden lautet also: Es schadet nie, eine reiche und einflussreiche Frau zu heiraten.

          Mit Risiko zum Reichtum

          Wie aber macht man nun mehr aus dem, was einem die Vorväter überlassen haben? Der Historiker Mark Häberlein schreibt dazu: „Man muss den Blick für neue geschäftliche Möglichkeiten haben.“ Den hatte Jakob Fugger mehr als die meisten Menschen seiner Zeit. Damals kam gerade in großem Maße der Abbau von Metallen wie Silber und Kupfer auf. Die Fürsten der Region hatten darauf häufig ein Vorkaufsrecht. Sie befanden sich aber auch in ständiger Auseinandersetzung mit anderen Adelshäusern und brauchten für ihre Kriege dauernd neues Geld. Fugger erkannte, welch wunderbares Geschäft sich damit machen ließ. Er lieh den Fürsten Geld und ließ sich als Tilgung dafür beispielsweise das günstige Vorkaufsrecht an Silber abtreten. Sein Kredit war also physisch besichert, wie die Rohstoffhändler heute sagen würden. Er war so längst nicht mehr nur ein Händler für Tuche, sondern nun auch ein Bankier.

          Schlafzimmer in der Augsburger Fuggerei.

          Dass er Geld zum Verleihen übrig hatte, hatte nicht nur damit zu tun, dass das Geschäft mit den Tuchen so hervorragend lief. Sondern dafür gab es noch einen zweiten Grund: Wegen der guten, schon vom Großvater aufgebauten Beziehungen zur besseren Augsburger Gesellschaft konnte Jakob Fugger auch Kapital mobilisieren, indem er den reichen Familien anbot, deren Geld als Einlage anzunehmen – zu einem attraktiven Zinssatz, versteht sich. Anfangs waren die Kredite, die Fugger an die Fürsten vergab, noch recht gering. Doch schnell muss ihm klargeworden sein: Zum reichsten Mann der Welt wird man auf diese Weise nicht. Mehr Risiko musste her!

          Der Kaufmann sah seine Chance gekommen, als niemand mehr einem heute vergessenen Tiroler Erzherzog Geld für dessen kriegerische Unternehmungen leihen wollte. Dieser Erzherzog, Sigismund mit Namen, besaß aber das Vorkaufsrecht für eine der ertragstärksten Silberminen des Landes. Jakob Fugger mobilisierte auf allen möglichen Wegen die gewaltige Summe von 100.000 Gulden und lieh sie dem Herzog. Im Gegenzug musste ihm der Adlige das Vorkaufsrecht für das gesamte Silber seiner besten Minen abtreten. Der heikle Deal ging auf: Schlagartig war Fugger ein wirklich reicher Mann. Die zweite Lektion zum Reichwerden heißt also: Setze auf Sachwerte und geh aufs Ganze!

          Hilfreiche Beziehungen

          So ähnlich ging Fugger in der Folge immer wieder vor: Nach gleichem Muster rollte er den europäischen Kupferhandel auf. So sehr ins Risiko wie bei seinem Geschäft mit Sigismund musste der Kaufmann aber nun gar nicht mehr gehen. Da er jetzt in vielen unterschiedlichen Geschäftszweigen (Tuche, Silber, Kupfer) tätig war, glichen sich die Risiken eines Geschäftsfeldes durch die Gewinne in einem anderen aus. Der moderne Begriff dafür lautet Diversifikation.

          Das war aber noch längst nicht alles. Fugger verstand sich auch glänzend auf das, was seine Nachfahrin als „Networking“ bezeichnet. So ist überliefert, dass er prächtige Feste ausrichtete, bei denen sich alle wichtigen Leute sehen lassen mussten: Selbst Kaiser Maximilian I. (1459 bis 1519), der sich zur Veranstaltung von Reichstagen häufig in Augsburg aufhielt, war dort ständiger Gast. Sogar sein Liebesleben stellte Jakob Fugger gänzlich in den Dienst der eigenen Firma. Im Alter von 39 Jahren heiratete er die erst 18-jährige Sibylla Artzt, deren Familie zu den alteingesessenen Augsburger Großgrundbesitzern gehörte. Damit galt Fugger nun nicht mehr als Emporkömmling und Neureicher, sondern war endgültig Teil des angesehenen Bürgertums. Das ist die dritte Lektion zum Reichwerden, sie ist der ersten verdächtig ähnlich: Tue alles für die richtigen Beziehungen!

          In St. Markus versammeln sich die Bewohner der Fuggerei zum Gottesdienst.

          Frau Fugger, würden Sie sagen, Ihr Vorfahre hat alles dem Geschäft untergeordnet?

          Das weiß ich nicht. Fleißig war er sicherlich, aber ansonsten glaube ich nicht, dass es uns möglich ist, einen Menschen des ausgehenden Mittelalters charakterlich zu bewerten.

          Auf Gemälden wird Fugger oft sehr ernst dargestellt.

          Ja, das stimmt. Ich habe mich schon immer gefragt, ob beispielsweise das Bild, das Albrecht Dürer von ihm gemalt hat, tatsächlich der Wirklichkeit entspricht. Jakob Fugger wirkt darauf wie ein Mensch, dem es an Lebensfreude fehlt. Andererseits ist überliefert, dass er gerne Neckarwein getrunken und große Feste gegeben hat. Wie er persönlich wirklich war, werden wir wohl nie wissen.

          Ausgeklügeltes Vertriebsnetzwerk

          Fest dagegen steht: Um zum reichsten Menschen der Welt aufzusteigen, bedürfte es noch einer weiteren Zutat – nämlich eines ausgeklügelten Systems an Niederlassungen und eines Nachrichtenwesens. Dahinter verbarg sich im Handelsimperium Jakob Fuggers Folgendes: Der Kaufmann hatte Niederlassungen (Faktoreien genannt) in allen wichtigen europäischen Städten und verfügte auf diese Weise über eine europaweite Vertriebsorganisation, wie der Historiker Mark Häberlein schreibt. Die ließ sich nun nicht nur zum Warenverkehr einsetzen, sondern auch ganz wunderbar für Bankgeschäfte jeder Art.

          Wer sein Geld über Fugger transferieren ließ, musste keine Goldmünzen in Kutschen hin-und-herkarren lassen, bei denen immer die Gefahr eines Überfalls bestand. Es reichte, das Geld beispielsweise in Augsburg einzuzahlen, sich dafür einen Wechsel ausstellen zu lassen und das Geld dann in der Fugger-Niederlassung in Rom mit diesem Wechsel gewissermaßen wieder abzuheben. Auch dafür gibt es einen modernen Begriff: bargeldloser Zahlungsverkehr. Gerade die katholische Kirche fand dieses Modell äußerst reizvoll. Schließlich lief damals das Geschäft mit dem Ablasshandel auf Hochtouren – aus ganz Europa mussten Gelder nach Rom überwiesen werden. Jakob Fugger kam so in engen Kontakt mit der römischen Kurie. Eine Zeitlang durfte er sogar die päpstliche Münze prägen, eine besondere Ehre.

          Auch die Nachfahren zehren noch vom Reichtum

          Seine Niederlassungen dienten aber noch einem weiteren Zweck: Mit ihrer Hilfe war Fugger bestens über alles informiert, was in den wichtigsten Städten Europas vor sich ging. Denn die Informationen, die seine Mitarbeiter am Ort sammelten, wurden per eigenem Boten beispielsweise von Antwerpen nach Rom gesandt. Bald erkannte Jakob Fugger, dass sich auch damit zusätzliches Geld machen ließ. So bot er seinen fürstlichen und kirchlichen Kunden diesen Informationsservice als besonderes Extra an. Die vierte und letzte Lektion zum Reichwerden lautet darum: Sei schnell und sichere dir einen Informationsvorsprung!

          Fast noch erstaunlicher als Jakob Fuggers beeindruckender Aufstieg ist aber, dass seine Nachfahren sein Vermögen in gewisser Weise bis zum heutigen Tag bewahrt haben. Zwar zählen die derzeit etwa 40 Mitglieder der verschiedenen Linien der Fuggers nicht mehr zu den reichsten Menschen der Welt. Aber sie sind (auch wenn sie keine genauen Summen verraten) sehr wohlhabend.

          Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger steht den Fuggerschen Stiftungen vor.

          Frau Fugger, wie ist es Ihrer Familie gelungen, ihr Vermögen über die Jahrhunderte hinweg zu bewahren?

          Entscheidend war, dass schon frühe Nachfahren von Jakob Fugger mit Teilen des erwirtschafteten Geldes Grundbesitz erworben haben. Wir besitzen Liegenschaften und Wald. Damit kommt man leichter durch die Jahrhunderte als mit Geld, das ständig Währungskrisen und Inflation ausgesetzt war.

          Anders als Jakob Fugger sind Sie und Ihre Familie heute keine Unternehmer mehr, oder?

          Das sehe ich nicht so. Auch wenn wir heute ganz andere Geschäfte betreiben als unser Urahn, gibt es doch eine Gemeinsamkeit zwischen uns: Er war ein Familienunternehmer, und auch ich bin eine Familienunternehmerin. In der Forstwirtschaft müssen ständig unternehmerische Entscheidungen getroffen werden – und für unsere Stiftungen gilt das Gleiche.

          Leiden auch die Fuggerschen Stiftungen unter den niedrigen Zinsen?

          Glücklicherweise ist dies bei uns weit weniger der Fall als bei anderen. Denn die Stiftungen verfügen über 3200 Hektar Wald – bis zu 75 Prozent der Stiftungseinnahmen erzielen wir darum auf dem Holzmarkt. Deswegen machen uns schwere Stürme größere Sorgen als die Niedrigzinsphase. Die übrigen Einnahmen stammen aus Immobilien und ausden Eintrittsgeldern, die Touristen für den Besuch der Fuggerei zahlen.

          Kaminsims im Verwaltungsgebäude mit einem Originalstich von Burgkmair d. Ä. (“Reise nach Indien) und einer Büste von Jakob Fugger.

          Unter Leitung von Gräfin Thun-Fugger und einiger jüngerer Familienmitglieder haben sich die Fuggerschen Stiftungen in den vergangenen Jahren deutlich modernisiert: Gerade wird auf dem Gelände die Eröffnung einer neuen Gaststube für die Touristen vorbereitet, auch der Internetauftritt wird laufend verbessert. Wer eine Wohnung in der Fuggerei beziehen möchte, wird aber noch immer anhand der alten Kriterien ausgewählt, die Fugger einst vor fast 500 Jahren aufgestellt hat: Er (oder sie) muss Augsburger sein (also dort schon einige Zeit leben), er muss bedürftig sein und sich verpflichten, täglich drei Gebete zum Wohle des Stiftungsgründers Jakob Fugger zu sprechen – ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria. Im Gegenzug erhält man die Wohnung zur wohl niedrigsten Jahreskaltmiete der Republik – für 0,88 Cent. Die soll in etwa dem Gegenwert eines Rheinischen Guldens entsprechen, den Jakob Fugger einst als Mietpreis festgelegt hatte.

          Frau Fugger, gibt es heute einen Unternehmer, den Sie als den Jakob Fugger unserer Zeit bezeichnen würden?

          Nein, da fällt mir niemand ein. Wir leben im 21. Jahrhundert: Dies ist mit Jakobs Wirken vor 500 Jahren einfach nicht vergleichbar.

          Wird es die Fuggerschen Stiftungen in 500 Jahren noch geben?

          Da bin ich zuversichtlich. Schließlich hat unsere Familie ja schon einmal bewiesen, dass sie 500 Jahre durchhalten kann.

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